Full text: Zwischen Saar und Mosel

Schlaikjer als „eine notwendige Konzession an das Volksbewußtsein“ durchge¬ 
setzt17. Durch ein Schreiben des Bischofs Hansen wurde P. am 7.4.1848 von dem 
entsprechenden Befehl des Königs vom Vortage unterrichtet18. 
Inzwischen rückte der Krieg des Deutschen Bundes mit Dänemark näher. Preußi¬ 
sche Truppen rückten heran und erfochten einen Sieg über die Dänen, ohne ihn 
jedoch, wie sie gekonnt hätten, zu nutzen. Sowohl Preußen als auch der Deutsche 
Bund hatten zugunsten der Herzogtümer interveniert, nach einigem Schwanken und 
unter Verfolgung einer keineswegs gradlinigen Politik. Immerhin bekamen die 
Dänen auf Alsen einen gewaltigen Schreck. Um eine Reaktion der deutschen 
Elemente auf der Insel zu unterbinden, führte man die betreffenden Personen, eine 
nach der anderen, in Gefangenschaft. Dazu gehörte auch P. Er wurde nach 
Sonderburg beordert und dort zum Gefangenen erklärt, wie man ihm sagte, auf 
kurze Zeit. Er konnte sich noch von seiner ganz gebrochenen Frau verabschieden. 
„Ich mußte meine Frau allein und schutzlos den Stürmen überlassen, umgeben von 
Feinden, mit ungetreuen, dänischgesinnten Dienstboten.“ Einen schwereren 
Abschied habe er nicht erlebt19. 
Am anderen Morgen wurde er mit seinen Mitgefangenen auf einem Dampfschiff 
nach Faaborg auf Fünen geschafft und sah von Alsen aus noch das Lager der 
deutschen Truppen auf dem Festlande und die Fahne des Deutschen Bundes 
Schwarz-Rot-Gold wehen. Aus den wenigen Tagen Haft wurde ein Vierteljahr, 
unter mancherlei Beleidigungen und Beschimpfungen. Die niedergedrückte Stim¬ 
mung und der Kummer nagten an seiner Gesundheit. Galle und Magen versagten 
den Dienst, er fand keinen Schlaf. Da man wußte, daß P. das Vertrauen des Herzogs 
von Augustenburg genossen hatte, nahm man ihn ins Verhör, um Anhaltspunkte zu 
gewinnen, um den Herzog als den eigentlichen Urheber des Aufruhrs verurteilen zu 
können. Ein verstärkendes Element für die Verdächtigungen gegen P. war das in 
einer Schriftenreihe: Antislesvigholstenske Fragmenter erschienene Buch des 
königlichen geheimen Archivars und Historiographen Caspar Frederik Wegener, 
das zuerst 1849 in Kopenhagen herauskam und das im gleichen Jahr auch ins 
Deutsche übersetzt wurde. In diesem Buche werden nun zwei Briefe P.’s, an den 
Herzog vom 23.4.1847, und vom 28.7.1847 an Dr. Marcus in Hadersleben, unter 
durch Pünktchen angedeutete Auslassungen abgedruckt, mit denen die Verstrik- 
kung P.’s in angebliche Machenschaften des Herzogs bewiesen werden sollte20. 
Kein Geringerer als der auch in der Schleswig-Holstein-Frage literarisch tätig 
gewesene große Historiker Georg Waitz hat von Göttingen aus zu diesem Opus des 
C.F. Wegener Stellung bezogen, es als ein übles Machwerk dänischer Propaganda 
17 Ebda. 203. 
18 Ebda. 204. 
19 Ebda. 218. 
20 C.F. Wegener, Om Hertugen af Augustenborgs Forhold til det holstenske Opror, (Antislesvighol¬ 
stenske Fragmenter 1 lte Hefte) Kjobenhavn 1849; deutsch, außerhalb der sonst teilweise in deutscher 
Übersetzung erschienenen Hefte der Reihe Antischleswigholsteinische Fragmente: C.F. Wegener, 
Über das wahre Verhältnis des Herzogs von Augustenburg zum Holsteinischen Aufruhr, Copenhagen 
1849. dän. Ausg. 195 Nr. 105; 196f. Nr. 107. dt. Ausg. 216 Nr. 105; 218 No. 107. 
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