Full text: Sprachenpolitik in Grenzregionen

gewiesen wurde.142 Eine Bedrohung der Sprache würde sich dadurch lediglich 
mittelbar aus der Gefährdung der Nation als solcher ergeben. Abgesehen von 
den Kräfteverhältnissen auf der Insel, machen es auch Owain Glyndwrs engli¬ 
sche Bündnispartner, die Unterstützung, die er bei Engländern fand, und sein 
Anspruch auf große Teile Englands, den er in der Tripartite Indenture zum 
Ausdruck brachte, unwahrscheinlich, daß er die Vernichtung der englischen 
Nation betrieb. Deshalb mag die dem anderssprachigen Gegner zu Beginn des 
Aufstandes, als dessen Zielsetzung noch offen schien, unterstellte Bedrohung 
der eigenen Sprache als Chiffre der extremen Feindschaft zu deuten sein. 
Eine weitere Deutungsmöglichkeit ergibt sich aus der gefährdeten Situation des 
noch ungefestigten Königtums Heinrichs IV. Erst 1399 auf den Thron gelangt, 
gefährdeten 1401 innere Opposition und, mit Frankreich und Schottland, starke 
äußere Gegner seine Herrschaft. Das Aufbrechen eines weiteren Konfliktes, der 
erneute finanzielle und militärische Anstrengungen der Untertanen notwendig 
machte, erforderte in der ohnehin angespannten Lage besonders wirksame Ar¬ 
gumente beim Werben um Unterstützung. Die Sprache galt in England als 
wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Engländern und Walisern.143 Die 
Owain Glyndwr unterstellte Absicht, die englische Sprache vernichten zu wol¬ 
len, kann daher darauf gezielt haben, einen Schulterschluß aller Engländer an¬ 
gesichts einer Auseinandersetzung herbeizuführen, die sonst leicht als rein re¬ 
gionale Angelegenheit den Bewohnern der betroffenen Gebiete allein überlassen 
geblieben wäre.144 
142 Vgl. Jäschke, S. 102 f., für Walisisch und die Waliser, sowie Bartlett, S. 202, für Irisch 
und die .Feinde des Königs1. 
143 Vgl. Jäschke, S. 103. 
144 Ich danke Herrn Professor Dr. Kurt-Ulrich Jäschke, Saarbrücken, für die Anregung zu 
dieser Untersuchung und für die Unterstützung bei der Ausarbeitung des Aufsatzes. 
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