Full text: Zwischen Saar und Mosel

Ortsgruppen mit territorialer Hoheit - ähnlich wie in SPD und KPD - entwickelten. 
1921 existierten im Saargebiet vier Arbeiterbörsen in Dillingen, Dudweiler, 
Neunkirchen und Saarbrücken16. 1927 schlossen sich die verbliebenen Ortsgruppen 
in Homburg, Stennweiler, St. Ingbert, Wiebelskirchen, Burbach, Jägersfreude und 
Sulzbach zu einer Provinzialarbeiterbörse zusammen17. 
Abgesicherte Aussagen über Herkunft und Zusammensetzung der FAUD-Mitglied- 
schaft im Saargebiet lassen sich zwar nicht für deren Gesamtheit treffen, allerdings 
sind punktuelle Befunde über die Führungskräfte und einzelne Orte durchaus 
möglich. Sie bestätigen insbesondere die 1921 getroffene Feststellung des freige¬ 
werkschaftlichen Bergarbeiterverbandes (BAV), „daß sich auch Kameraden an 
dieser Aktion gegen den Verband beteiligten, die von der Pike auf mit dabei waren, 
ist doppelt bedauerlich“18. In der Tat gehörten sogar BAV-Veteranen wie Johann 
Malter aus Altenwald, vor dem Ersten Weltkrieg dessen führender Funktionär im 
Sulzbacher Raum, 1918 zum Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Friedrichsthal- 
Altenwald gewählt19, damals zu den Aktivisten der FAUD. Auch Georg Pistorius, 
Ortsgruppenvorsitzender von Jägersfreude und FAUD-Bezirksleiter bis 1933, war 
1906 als 18-jähriger Bergmann der SPD beigetreten20. Bei den FAUD-Vorsitzen¬ 
den von Dudweiler, Sulzbach und Wiebelskirchen handelte es sich um ehemalige 
USPD-Funktionäre. Heinrich Knapp wiederum, 1924 zum Vorsitzenden des 
ADGB-Ortsausschusses von St. Ingbert gewählt, kam aus der KPD21. 
Es waren also längst nicht nur Neulinge in der Arbeiterbewegung, die sich in der 
FAUD engagierten, und selbst zahlenmäßig konnten sie anfangs mit SPD und KPD 
durchaus noch konkurrieren. In Sulzbach etwa, wo 1922 220 FAUD-Mitglieder 
organisiert waren, nahmen am 1. Mai dieses Jahres immerhin 80 Männer und 40 
Frauen unter schwarzen Fahnen an einem separaten Ausflug teil22. Ihrer sozialen 
Zusammensetzung nach scheinen Bergarbeiter die dominante Berufsgruppe gebil¬ 
det zu haben; Hütten- und Keramikarbeiter hingegen waren bald kaum mehr 
vertreten, da die Dillinger Arbeiterbörse bereits früh einschlief23. Intellektuelle 
fehlten im Saargebiet ebenso wie der Typus des „Handwerker-Sozialisten“, 
insbesondere aus qualifizierten Bauberufen, der in Berlin in der Vorkriegszeit 
ebenso wie in den 20er Jahren den Kern der syndikalistischen Bewegung bildete24. 
Mit der späteren Erosion der FAUD scheint wenigstens regional auch eine Senkung 
des Qualifikationsniveaus verbunden gewesen zu sein. Auf ein verändertes Sozial¬ 
profil deuten jedenfalls die polizeilichen Recherchen gegen die 12 Mitglieder der 
16 Schnell (wie Anm. 12), S. 115. 
17 Protokoll über die Verhandlungen des 16. Kongresses der FAUD vom 26.-28. Mai 1927 in 
Mannheim, Berlin 1927, S. 28. 
18 Der Bergarbeiter v. 1.1.1921. 
19 Polizei/Altenwald an Bürgermeister v. 17.2.1918, Landesarchiv Saarbrücken (=LAS), Stadt Sulzbach, 
68/2/3. 
20Ebd., Landesentschädigungsamt (=LEA) MDI 4281. 
21 Ebd. MDI 2796. 
22 Vereinsnachweis Bürgermeisterei Sulzbach (Undatiert/1922), ebd., Landratsamt (=LRA) Saarbrücken, 
P-V/15 a; Polizei/Sulzbach an Bürgermeister v. 1.5.1922, ebd., Stadt Sulzbach, 67/2/1. 
23 Schnell (wie Anm. 12), S. 115. 
24 Vgl. BOCK (wie Anm. 7), S. 314. 
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