Full text: Zwischen Saar und Mosel

mayer, Lichtenberger, Carl Böcking, Isambert, Quirin usw. stets Stummsche 
Angestellte (nur Steinbeis nicht, der 1847 noch kein Bürgerrecht hatte)187. Die 
Deutsche Revolution wurde anfänglich wohl von allen führenden Hüttenleuten, 
nicht nur von Steinbeis, mitgetragen, doch schon gegen Ende des Jahres differen¬ 
zierte sich, was hier nur angedeutet werden soll, ihre Haltung deutlich188. Als 
außerordentlich engagiert in Sachen Politik zeigte sich wiederum Kromayer, der, 
wie in Neunkirchen, alsbald auch in Hörde Bürgermeisterbeigeordneter wurde und 
während seiner Amtszeit als Saarbrücker Bürgermeister (1854-1862) als Abgeord¬ 
neter der Liberalen des Wahlkreises Saarbrücken-Ottweiler-St. Wendel 1858 in den 
preußischen Landtag einzog, bald jedoch aus den erwähnten Gründen zurücktrat. 
Sein Mandat übernahm dann bis 1866 der Saarbrücker Bergamtsdirektor und 
Bismarck-Gegner Leopold Sello, der, auch im Ottweiler Kreistag, den Konfronta¬ 
tionskurs gegen die Erzkonservativen unter Führung des Jungunternehmers Stumm 
und des katholischen Ottweiler Stadtpfarrers J. A. J. Hansen fortsetzte189. 
Schließlich fällt auf, daß unter dem knappen Dutzend leitender Angestellter, die das 
Unternehmen der Gebr. Stumm in den ersten 50 Jahren nach der Niederlassung im 
Saarrevier, in der Phase der Frühindustrialisierung, beschäftigte, sich immerhin drei 
Persönlichkeiten finden, die sich als Wissenschaftler einen Namen machten: 
Bergmeister Schmidt u. a. mit seiner von Goethe gewürdigten Gangtheorie als 
Geologe, Dr. Steinbeis190, nach 1848 als Volks Wirtschaftsexperte und Präsident der 
württembergischen Zentralstelle für Handel und Gewerbe, beide im Zusammen¬ 
hang mit ihren beruflichen Ambitionen, und der Oberbuchhalter Lichtenberger - 
völlig außerhalb des Berufsspektrums - als Amateurastronom191. Er war zudem der 
Erste und Einzige aus dem Stumm-Konzern, der mit der Würde des Ehrendoktors 
ausgezeichnet wurde. 
187 StadtA Neunkirchen, Gemeinderats-Beschlußbuch v. 5. Mai 1847. 
188 Vgl. Klein, Hesse (wie Anm. 22), S. 169 ff. 
189 Bellot (wie Anm. 78), S. 43 ff. 
190 Promoviert wurde Steinbeis bereits als Zwanzigjähriger 1827 in Tübingen mit einer Preisarbeit zur 
Glasfabrikation (SlEBERTZ, wie Anm. 10, S, 36 ff.). 
191 Schlecht abzuschätzen ist, inwieweit Lichtenbergers Wirken den Boden für den vor 1861 in 
Saarbrücken gegründeten Naturwissenschaftlich-technischen Verein, der 1869 kosmographische 
Vorlesungen arrangierte (Saarbrücker Ztg. v. 6. Aug. 1861 u. 3. Mai 1869), die 1901 bestehende 
Vereinigung von Freunden der Astronomie u. kosmischen Physik (StadtA Saarbr. Best. Alt-Saarbr. 
Nr. 1603) u. letztlich für die in den 1950er Jahren zusammengetretene Arbeitsgemeinschaft 
Astronomie, die 1962 in Wiebelskirchen eine „Volksstemwarte“ betrieb (Saarheimat 6, 1962, S. 
30 f.), vorbereitet hat. 
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