Full text: Zwischen Saar und Mosel

achtzigjährig - vom Amt des Schatzmeisters der „nützlichen Gesellschaft“ entbin¬ 
den177. Vier Jahre später, am 27. Februar 1883, starb er in seiner Trierer Wohnung, 
vermutlich an einer Grippe, der acht Tage später auch seine ältere Schwester 
Philippine im Nachbarhaus zum Opfer fiel. Beide Todesfälle bezeugte Lichtenber- 
gers jüngster Sohn Johann, damals Fabrikant in Andernach, auf dem Standesamt. 
Darüber hinaus ist über die Familie und Lichtenbergers Kinder nur bekannt, daß sie 
unverheiratet und ohne Nachkommen geblieben sein sollen178. Damit entfiel 
jeglicher Ansatzpunkt zu gezielten Nachforschungen nach dem Verbleib von 
Lichtenbergers wohl noch das eine oder andere alte Familienstück aufweisenden 
Nachlaß samt schriftlichen Aufzeichnungen und der Bibliothek. 
Versucht man, die hier vorgestellten Führungskräfte der Gebr. Stumm etwa nach 
den Vorgaben von Kocka und Pierenkemper179 grob zu typologisieren, so wäre 
zunächst festzustellen, daß bis auf Bergmeister Schmidt und Steinbeis alle im 
Saarrevier bzw. seinem Einzugsbereich beheimatet sind. Dem Geburtsstand nach 
entstammen sie vorwiegend dem schon zu Ende der feudalen Ära saturierten, 
protestantischen Bildungsbürgertum, dessen Söhne, wenn sie irgend taugten, 
Pfarrer, Lehrer, Ärzte, Juristen, Verwaltungsbeamte, Förster usw. wurden, sich aber 
auch vielfach als Kaufleute qualifizierten und über Speditionsgeschäfte und 
Kohlenhandel - wie die Böcking, Schmidtborn, Röchling - im Montangewerbe Fuß 
faßten180. Unterrepräsentiert sind dagegen die aus den französischsprachigen 
Nachbarregionen stammenden katholischen Fachkräfte, die meist noch unter den 
Nassau-Saarbrücker Fürsten in der Saargegend heimisch wurden und dann während 
der Zugehörigkeit zu Frankreich - mit oder unter ihrem bedeutendsten 
Repräsentanten, dem Saarbrücker Claude Savoy (1756—1831)181 - die Führungspo¬ 
sitionen im Berg- und Hüttenwesen einnahmen. Zu ihnen zählten neben den 
Haiberger Direktoren Nicolas und Isambert182 auch der Neunkircher Lacour, der 
einzige aus dem hier angesprochenen Personenkreis, der aus der dörflichen 
Unterschicht kam und den Aufstieg in die Chefetage schaffte. 
Über Schule und Ausbildung liegen - außer bei den beiden „Akademikern“ 
Schmidt und Steinbeis - keinerlei Angaben vor. Wie üblich, wenn die Berufswahl 
kein theologisches oder juristisches Studium erforderte, wird nach dem Besuch der 
Grundschule und von zwei oder drei Klassen des Gymnasiums das Schwergewicht 
auf der praktischen Ausbildung im Werksbetrieb bzw. im Kontor, oft bei mehreren 
Firmen, gelegen und der Eleve mit 16-18 Jahren als Kopist oder Kommis im 
177 JBerGesTrier 1878/81, 1882, S. 1. 
178 So Raimar (wie Anm. 47), S. 39. Seine Tochter Emma, geb. 1844 in Neunkirchen, bewohnte später 
das väterliche Haus (frdl. Auskunft von Herrn Gail). Über seinen Sohn Johannes in Andernach war 
nichts Näheres zu erfahren. 
179 Kocka, Unternehmer (wie Anm. 3), S. 52; Pierenkemper (wie Anm. 11), S. 55 u. passim. 
180 Vgl. Herrmann (wie Anm. 1), S. 288 mit Literatur. 
181 Dazu u. zu Savoye, directeur des forges et houillieres du pays de Nassau-Sarrebruck, vgl. Petto 
(wie Anm. 25), S. 161; Gayot-Herly (wie Anm. 23), S. 32 f., 90 f.; W. Petto, Das Saarbrücker 
Sensenwerk, in: Saarheimat 1981, S. 7 ff. Eine Untersuchung, vergleichbar der Pettos über die 
Gouvys (Anm. 23), steht für die Savoye, Audebert, Aubert, Binger usw. noch aus. 
182 C. Isambert, hatte noch am 31. März 1860, als die Gebr. Stumm das Werk Halberg-Fischbach 
übernahmen, Prokura zur Liquidation des bisherigen Eigentümers Stumm & Co. (wie Anm. 46, Nr. 
403). 
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