Full text: Zwischen Saar und Mosel

Hoffnung äußerte, daß an der Universität des Saarlandes das gute Zusammenleben 
von Lehrern und Studenten verschiedener Nationalität45 erhalten bleiben möge. 
Bald zeigte sich jedoch bereits im Rahmen der Vorberatungen über eine neue 
Universitätsverfassung, daß die gerade von den Initiatoren des Manifests so 
entschieden geforderte Internationalität nur schwer realisierbar sein sollte. So 
kritisierten die Professoren Aebli45 46 47, Moreau und Stämpfli entschieden die im 
Entwurf der neuen Verfassung vorgesehene Beschränkung der Beteiligung Dritter 
auf Stiftungslehrstühle und Stiftungsinstitute und warben dafür, die Art der 
Beteiligung Dritter zu erweitern und die finanzielle Unterstützung von Forschungs¬ 
projekten von internationaler Bedeutung durch Bezahlung von Forschungsprofes¬ 
suren, Assistenten, Hilfspersonal und der Forschungsausrüstung mite inzuschlie¬ 
ßen41 . Von internationalem Interesse könnten die Erforschung und Bekämpfung 
verbreiteter Berufskrankheiten, das Studium weitverzweigter naturwissenschaftli¬ 
cher und technologischer Probleme wie die Atomenergie, die Kollektion und 
Auswertung historischen, kunsthistorischen oder linguistischen Materials, die 
pädagogische und technische Hilfe für die Entwicklungsländer oder die Bekämp¬ 
fung unerwünschter sozialpädagogischer und sozialpsychologischer Erscheinungen 
sein. Diese Projekte wären durch einen als Körperschaft durch ein Kuratorium 
verwalteten „Fonds für Internationale Forschungsprojekte“ zu finanzieren, der von 
allen interessierten Instanzen wie der UNESCO, dem Internationalen Arbeitsamt, 
der Montanunion, der Euratom sowie wissenschaftlichen Institutionen wie der 
Rockefeller Foundation, der Max-Planck-Gesellschaft, dem französischen Centre 
National de la Recherche Scientifique, der Fondation Nationale de la Recherche 
Scientifique Beige, dem Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissen¬ 
schaften getragen würde und letztendlich zur Internationalität von Forschung und 
Lehre in unmittelbarer Weise an den bestehenden Instituten der Universität 
beitrage48. 
Allerdings ließen sich diese Bestrebungen weder bei den weiteren Verfassungsbe¬ 
ratungen noch im Rahmen der saarländisch-französischen Kulturverhandlungen 
verwirklichen, da die saarländische Delegation das Angebot von Stiftungslehrstüh¬ 
len ablehnte. Nach einer Übergangsregelung für die französischen Lehrkräfte bis 
Ende September 1957 wurden dann zum 1. Oktober 1957 sieben bereits an der 
45 Prof. Hahn über Universität, in: Speculum - Saarländische Studentenzeitschrift 1 (Juli 1956) S. 20. 
46 Zu Biographie und Oeuvre Hans Aeblis (1923-1990), der als außerordentlicher Gastprofessor von 
1955 bis 1957 den Saarbrücker Lehrstuhl für Psychologie innehatte, die nach Aeblis Tod publizierte 
autobiographische Darstellung Hans Aebli (1923-1990), in: E. G. Wehner (Hrsg.), Psychologie in 
Selbstdarstellungen 3, Bern 1991, S. 9-31. Über seine Zeit als Lehrstuhlvertreter berichtet Aebli unter 
anderem auf Seite 17: Während und nach dem Wahlkampf ertönten nun zum Teil deutschnationale 
Töne, und einige hätten wohl am liebsten die ausländischen Professoren allesamt nach Hause 
geschickt. Die Franzosen gaben ihre Positionen kampflos auf und wurden von Paris mit der Zeit 
zurückgezogen. Wir „Neutralen“, Schweizer, Belgier usw. versuchten, zusammen mit den europäisch 
gesinnten Kollegen die internationale Offenheit der Universität zu retten... 
47 So Stämpfli an Prodekan Doenecke (23. Mai 1956) und den Leiter der Verfassungskommission 
Hübner (undatiert) (Universitätsarchiv Saarbrücken, Sammlung Stämpfli 1). Eine umfassende 
Darstellung der Beratungen der Verfassungskommission muß einer weiteren Untersuchung Vorbehal¬ 
ten bleiben. 
48 So die Denkschrift Aeblis vom 16.6.1956. Ebenda. 
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