Full text: Zwischen Saar und Mosel

Baudenkmalpflege, der Unterstützung von Museen und Archiven hinzutraten18. Mit 
der kontinuierlichen Aufgabenausweitung wurde auch der Aufbau einer eigenstän¬ 
digen effizienten Verwaltung unumgänglich, wogegen sich der Landtag lange Zeit 
aus politischen und finanziellen Erwägungen gesperrt hatte. 1887 findet - mit 
einiger Verspätung infolge des Kulturkampfes - das Tauziehen um die künfige 
Struktur der Provinzialvertretung und -Verwaltung ihren Abschluß mit dem Wandel 
vom ständischen Landtag zum kommunalen Provinzialverband. Dessen politische 
Vertretung hieß nun Provinziallandtag. Seine Mitglieder wurden von den angehöri- 
gen Kommunalvertretungen gewählt und hatten nun auch das Recht, Grundsatzent¬ 
scheidungen zu treffen. Dem Landtag zur Seite stand ein aus seiner Mitte gewählter 
Provinzialausschuß, der die laufende politische Kontrolle der Verwaltung ausübte. 
An der Spitze der ebenfalls in Düsseldorf ansässigen Verwaltung standen der 
Landeshauptmann (ursprünglich Landesdirektor) und die für die Hauptaufgabenbe¬ 
reiche zuständigen Landesräte. Der rasante Ausbau der Verwaltung stand im 
Einklang mit der Provinzialordnung von 1887, als der Verband ausdrücklich 
berechtigt wurde, im Rahmen seiner Selbstverwaltung nach eigenem Gutdünken 
sich neue Aufgabenfelder zu erschließen. 
Trotz erheblicher Vermögensverluste und Kompetenzverlagerungen, die dem Ver¬ 
band durch die Gebietsabtretungen (Eupen-Malmedy und Saargebiet) entstanden 
bzw. auf die Besatzungspolitik zurückzuführen sind, blieben auch in der Weimarer 
Zeit die Hauptaufgabenfelder erhalten. Nur einige wenige wie die Kriegsbeschädig¬ 
tenfürsorge, die Arbeitsvermittlung oder der Ausbau der Kulturarbeit traten neu 
hinzu. Eine wirkliche Neuerung bedeutete auch die im Einklang mit der Weimarer 
Verfassung notwendig gewordene Direktwahl der Mitglieder des Provinziallandta¬ 
ges. Die NS-Diktatur bereitete mit ihrer Gleichschaltungpolitik der provinzialen 
Selbstverwaltung ein abruptes Ende. Die Einrichtungen wurden unter dem Oberprä¬ 
sidenten insoweit verstaatlicht, als die parlamentarischen Organe beseitigt wur¬ 
den19. Die Arbeitsfelder der Verwaltung des Provinzialverbandes blieben jedoch 
erhalten, wenn auch einzelne Kompetenzen beschnitten wurden20. Die Gleichschal¬ 
tung führte den Verband zweifellos auch zu dem düstersten Kapitel seiner 
bisherigen Geschichte, zu der die Verstrickung in die rassenideologisch begründe¬ 
ten Zwangssterilisationen und Patientenmorde der Nazis ebenso gehört wie die 
Mitwirkung an der Unterhaltung eines Konzentrationslagers und späteren Gestapo¬ 
gefängnisses in der ehemaligen Arbeitsanstalt in Brauweiler. 
Nach dem 2. Weltkrieg und nach der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen 
gelang es, mit der Gründung der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen- 
Lippe im Jahre 1953 an die Tradition des Provinzialverbandes anzuknüpfen und in 
dieser Art beispielslose Institutionen in der BRD zu schaffen, die überörtliche 
kommunale Aufgaben wahrnehmen (Wohlfahrtspflege, Jugend Wohlfahrt u. 
18 Zu erwähnen sind hier die Zuschüsse für Museumsvereine, die seit den 1870er Jahren fließen, und v.a. 
die Einrichtung der Provinzialmuseen (1890). Analog fördert der Verband im 19. Jh. bereits die 
staatlichen Archive der Provinz und richtet 1929 eine Archivberatungsstelle für den nichtstaatlichen 
Bereich ein. 
19 H. ROMEYK (wie Anm. 3), S. 310. 
20 Wie vor, S. 299 ff. 
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