Full text: Grenzen und Grenzregionen

festlegen": Mlat. "sicut terrifinata erat per iuratores" (1158, Testimonianze di 
Travale, Monaci 12,3), "inffa terrifines" (ib. 12,4), "terrifines alios" (ib. 12,23); 
altflorent. "quelli terneßni ch'elle anno" (1278ca., Librolacopi, Monaci 131,95), 
äsen., "due maiestri che ternefmaro la tera di Val di Montone co Matasala" erklärt 
als "che segnarono i confini della terra di Val di Montone" (TestiSchiaffini s.v. 
ternefmare). Die Form terneßni erklärt sich vermutlich mit Beeinflussung durch 
terno oder mittels Konsonantendissimilation. Die übertragene Bedeutung in: "i 
ternafin del disperar "die Grenzen der Verzweiflung" ist Ende 13. Jahrhundert bei 
DavanzatiMenichetti IX, S. 48 belegt. 
4. it finaita / sinaita 
Besonders interessant sind süditalienische Formen von finis, die sich mit dem 
langobardischen Superstratwort *snaida "Grenze" gekreuzt haben. Dieser Typus 
finaita, "Grenze; Grenze eines Grundstückes" ist typisch für Apulien, Kalabrien 
und Sizilien und tritt schon im Jahr 1121 in mittellateinischer Form auf, z.B. im 
Codex diplomaticus Barensis (CDB 7.5,7): "Primus a mediis finetis est terra cum 
olivis Nicolai filii Johannis iudicis" (Minervini). Ein modernes Beispiel stellt die 
Form aus Mangone in Kalabrien dar: a finäta als Bezeichnung für einen nicht 
kultivierten Grenzstreifen zwischen zwei Äckern, der als Fußweg dient, oder auf 
dem man Gras wachsen läßt (AIS 142lcp., p.761). 
Die unkontaminierte langobardische Form *snaida "Grenze" ist in den Abruzzen 
belegt: abr. snayd (DAM) im Gebiet des langobardischen Herzogtums Benevent. 
Dieselbe Form kommt aber im 11. und 12. Jahrhundert auch in Umbrien, in den 
Marche und vor allem in Apulien vor, hier kontaminiert mit signum: mlat. 
signaide (Bari 962, Aebischer, ZrP 64, S. 381). 
Mlat. sinaida ist im 7. Jh. auch in der Poebene bekannt (Bobbio 622, Aebischer, 
ZrP 64, S. 383). Im Mittellatein der Marche wird senaitare "eine Grenze ziehen" 
zusammen mit confinare verwendet; Fabriano 1254: "sicut senaitatum et 
confinatum est" (Sella, S. 525). Im Beleg von Salerno 952: limite et signaite que 
per ipsi arbori fecerunt (Aebischer, ZrP 64, S. 384) heißt signaite unzweifelhaft 
"Grenzzeichen", während der Beleg von 1056 aus Camerino sinadia fluvio Clenti 
schon die erweiterte Bedeutung aufweist "Grenze, die durch den Fluß Clenti 
gebildet wird" (ib., S. 385). 
Die mittellateinischen Belege für signaide und sinaita hat Aebischer (ZrP 64, S. 
380-388) zusammengestellt und interpretiert. Häufig sind Wendungen wie 
signaide petre ficte (ib., S. 381), d.h. "Grenzen, die mit Grenzsteinen versehen 
sind". Petra fiicta kommt auch als Ortsname seit der Merowingerzeit vor und ist 
heute als Pierrefiitte fast in ganz Frankreich verbreitet (FEW 3, Sp. 495b). In 
Katalonien existiert ebenfalls einfaches fiita "Grenzpfahl", span, hito, ebenso 
abeam.fita "bome, limite" (ib., Sp. 495a). 
Langob. snaida entspricht ahd. sneida/sneita "Schneise, die als Grenzmarkierung 
dient". Im 'Edictum Rotari* bedeutet snaida "Schnittzeichen, das in die Waldbäume 
eingeschnittene Zeichen des Besitzers", Rotari 240 (Rhee, S. 120): "si quis propter 
intento signa nova (id est ticlatura aut snaida) in silva alterius fecerit." Ticlatura 
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