Full text: Grenzen und Grenzregionen

sem et Tridentinum episcopatum, que incipit ab Y sarco ilumine et ascendit per ri- 
vum Cardün usque ad rivum qui dicitur Flemadur, et prope illum rivum usque per 
media pascualia prata que dicuntur Cerrangun et inde ad apicem silicis qui vocatur 
Crispa de Laitemär usque ad alium apicem Limidär alt...." (es folgen Pradassis, 
Avis, Lucca, Luccetta, Lusa). Bis zum Reiteijoch am Latemar läßt sich die Bi¬ 
stumsgrenze gut verfolgen, dann aber gehen die Meinungen auseinander, ob das 
Gebiet zwischen Predazzo, Rollepaß, S. Pellegrino und Moena einmal zu Brixen 
gehörte wie Fassa oder immer schon bei Fleims war. Nach den Namenstudien von 
G. dell'Antonio23 scheinen mir nach einer Weide Pradatsch wenigstens Avisio, 
Alóch und A llochét eindeutig identifiziert zu sein. 
Gerade im Grenz- und Alpgebiet bereiten die genauen Situierungen der Namen 
häufig Schwierigkeiten: Avis (später Aveis) ist der Talbach Avisio\ Lucca stelle ich 
zu zlad. locia 'Lücke' wie auch das Diminutiv Luccetta24; Lusa dürfte zu dt. Los 
gehören, da solche Güter oft durch das Los verteilt wurden. In solchen romani¬ 
schen Grenzgebieten werden gern romanisierte deutsche Namenformen gebraucht, 
insbesondere bei Grenzangaben, Übergängen und Nutzfluren, wie lad. merscia, 
locia, bra(i)scia (dt. March, Lucke, Brache) aus dem Appellativwortschatz darle¬ 
gen. Das kann mit dem Frequenzwert dieser Bezeichnungen in der Verwaltung Zu¬ 
sammenhängen. 
Eine der häufigsten Ursachen für Grenzstreitigkeiten in solchen Höhenlagen bil¬ 
den gemeinsam genutzte Weidgänge (etwa nach Gemeindetrennungen) oder Aus¬ 
bau und Nutzung von altem Ödland durch neue Anrainer, die weitere Feuchtge¬ 
biete und Hochlagen erst später der Alm- und Grasnutzung erschließen. Grenzge¬ 
biete aber blieben gebietsweise sehr lange Ödland, wie viele Grenzbeschreibungen 
nahelegen. Schon die Bezeichnungen Mitte(n)wald in historisch belegbaren Wal¬ 
dungen sind aufschlußreich: eines im Schamitzer Wald25, der nördlich des Breo- 
nenlandes bis Seefeld (Reith = Reute) reichte, eines in der "Silva inter Oenum et 
Licum" über dem Ferapaß26, eines bei Franzensfeste (Wibetwald, zu Vipitenum) 
zwischen Breonen, Saevaten und Isarken, eines zwischen Nurichgau und Lumgau 
in Osttirol27. Dazu kommen mehrere heute aus Namen erschließbare Wälder, sel¬ 
tener belegbar durch rtr, Namen wie Selva < SILVA, Salvesnaires (Reschen, 
Dizionario toponomástico atesino, hg. v. C. Battisti, Firenze 1936£f., Bd. I, Nr. 
1310), Patscheid (Kronburg), Nassereit < ACERETU, häufiger durch deutsche 
Waldbezeichnungen wie Forchach am Lech, Hart, Ehrwald, Wald a. Arlberg, in 
dieselbe Richtung weisen 1192 Aicha(ch), 1160 nemus Liutasca und andere Ur¬ 
kundenbelege. Eine systematische Zusammenstellung, wie sie für Gewässernamen 
23 Vgl. Mondo ladino 1 (1977), S. 121-172; der Autor hat ausgezeichnete Ortskenntnis. 
2^ Vgl. J. Kramer, Etymologisches Wörterbuch des Gadertalisehen, Bd. 5, Köln 1972, S. 37. 
'IS 
Bei K. Finsterwalder, Tir. ONkde, Bd.. II, S. 765: "in solitudine Scarantiense, silva Scarinse " u.ä. 
2^ Zwischen Leutasch und Reutte sind mehrere Sumpfgebiete und Wälder zu belegen {Lermoos, Ehrwald 
etc.), vgl. Tir. ONkde, Bd. H, S. 765 ff. 
Vgl. F. Hüter: "..die von einem mehr oder minder breiten Waldgürtel beiderseits dieser (= Lienzer) 
Klause gebildete Grenze..'', in: Jb. d. Südtiroler Kulturinstituts 2 (1962), S. 12. 
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