Full text: Grenzen und Grenzregionen

anderen neuerworbenen Landschaften deutlich nachweisbar ist47 - hochgestellte 
Gefolgsleute erst ab dieser Zeit mit Landbesitz ausstatten konnte, so kann es sich 
bei den Angehörigen der fränkischen Führungsschicht von La Turraque allenfalls 
um die zweite Generation handeln, die sich bereits weitgehend dem Vorbild der 
rein romanischen Umgebung angepaßt hatte, und es ist kaum Zufall, daß sich die 
nächste Generation in dem Gräberfeld nicht mehr absetzen läßt48. 
Die Akkulturation kleiner Personenverbände fränkischer Herkunft - das sollte die¬ 
ses Beispiel zeigen - in einem geschlossenen Siedlungsgebiet von Romanen ging 
also vergleichsweise schnell vor sich. 
4.2 Die Verhältnisse im Speyergau 
Den umgekehrten Fall - eine schnelle Assimilation von Romanen in einem fränki¬ 
schen Umfeld - kann man wegen der "negativen Merkmale" des Totenrituals B 
schwerer nachweisen. Gewisse Ergebnisse erbringt eine Betrachtung der Verhält¬ 
nisse in dem östlich benachbarten fränkischen Siedlungsraum, der Pfalz, deren 
merowingerzeitliche Grabfunde kürzlich von Helga Polenz49 vorgelegt worden 
sind. Zugleich liegt für dieses Gebiet durch die Studien von Helmut Bernhard ein 
guter Forschungsstand zur Bevölkerungsgeschichte in der Spätantike vor50. Da¬ 
nach ist für das Hinterland von Speyer mit einem beträchtlichen Bevölkerungsan¬ 
teil aus spätrömischer Zeit zu rechnen, da hier während der schweren Wirren in 
der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nur ein Drittel der bestehenden Siedlungen 
aufgelassen wurde. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts wurden immerhin 7 % der 
ländlichen Siedlungen neu errichtet, und auch in der Mitte des 4. Jahrhunderts, als 
gerade die germanischen Provinzen unmittelbar an der Grenze schwer von den 
Germaneneinfällen im Gefolge der Magnentius-Usurpation betroffen waren, über¬ 
stand doch ungefähr ein Drittel und wurde in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhun¬ 
derts weiterbewirtschaftet51. Für die Merowingerzeit läßt sich zeigen, daß in 
47 Vgl. dazu Périn, in: Bulletin de la Société archéologique champenoise 65, 4 (1972), S. 57fif. - Gaillard 
de Semainville, in: Histoire et archéologie, les dossiers 56 (1981), S. 56f.; Périn, ebd. S. 41ff. - Vallet, 
in: La Picardie, berceau de la France, S. 113ff. mit Verbreitungskarte Abb. 66. 
48 r, 
Zwei Gräber mit einzelnen Beigaben aus Edelmetall enthalten je 3 Bestattungen, denen die Beigaben im 
einzelnen nicht zugewiesen werden können: Grab 51 (Larrieu / Marty / Périn / Crubézy, La Turraque, S. 
77f. mit Abb. auf S. 79 - goldener Ohrring), Grab 56 (ebd. S. 80f. mit Abb. auf S. 81 - bronzene Nadel 
mit grünem Halbedelstein in Goldfassung, silberne Gewandnadel). - 3 Gräber ergaben Spuren von 
Goldbrokat: Grab 14 enthielt 2 Bestattungen, Zugehörigkeit des Brokats nicht zu ermitteln (ebd. S. 48- 
49 Abb. auf S. 49), Grab 35 (ebd. S. 68) und Grab 59 (ebd. S. 82f.) jeweils 1 offenbar ungestörtes 
Skelett, außer einigen Goldfaden keine Beigaben. Dies weist auf Bestattung in goldbestickten 
Totengewändem hin und spricht für eine vollständige Akkulturation der fränkischen 
Oberschichtsfamilie. 
49 
Polenz, Katalog der merowingerzeitlichen Funde in der Ff alz, 2 Bde. 
50 Bernhard, in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 73 (1976), S. 84ff. Tabelle Taf. 33-34. 
51 Es ist beim heutigen Forschungsstand auch für dieses Gebiet noch schwer zu beurteilen, wie lange die 
Streusiedlung im 5. Jahrhundert bestand, vgl. dazu grundsätzlich Stein, in: Archaeologia Mosellana 1 
81
	        

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