Full text: Zwischen Saar und Mosel

einleuchtende Deutung bei W. Müller zurückgreifen, der aus der Passage in Zeile 3, 
wo es heißt, .. wenn ein Schiff der Kölner in unserem Hafen anlegt, . . den 
Aussteller als den Trierer Erzbischof identifizierte und als denkbare Formulierung 
,firmamus privilegia antecessorum nostrorum archiepiscoporum“ präsentierte16. 
Angesichts des neuen Lesevorschlages in Zeile 1 muß man ebenso einen erhebli¬ 
chen Textverlust davor annehmen, nur freilich in dem Sinne, daß sich das Wort 
archiepiscoporum doch eher auf Coloniae mercatores beziehen läßt und in den 
nachfolgenden Namen Kaufleute der Kölner Erzbischöfe und, so drängt sich aus 
den Buchstabenresten auf, der Pfarrkirche St. Columba genannt sind17. Nach diesen 
Überlegungen handelt es sich also um eine Garantie von Zollsätzen für bestimmte 
Gruppen von Kölner Kaufleuten. Ebenfalls in Erwägung zu ziehen ist die 
Überlegung, die Bestimmungen seien ursprünglich zweigeteilt gewesen, daß also 
die besonderen Rechtsgarantien, die zu Beginn der Inschrift erwähnt sind, nur den 
genannten Personen zuteil wurden, die Zollsätze jedoch für alle Kölner galten; die 
Formulierung cuiusque Coloniensium könnte freilich als cuiusque Coloniensium 
predictorum verstanden und demnach nur auf die vorauf genannten bezogen sein. 
Die Zollsätze im einzelnen werden wegen des fragmentarischen Zustandes der 
Inschrift kaum jemals vollständig zu erfahren sein, da keine parallele handschriftli¬ 
che Überlieferung des Textes geschweige denn eine Urkunde existiert. Ähnlich wie 
in der Kölner Vereinbarung von 1149 wurden für einige Handelsgüter nicht 
einzelne Mengen, sondern Schiffsladungen pauschal zugrundegelegt. Wohl für Öl, 
sicher aber für Wein und Salz hatte ein anlandendes Kölner Schiff in Trier den 
vierten Teil eines Modius, eines Scheffels, als Naturalabgabe zu zahlen, während 
für eine Last Wolle ein nummus, wahrscheinlich gleich einem Pfennig, für Heringe 
eine zusätzliche Naturalabgabe fällig wurde. Entziehen sich die letzten Bestimmun¬ 
gen vor dem Anathem einer Beurteilung überhaupt, so ist für Zeile 5 noch auf eine 
bisher nicht erkannte Besonderheit hinzuweisen: Anders als etwa in einem 
Kopfregest bei Müller geht es hier nicht um Einfuhr von Getreide, sondern um 
einen durchaus als handeis- und besonders exportfördernd zu verstehenden Zoll¬ 
satz, wenn der Einkäufer von Getreide in Trier für jedwede Menge denselben Satz 
von 1 nummus (1 Pfennig?) zu zahlen hatte18. 
16 MÜLLER (wie Anm. 3), Nr. 20. 
17 St. Columba ist im 12.Jahrhundert längst Pfarrkirche gewesen, vgl. H. JAKOBS, Verfassungstopogra- 
phische Studien zur Kölner Stadtgeschichte des 10. bis 12. Jahrhunderts, in: Köln, das Reich und 
Europa. Abhandlungen über weite Verflechtungen der Stadt Köln in Politik, Recht und Wirtschaft im 
Mittelalter (Mitteil, aus dem Stadtarchiv Köln Bd. 60), Köln 1971, S. 49-123, hier S. 108; ob die 
Kölner Sondergemeinden, die in der freiwilligen Liegenschaftsgerichtsbarkeit faßbar sind, auch auf 
Rechtsboden außerhalb der Stadt operierten, bedarf noch weiterer Klärung. 
18 W. Stein, Handels- und Verkehrsgeschichte der deutschen Kaiserzeit, aus dem Nachlaß von O. Held 
(Abhandlungen zur Verkehrs- und Seegeschichte Bd. 10), Berlin 1922, S. 259 vermutete, daß die 
Kölner Kaufleute Salz und Wein oberhalb der Mosel, also in Lothringen kauften. Vgl. auch J.B. 
Keune, Moselverkehr in alter und neuer Zeit, in: Trierer Heimatbuch 1925, S. 19-60, 39f. zu Ein- und 
Ausfuhr von Wein und lothringischem und luxemburgischem Getreide und Salz, Zum Weinhandel in 
Trier vgl. L. Clemens, Trier - eine Weinstadt im Mittelalter (Trierer Historische Forschungen Bd. 
22) Trier 1993, S. 336-338 zur Kaufleute-Inschrift. Die Zweiteilung des Heringszolles in Geld- und 
Naturalabgabe begegnet erstaunlicherweise wiederum singulär so gehandhabt im Triere Stadtrecht 
von ca. 1190, vgl. Rudolph / Kentenich (wie Anm. 10), S. 5. 
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