gibt keine negativen historischen Erfahrungen mit dem Spanischen oder mit
spanischsprechenden Nationen, so daß der freie Zustrom von Hispanismen in
die Schriftform des Papiamentu von niemandem als bedrohlich empfunden
wird. Von jeher war das Niederländische zu fremd und zu alltagsfern, um
ernsthaft als Umgangssprache für Ansässige in Frage zu kommen: Wer auf der
Insel wirklich seßhaft werden wollte, mußte schon immer das Papiamentu erlernen,
das selbstverständliches sprachliches Kennzeichen aller Einheimischen
ist, unabhängig von Herkunft, Rasse, Religion oder sozialer Stellung.
Diese klare sprachliche Situation spiegelt sich freilich in keiner Weise in den
rechtlichen Regelungen wider: Das Niederländische ist die offizielle Sprache,
also z.B. die Sprache der Gesetzgebung, das Papiamentu ist de jure nicht
existent. An der nahezu konfliktfreien sprachlichen Koexistenz ändert das
nichts: Die Rechtslage ist für die Sprachrealität unerheblich, weil es keinerlei
Ansätze zu einem niederländischen Sprachimperialismus gibt.
Vielleicht ist ein Blick auf die sprachliche Situation an den Schulen4 nicht uninteressant:
Die Schulsprache war bis 1991 ausschließlich das Niederländische,
es gab allerdings Papiamentu als Fach; seither wird in einer Anzahl von Schulen
das Papiamentu als Unterrichtssprache verwendet, wobei natürlich von Anfang
an das Fach Niederländisch besteht. Spanisch wird in allen Schultypen von
der sechsten Klasse an als Fach unterrichtet.
Kommen wir zu einem anderen Dreisprachigkeitsfall in der kreolischen Welt,
zum Miteinander von Englisch (A), Französisch (BQ und Seychellenkreolisch
(Bi) auf den Seychellen (weitgehend nach Bollée 1993). Die Besiedlung dieser
Inselgruppe im Indischen Ozean, die heute von etwa 69 000 Menschen bewohnt
wird,5 erfolgte erst in der zweiten Hälfte des 18. Jh., als Frankreich weiße Herren
und farbige Sklaven von Mauritius und Réunion herüberbrachte. So wurde
nicht nur eine fertige Sozialstruktur, sondern auch eine bereits ausgebildete
Kreolsprache importiert; trotz der seither eingetretenen Auseinanderentwicklung
sind die Kreolsprachen von Mauritius, den Seychellen und in etwas
geringerem Maße von Réunion noch heute gegenseitig verständlich. Am Ende
des 18. Jh. erreichten die kolonialen Auseinandersetzungen zwischen dem revolutionären
und nachrevolutionären Frankreich und der expandierenden Seemacht
Großbritannien auch den Indischen Ozean; nach einigem Hin und Her
wurden schließlich 1810 die Seychellen und Mauritius britisch, während
Etwa zwei Drittel der Grundschulen sind römisch-katholische Privatschulen, daneben gibt
es protestantische und jüdische Schulen; für staatliche Schulen bleibt weniger als ein
Drittel übrig (Encyclopédie van de Nederlandse Antillen, Zutphen 21985, S. 348). Obwohl
es keine Schulpflicht gibt, liegt die Quote des Schulbesuchs bei 90%.
5 Der Fischer Weltalmanach ’94, Frankfurt 1993, S. 612: 68 598 Personen nach der
Zählung von 1987.
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