Full text: Grenzen und Grenzregionen

findet sich, und das auch nur bei einem geringen Prozentsatz der Männer. In 
regional unterschiedlichem Umfang wurde selbst die Ausstattung mit 
Wegzehrung übernommen. Wie der stets hohe Anteil beigabenloser Gräber zeigt, 
wurde von einem bedeutenden Teil der jeweiligen Bevölkerung jedoch an der 
christlichen Sitte, dem Verstorbenen nur ein Totenhemd anzulegen, festgehalten. 
In dem Gräberfeld auf der Flur "Delle St. Martin" bei Verson, Dep. Calvados, läßt 
sich dies recht gut mit Beispielen belegen: Die Männer13 wurden im 6. wie im 7. 
Jahrhundert in einer Tracht bestattet, von der ebenfalls nur der Gürtelverschluß 
erhalten ist, d.h. Schnallen verschiedener Art, teilweise mit Zierbesätzen des 
Gürtels. Zumeist deutlich, ehemals in einer Tasche, wurde Gerät - Messer und 
Pfrieme - beigegeben. In nur drei von insgesamt 175 Gräbern wurde ein 
einschneidiges Hiebschwert (Sax) gefunden. Da die Gräber aber zu einem Teil in 
alter Zeit beraubt worden sind, kann der Prozentsatz etwas höher gewesen sein. 
Erhalten sind Saxe in Grab 106 aus dem ausgehenden 6. Jahrhundert und den 
Gräbern 40 und 96 des 7. Jahrhunderts14, alle drei zugleich die "reichsten" 
Ausstattungen. Überwiegend wurden die verstorbenen Männer allenfalls in ihrem 
gegürteten Gewand beigesetzt. 
Die Tracht der Frauen ist im 6. und 7. Jahrhundert nur mit spärlichen Me¬ 
tallbestandteilen versehen. Bei den hier ausgewählten, wiederum "reichsten" Grä¬ 
bern15 wurde der Gürtel mit Schnallen bzw. Garnituren verschiedener Form ver¬ 
schlossen, bei vielen anderen aber nur verknotet. Die eiserne Gürtelkette - eine 
Trachtbesonderheit dieser Region - in verschiedenen Frauengräbem 16 könnte auf 
zwei Gewänder hinweisen. Das Gewand wurde gelegentlich mit einer Fibel ver¬ 
schlossen, auch in Gräbern des 6. Jahrhunderts niemals mit einem Fibelpaar wie 
bei den Fränkinnen. Von dem Gürtel geht auch niemals ein Gehänge mit Amulet¬ 
ten aus und der Schmuck ist bescheiden. Eine Perlenkette ist verschiedentlich ge¬ 
tragen worden, auch Ohrringe kommen vor. Sehr charakteristisch ist dagegen der 
Fingerschmuck. Ein großer Teil der Frauengräber enthält einen Fingerring, häufig 
ist dies die einzige Beigabe, während der Fingerring in fränkischen Frauengräbem 
nur selten vorkommt, und wenn, dann ist dies eindeutig auf Angehörige einer 
Oberschicht beschränkt. Auch dieses Totenritual ist weiträumig verbreitet, und 
zwar in den zentralen Bereichen des Merowingerreiches und in Aquitanien bis 
13 Lemière et Levallet, in: Archéologie médiévale 10 (1980), S. 59ff., z.B. die Männergräber 13 (ebd. S. 
87 Abb. 3, 13 und Grabplan ebd. S. 99 Abb. 15, 13), Grab 68 (ebd. S. 92 Abb. 8, 68 und Grabplan S. 
101 Abb. 17, 68) und Grab 106 (ebd. S. 94 Abb. 10, 106 und Grabplan S. 103 Abb. 19, 106) aus dem 
6. Jh. sowie Grab 40 (ebd. S. 88 Abb. 4, 40; S. 89 Abb. 5, 40 und Grabplan S. 99 Abb. 15, 40) und 
Grab 96 (ebd. S. 93 Abb. 9, 96 und Grabplan S. 102 Abb. 18, 96) aus dem 7. Jh. 
14 Siehe Anm. 13. 
15 Z.B. Grab 34 (ebd. S. 87 Abb. 3, 34 und Grabplan S. 99 Abb. 15, 34) und Grab 132 (ebd. S. 95 Abb. 
11, 132) aus dem 6. Jh. sowie Grab 46 (ebd. S. 90 Abb. 6, 46 und Grabplan S. 100 Abb. 16, 46) und 
Grab 80(2) (ebd. S. 92 Abb. 8, 80[2] und Grabplan S. 102 Abb. 18, 80[2] ). 
^ Grab 46 (vgl. Anm. 15), außerdem in Grab 44 und 45 (ebd. S. 89 Abb. 5, 44-45; Grabpläne S. 100 Abb. 
16,44-45) sowie in Grab 164 (ebd. S. 96 Abb. 12, 164). 
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