Full text: Sprachenpolitik in Grenzregionen

3) Kleine und mittlere Sprachen mit autonomer Wirtschaftskraft können sich 
durchsetzen (Katalanisch, Niederländisch). 
4) Kleine und mittlere Sprachen in ungefährdeter Randlage können sich be¬ 
haupten (Griechisch). 
Ungünstige Faktoren: 
1) Diese Sprachen fehlen meist im Kanon des europäischen Fremdsprachenun¬ 
terrichts (Polnisch, Ungarisch). 
2) Multiidentität kann (als Doppelidentität) im Laufe des Sprach- und Kultur¬ 
kontakts zur Identifizierung mit der mächtigeren ko-dominanten Sprache füh¬ 
ren (Deutsch in Ostfrankreich wird durch französische Dominanz verdrängt). 
Große Sprachen (Deutsch, Französisch, Englisch - teilweise auch Italienisch, 
Spanisch) 
Günstige Faktoren: 
1) Intemationalisierung und Europäisierung erfolgen rascher mit großen Amts¬ 
sprachen (Französisch als meistgebrauchte EU-Verkehrssprache in Brüssel). 
2) Informatika und Medien machen das Weltgeschehen zugänglicher 
(Golfkriegberichterstattung über CNN und TF 1). 
3) Ein hoher Spezialisierungsgrad und eine Konzentration auf den einzigen 
Produzenten/Lieferanten eines Produkts machen Sprachkenntnisse in großen 
Sprachen unentbehrlich. 
4) Im Fremdsprachenunterricht werden diese Sprachen auch außerhalb der 
Stammländer gelehrt und gelernt. 
5) Die drei großen Sprachen Europas werden als Muttersprache in mehreren 
Ländern gesprochen. 
6) Kultur- und Technologietransfer erfolgt verstärkt in diesen Sprachen. 
Ungünstige Faktoren beeinträchtigen die großen Sprachen kaum, wenn man 
von dem energieverschwendenden Konkurrenzkampf der Großen untereinander 
absieht. Nicht einmal die Benachteiligung von im Bereich der großen Sprachen 
ansässigen Minderheiten wirkt sich für die großen Sprachen nachteilig aus. 
2.2 Faktoren, die der Sprachdynamik als Bezugspunkt dienen 
1) Das Territorialitätsprinzip im Gegensatz zum herkömmlichen Personalitäts¬ 
prinzip funktioniert offensichtlich bis in das nächste Jahrhundert, wofür Ka¬ 
nada, Belgien, die Schweiz und die frühere Tschechoslowakei hervorragende 
Beispiele der jüngsten Gegenwart sind. Neben dynamischen Elementen (sozialer 
Aufstieg der durch das Territorialitätsprinzip gleichberechtigt gewordenen 
Sprachgemeinschaften) enthält dieses Prinzip auch deutlich statische Elemente 
(endgültige Sprachgrenzziehung). Kleinst- und Sondersprachen profitieren al¬ 
lerdings nicht von dieser Möglichkeit der gesetzlichen Gleichrangigkeit von 
Sprachen. 
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