Sprache A, in diesem Falle also das Deutsche, hat das höchste Prestige, nahezu
auf gleicher Stufe steht als Bj das mit dem einheimischen Idiom verwandte
Italienische, und das Grödnerische nimmt die Position der Ausbausprache B2
ein.
Das historische Zustandekommen dieser Konstellation möchte ich nur ganz
kurz ins Gedächtnis rufen. Bis 1918 gehörte Gröden als Bestandteil des Kronlandes
Tirol zum Kaiserreich Österreich. Bis weit ins 19. Jh. hinein sah man
das einheimische Idiom als „Kraut-” oder „Grobwelsch”, also als unkultivierte
Abart des „Klugwelschen” = Italienischen, an (Steub 1871, 180-181); ein Eigensprachlichkeitsbewußtsein
bildete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jh. aus,
wobei wichtige Faktoren der Wunsch zur Abgrenzung vom Trentiner Irredentismus
einerseits und die typologisch-dialektologische Diskussion in der zeitgenössischen
Romanistik andererseits waren (Kramer 1986, 598-599). Nach der
Annektion Südtirols durch Italien am Ende des Ersten Weltkrieges, die ohne
Befragen und gegen den Willen der Bevölkerung erfolgte, befanden sich die
Ladiner zusammen mit den deutschsprachigen Tirolern in einer gemeinsamen
Frontstellung gegen alles Italienische, und die erzwungene Einführung des Italienischen
als einzig anerkannter Sprache, verbunden mit einem weitgehenden
Verbot der Verwendung der deutschen Schriftsprache und Verhinderung eines
Ausbaus des Ladinischen, verstärkte die Aversionen noch (Kramer 1981, 27-44;
146-147). Nach 1945 drehten sich zunächst alle Südtiroler Bemühungen
um die Erzielung der Gleichberechtigung zwischen Deutsch und Italienisch;
wesentlich weniger spektakulär war der mit einer Orthographiediskussion im
Jahre 1948 (Kattenbusch 1990) einsetzende schriftsprachliche Ausbau des Ladinischen
in zwei Hauptvarianten, Gadertalisch und Grödnerisch; zu Anfang
der neunziger Jahre in die Wege geleitete Versuche zur Einführung einer talschaftsübergreifenden
dolomitenladinischen Schriftsprache stoßen gerade in
Gröden auf die heftigste Opposition.
Im Alltag des vom internationalen Tourismus geprägten und durchaus weltoffenen
Grödnertales sind natürlich das Deutsche und das Italienische omnipräsent,
und die perfekte Beherrschung beider Sprachen ist Voraussetzung für die
meisten Berufe; Englisch- und Französischkenntnisse sind oft erwünscht. Das
Grödnerische hat in dieser Situation natürlich auch die Funktion der Diversifikation
zwischen Alteinheimischen und Zugezogenen.
In Südtirol, also auch in Gröden, ist das Nebeneinander der Sprachen gesetzlich
bis in alle Einzelheiten genau geregelt, und zwar sind die heutigen Bestimmungen
im wesentlichen durch den Text des sogenannten „Südtirol-Pakets”
von 1969 vorgegeben, das als „neues Autonomiestatut” am 31. August 1972 in
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