Entscheidend sind sicher die politischen Voraussetzungen. Ob diese beim ladin
dolomitan gegeben sind, wird erst die Zukunft weisen. Eine wichtige Rolle
kommt dabei den Massenmedien zu. Ob die 26 Jahresstunden Sendezeit im
Provinzfernsehen (Belardi 1993b, 267) ausreichen, wage ich zu bezweifeln.
Etwas stärker ist die Präsenz des Ladinischen im Rundfunk. Für die Region
Trentino-Südtirol strahlt der Bozener RAI-Sender werktags zweimal ein kurzes
Radioprogramm von insgesamt 35 Minuten Sendezeit in Ladinisch aus
(Craffonara 1981, 99). Belardi sieht in literarischen Publikationen der letzten
Jahre aus dem Grödnertal die Entstehung einer neuen romanischen Literatursprache
(Holtus/Kramer 1986, 55). Gelegentlich hat man den Eindruck, daß das
katalanische Vorbild der letzten 20 Jahre Hoffnungen weckt, deren Verwirklichung
bei einem Sprecherpotential von mehreren Millionen möglich ist, die
sich aber bei einer kleinen Minderheitensprache von einigen Tausend Sprechern
im Bereich der Utopie bewegt.
Schlußfolgerungen
1. Minderheitensprachen wie das Zentralladinische oder das Bündnerromanische
sind Sprachen, die in ihrer Existenz bedroht sind.
2. Will man diesen Sprachtod verhindern und die mit der Sprache verbundene
Kultur erhalten, braucht es die feste Überzeugung des Überlebenwollens sowie
die Sprachloyalität vonseiten der entsprechenden Bevölkerung. Es ist erfreulich,
daß die letzte Erhebung Born (1992, 127) für die Dolomitentäler eine
Einmütigkeit (91,4 % der Bewohner) erbracht hat bei der Frage: Sollen die
Kinder Ladinisch lernen? In Gröden waren es 100 % der Befragten, die daran
interessiert sind, Ladinisch an ihre Nachkommenschaft weiterzugeben.
3. Der Selbstbehauptungswille muß gestützt werden durch staatliche Schutzmaßnahmen,
die dem Schrumpfungsprozeß Einhalt gebieten. Roland Marti hat
in seiner neuesten Studie Probleme europäischer Kleinsprachen: Sorbisch und
Bündnerromanisch zu Recht geschrieben: „Sprachenpolitische Maßnahmen
können nur das sprachliche Verhalten der Sprecher beeinflussen, falls überhaupt.
Ihr Verhalten insgesamt hängt aber von zahlreichen nichtsprachlichen
Faktoren ab, und deren Einfluß ist ungleich stärker.“ Walter Haas (1988,1374)
äußert sich - ebenfalls in bezug auf das Bündnerromanische - ähnlich: „Das
Überleben der rom. Sprache hängt aber von der Schaffung einer gesunden wirtschaftlichen
Basis ab ... schon dies ist ohne Zweisprachigkeit nicht erreichbar.
Die Aufgabe der Sprachpolitik wird darin bestehen, die Zweisprachigkeit als
funktional sinnvoll und kulturell positiv erscheinen zu lassen ... Dazu ist es nötig,
die Nützlichkeit des Rom. über das Emotionale hinaus zu erhöhen; die instrumenteile
Nützlichkeit in Schule, Beruf und Öffentlichkeit ist für die
Spracherhaltung letztlich ausschlaggebend.“ Entsprechendes gilt für das Zentralladinische
und für jede gefährdete Minderheitensprache. Dies haben auch
maßgebende Politiker erkannt, z.B. Luis Dumwalder, Präsident der Provinz
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