Full text: Zwischen Saar und Mosel

auch Kaiser Friedrich I. Barbarossa hatte bei der Planung der Reichsmarkgrafschaft 
Namür so gehandelt17. Diesen Eindruck erweckt auch die zeitgenössische Vita 
Alberti episcopi Leodiensis - sie mag kurz nach Bischof Alberts I. Ermordung vom 
24. November 1192 geschrieben worden sein18 wenn sie gleichsam als Makel an 
dem Ritterbild Balduins V. mitteilt, dieser habe seinem Onkel mütterlicherseits die 
Namürer Grafschaft gewaltsam entrissen, obgleich eben dieser höchstem Adel 
angehört habe, [rechtmäßig] Graf gewesen und im Greisenalter blind geworden 
sei19. Auch moderne Übersichten brauchen einen Dynastiewechsel nur für die 
Grafschaft Namür zu vermerken20, allerdings zusätzlich deren Verkleinerung auf 
die gräfliche Domäne: Fiel die später so genannte Propstei Poilvache rechts der 
Maas im ersten Frieden von Dinant doch 1199 vertraglich an „Luxemburg“21. 
Graf Heinrichs des Blinden einziges Kind, die im Juli 1186 geborene Tochter 
Ermesinde22, hätte sicher das Schicksal einer mittellosen Grafentochter oder 
Kleinsterbin geteilt, wäre Großgraf Balduin V. / VIII. nicht schon 45jährig, nämlich 
Mitte Dezember 1195, gestorben - seine Gattin Margarete von Flandern war ihm 
bereits Mitte November 1194 im Tode vorausgegangen23 - und wäre beider Sohn 
und Nachfolger Balduin IX. nicht zunächst durch Auseinandersetzungen mit dem 
französischen König gebunden gewesen und dann im Gefolge des Vierten Kreuz¬ 
zugs erster lateinischer Kaiser von Byzanz geworden, ja, nach Niederlage gegen die 
Bulgaren bei diesen nach Mitte 1205 verschollen24. Vor seinem Tod in Echternach 
hatte Heinrich der Blinde sich gerade noch die Verfügungsgewalt über die Tochter, 
die er Ostern 1187 dem Grafen Heinrich II. von der Champagne zur Vorbereitung 
eines Ehebündnisses ausgeliefert hatte, sichern können25, jedoch nicht mehr eine 
irgendwie geartete Bündniskonzeption zu weiterer Selbstbehauptung oder gar 
Restitution realisiert26. Zunächst schien sich die Konstellation zu ändern: Nach 
Heinrichs des Blinden Ableben hatte Kaiser Heinrich VI. die politische Linie seines 
Vaters insofern verlassen, als er mit den Grafschaften Luxemburg, Laroche und 
wohl auch Durbuy nicht den Hennegauer und flandrischen Großgrafen, sondern 
seinen eigenen jüngeren Bruder Otto von Burgund belehnt und ihm gleichzeitig 
reichsfürstlichen Rang, auch als dem Oberlehnsherrn beispielsweise des Grafen von 
17 Jean-Louis Küpper, Friedrich Barbarossa im Maasgebiet, in: VuF 40, Sigmaringen 1992, S. 235. - 
D.F.I.857, S. 91, Z.I3-16. 
18 Vgl. STRUBBE/VOET (wie Anm. 2), S. 282 mit Johannes HELLER in seiner Einleitung zur Edition der 
Vita, in: MGH SS 25 (1880), S. 135. 
19 Vita Alberti episcopi Leodiensis 1, a.a.O. 1880, S. 139 zu Alberts I. angeblich einzigem Gegner Graf 
Balduin V. vom Hennegau: Hic est, qui Namucensem comitatum violenter extorserat avunculo suo 
Henrico, comiti Namucensi nobilissimo: iam seni et oculis caligantibus ceco\ 
20 STRUBBE/VOET (wie Anm. 2), S. 385. - Gerhard KÖBLER, Historisches Lexikon der deutschen 
Länder, München 1988, S. 353, Sp. 2, hier = 41992, S. 401, Sp. 2. 
21 Vgl. Margue (wie Anm. 6), S. 148, Sp. 1 mit Genicot (wie Anm. 4), Sp. 1012. 
22 C. Wampach, Urkunden- und Quellenbuch zur Geschichte der altluxemburgischen Territorien bis zur 
burgundischen Zeit 1, Luxemburg 1935 [künftig: UQB.l], S. 721 f., Nr. 516. - Vgl. die beiliegende 
genealogische Tafel Uber Ermesindes Ahnen und Ehen. 
23 Strubbe/Voet (wie Anm. 2), S. 366 und 393. - Prevenier (wie Anm. 8), Sp. 1371. 
24 Walter Prevenier, Kaiser Balduin I. von Konstantinopel, in: Lex. des MA. 1 (1980), Sp. 1368f. 
25 Margue (wie Anm. 6), S. 147, Sp. 2. 
26 Gegen Newcomer (wie Anm. 5), S. 68 ist zu verweisen auf M. PariSSE, Les trois mariages du comte 
de Bar Thiebaut Ier. A propos de Finterpretation d’une charte de Thiebaut de Briey, in: Annales de 
l’Est, Serie 5, Bd. 19 (Nancy 1967), S. 57-61. 
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