Full text: Grenzen und Grenzregionen

einstweilen noch fehlen81. Aus diesem Grunde lassen sich nur andeutende 
Hinweise geben. 
Im Februar 1288 wandten sich Graf und Ritterschaft des Barrois an König 
Rudolf von Habsburg mit einer Beschwerde wegen französischer Übergriffe. 
Rudolf ordnete daraufhin eine Untersuchung an, ob es stimme, daß der König von 
Frankreich regni sui metis et terminis non contentus sei. Er bekundete ferner, er 
sei entschlossen, ut membra Romani imperii suo corpori firmiter adhereant 
indeciscP-. Der schriftliche Untersuchungsbericht basierte dann auf Befragungen, 
die u.a. erkennen lassen, daß Bäche und Flüsse als Grenzen galten, im 
allgemeinen aber Rechts- und Abgabenverhältnisse als Beweis fiir eine 
entsprechende Zugehörigkeit zum Reich oder zu Frankreich gewertet wurden. 
Diesen Bericht (inquisitio) ließ Rudolf urkundlich fixieren und bestätigen83; eine 
deutliche Markierung der strittigen Grenze schien sich damit zu erübrigen. Erst 
1299 kommt es zwischen König Albrecht und Philipp IV. (dem Schönen) zu 
einem Treffen an der Maas, die der Franzose 1297 in seiner Vierströmetheorie als 
eigene Grenze (abermals) reklamiert hatte84. Bei diesem Treffen im Val de l'One 
wird 1299 bei Quatrevaux mindestens eine herausragende Grenzmarkierung ge¬ 
setzt85. König Albrecht scheint bereits mit der Wahl des Begegnungsortes der 
französischen Theorie gegenüber nachgegeben zu haben. - Weitere Einzelheiten 
des Geschehens in Quatrevaux 1299 werden erst aus viel später durchgefuhrten 
französischen Befragungen86 deutlich: Danach ermittelten französische Beamte 
1387, daß die Maas seit 1299 als Grenze galt, teils auch die Flußmitte selbst. 
Grenzmarkierungen seien in der Form von Kupferzeichen in die Maas gesetzt 
worden, so unterhalb von St. Mihiel, bei "Jamville", mehrere bei Haudainville 
und dazu mindestens drei im Stadtgebiet von Verdun87. Eine zweite amtliche 
Befragung wird 1390 im Gebiet von Vaucouleurs, also jetzt am oberen Maaslauf, 
durchgefuhrt: Dort erinnert sich mancher noch vom Hörensagen an das 
Königstreffen von 1299, an damals gesetzte Grenzsteine ([bonne de pierre) und 
oi 
Fritz Kern, Die Anfänge der französischen Ausdehnungspolitik bis zum Jahr 1308 (1910); Heinz 
Thomas, Zwischen Regnum und Imperium. Die Fürstentümer Bar und Lothringen zur Zeit Kaiser 
Karls IV. (Bonn 1973), S.240ff. 
oo 
MGH Constitutiones III, Nr. 409 (S.392). Die vorangehende 'Declaratio nobilium comitatis Barensis' 
vom 20.2.1288, ebd. Nr. 408 (S.390f.). 
07 
MGH Constitutiones III, Nr. 411 (S.405f.). Sog. 'Approbatio inquisitionis per regem data' vom 
12.10.1289. 
84 Zur Vierströmetheorie s. Thomas (wie Anm. 81). 
Fritz Kern, Acta Imperii, Angliae et Franciae ab anno 1267 ad annum 1313 (Tübingen 1911), Nr. 
278 (S.207). 
Kern (wie Anm. 85), Nr. 278 (S.210-220) mit ausführlichen Vemehmungsprotokollen verschiedener 
Leute zur Grenzfrage. 
87 Ebd., S.210,213fF. 
66
	        

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