Full text: Zwischen Saar und Mosel

seiner Schrift „Sind Aufruhr und Meineid im Dänischen oder im Schleswig- 
Holsteinischen Feldlager zu suchen ?“ benutzt, was seinen verfassungsgeschichtli¬ 
chen Ausführungen zugute gekommen ist. Er bezieht sich ausdrücklich darauf29, 
schreibt allerdings immer „Sanwer“. 
Gegen alle Vorwürfe einer Teilnahme an einer Verschwörung des Herzogs von 
Augustenburg oder wegen einer Verpflichtung einer politischen Tätigkeit für den 
Herzog verteidigte sich P. in einem Verhör durch den dänischen Auditeur Lund 
freimütig und mit gutem Gewissen und hoffte auf Befreiung aus der Haft und 
Wiedereinsetzung in sein Amt. Der Bischof Hansen von Alsen schrieb ihm aber, er 
möge sich in seine Gefangenschaft fügen, seinen Abschied einreichen; dafür 
versprach ihm der Bischof, ihm unter dem Namen des Wartegeldes eine Pension zu 
erwirken, ferner die Anwartschaft auf spätere Wiederanstellung, Niederschlagung 
jeder Untersuchung, Rückkehr in sein Pfarrhaus, eine Abfindung und die Freiheit, 
nach Wunsch Alsen zu verlassen. Aber diesen diplomatischen Weg, der ihm 
vielleicht viele Leiden und Verluste erspart haben würde, lehnte P. im Bewußtsein 
seiner Unschuld und seines Rechtes ab. Eine Unterredung mit dem anwesenden 
dänischen Kriegsminister Tscherning, dem P. sich mutig auf der Straße genähert 
hatte, bewirkte schließlich seine Entlassung aus der Haft zusammen mit acht 
Leidensgefährten30. Sie mußten sich durch einen Revers ehrenwörtlich verpflichten, 
nichts gegen den König, den dänischen Staat oder die „rechtmäßigen“ Autoritäten 
und nichts für die Kieler Provisorische Regierung zu unternehmen und sich nicht 
ohne besondere Erlaubnis in das Herzogtum Schleswig zu begeben. P. fuhr auf 
einem norwegischen Dampfer zunächst nach Travemünde und von da nach 
Hamburg, wo er in der Nähe den Herzog mit seiner Familie antraf, dann nach Kiel 
und an andere Orte in Holstein. Mit Sorge dachte er daran, daß seine Frau sich noch 
auf Alsen als treue Wächterin der dort befindlichen Habe befand. Wegen der Nähe 
der Kampfzone konnte P. nicht gestattet werden, dorthin zu gehen; aber seinen 
Geburtsort Hoyer durfte er zum Besuch von Verwandten als nördlichsten Punkt 
ausnahmsweise besuchen mit einem Legitimationsbrief des Ministers Tscherning in 
großzügiger Weise, so daß P. ihn noch nach Jahren als einen Ehrenmann von 
christlicher Gesinnung dankbar benannt hat. 
Da kam plötzlich der viel geschmähte Waffenstillstand von Malmö vom 26.8.1848. 
Eine neue Regierung wurde in den Herzogtümern eingesetzt. Der Herzog von 
Augustenburg kam nach Holstein, um, wie er hoffte, von da aus auf seinen Besitz 
auf Alsen zurückkehren zu können, und P. sah schon im Geiste seine Rückkehr 
nach Nottmark, um seine Frau wiederzusehen und sein geistliches Amt wieder 
übernehmen zu können. Es stellte sich aber heraus, daß die Dänen das auf keinen 
Fall zulassen würden, ungeachtet des Artikels 6 des Malmöer Vertrages, der am 
1.9.1848 ratifiziert worden war, wonach die Herzogtümer von den beiderseitigen 
Truppen geräumt und der normale Verkehr wieder freigegeben werden sollten. Nur 
durch ein mutiges Wagnis gelang es P., auf kurze Zeit zu seinem Pfarrhaus 
durchzudringen, um seine Frau aus ihrer einer Gefangenschaft ähnlichen Lage zu 
befreien. Eine Aufhebung seiner Suspendierung und Wiedereinführung in sein Amt 
29 Petersen, (wie Anm. 5) 87. 
30 PETERSEN, (wie Anm. 4) 235ff. und zum Folgenden. 
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