Full text: Grenzen und Grenzregionen

Knotenpunkte wie Landeck, Brixen, Vintl etc. und kamen vorwiegend aus dem 
nördlichen Vorland. 
Die Römer hatten das Land von Trient aus und gleichzeitig vom Nordwesten her 
angegriffen und zielstrebig unter Augustus bzw. seinen Stiefsöhnen erobert. Ihre 
politische Grenzziehung blieb in den Diözesagrenzen noch lange erhalten, auf die 
sich die alten Pfarreien und späteren Gerichte stützen mußten; im Westen waren es 
vielfach auch Markgenossenschaften, im Süden eher Nachbarschaften (regole). 
Römische Siedlung wird vor allem deutlich in den weitgehend erhaltenen 
Prädiennamen wie Girlan, Eppan etc., aber auch Andrian, Vilpian im Burggrafen¬ 
amt16, im Brixner Becken folgen mit Klerant, Köstlan (< CASTELLANUM), Mil¬ 
land nur mehr sekundäre Bildungen mit anders gelagerter Basis, ähnlich auch im 
Pustertal: Sillian (zu SILEX ?) u.ä. Im Inntal ist Erl (< AURELIANUM) wohl äl¬ 
ter als Absam, Wattens, Gageion (heute Kolsaß), wo in den Gründemamen pro¬ 
vinzielle, spätere Einflüsse deutlich werden. Alle diese Namenformen haben aber 
die deutsche Akzentverschiebung auf die Erstsilbe mitgemacht, sind also wohl vor 
1100 in deutschen Mund gekommen. 
Ein durchaus vergleichbares Bild bieten dann wenige Jahrhunderte später die Na¬ 
menbildungen auf -ing, die zwischen Haiming und Hötting im alten Huosigau ei¬ 
ne deutliche Insel bilden17, ähnlich im Pustertal (Issing etc.). Im übrigen Tirol tre¬ 
ten sie massiert und auch, vielfach aus späterer Zeit (Suffixwechsel), vor allem im 
Nordtiroler Unterland auf18. Wegen der nicht selten einwirkenden semantischen 
Analogien und Ablenkungen sind andere Namenareale klarer erkennbar und ver¬ 
läßlicher, etwa die Gebiete mit Resultaten aus der Zweiten Lautverschiebung (Weg 
der Baiuwaren im Inntal und Wipptal bis ins Bozner Becken und im Pustertal, vor 
800), mit deutscher Akzentverschiebung (bis ins 11. Jh.) und dann vor allem mit 
der Diphthongierung der extremen Tonvokale i, u, ü (bis ins 13. Jh.). Die Laut¬ 
chronologie ist als Argumentationsweise in diesem Bereich von W. Bruckner und 
K. von Ettmayer19 entwickelt worden. K. Finsterwalder hat die Methode dann ver¬ 
16 Diese Prädien sind benannt nach dem Gründer und/oder Besitzer, hier Cornelius, Appius, Andreas, 
Ulpianus u.a.; zusammenfassende Behandlung durch C. Battisti im Archivio per l'Alto Adige 46 
(1953), S. 65-111, Ergänzungen und Korrekturen durch K. Finsterwalder in der Tiroler Heimat 27/28 
(1963/64), S. 7-27 und neuerdings M. Pfister,"Il popolamento del Trentino settentrionale e del Sudtirolo 
prima dell'anno Mille", in: Festschrift G. B. Pellegrini, Hamburg 1991, S. 285-307. 
17Vgl. K. Finsterwalder im Tirol-Atlas, Innsbruck 1975, 2, S. 25 fF. bzw. in Tir. ONkde., Bd. I, S. 57 ff. , 
Karte 61. Flaurling, Mieming sind wegen der an der Bildung beteiligten alten Personennamen rom. 
Flurin, bair. Mi emo noch Bildungen aus der Landnahmezeit. 
18 Unechte Namen auf -ing sind vom Ziller an häufig anzutreffen wie Bocking < Bockern (Brixental), 
Mauring statt Maurach (St. Johann) etc.; in Südtirol Afing < AVIA, Planitzing < Planitzie wie 
Planötzen (Innsbruck) gebildet etc., Tir. ONkde, Bd. I, S. 419 ff. 
19 "Die geschichtlichen Grundlagen der Sprachenverteilung in Tirol", in: Mitteilungen d. Inst. f. Österr. 
Gesch. Erg. Bd. 9 (1915), S. 1-33, bes. S. 18 ff.; einzelne Ansätze sind heute überholt, aber die 
Grundlagen wie etwa der Enklavencharakter früher römischer Siedlungen wie auch der ersten 
Baiuwarenansiedlungen sind richtig gezeichnet. 
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