Full text: Zwischen Saar und Mosel

vorliegenden historischen, equestrischen bzw. hippologischen und die rein örtlichen 
Gegebenheiten entgegenstehen150. 
Leib- und Magenblatt Lichtenbergers für wissenschaftliche Veröffentlichungen 
blieb die vorerwähnte Leipziger astronomische Wochenschrift, deren Korrespon¬ 
dent er jahrelang war151. Die Neunkircher meteorologischen Meßdaten machte er 
regelmäßig in den Jahresberichten der Trierer Gesellschaft für nützliche Forschun¬ 
gen bekannt. Außerdem informierte er als Spezialberichterstatter der lokalen 
Presse, vorab der Saarbrücker Saarzeitung, ein breites, offenbar interessiertes 
Publikum jeweils über Himmels- und Naturereignisse wie Nordlicht, Kometen und 
Sternschnuppen, Mond- und Sonnenfinsternisse, atmosphärische Störungen, Erdbe¬ 
ben, Lufttemperatur und -feuchtigkeit, Witterungsabläufe und deren etwaigen 
Einflüsse auf die Garten- und Landwirtschaft. Bei besonderen Anlässen, etwa der 
totalen Sonnenfinsternis am 18. Februar 1858, wies er auch auf leicht zugängliche 
Literatur oder die Benutzung preiswerter „Blendgläser“ hin152. Nichts Außerge¬ 
wöhnliches wäre es daher, wenn sich um seine Person ein loser Kreis von 
naturkundlich interessierten Laien zu gelegentlichen Vorträgen oder Führungen in 
der Sternwarte versammelt hätte. 
Ganz so vage erscheint diese Vermutung nicht, läßt man einige von Lichtenbergers 
speziellen Freunden, Kollegen und Bekannten Revue passieren. Das wären aus der 
näheren Umgebung: Georg Appolt (1800-1866), Blaufarbenfabrikant in Sulzbach, 
Amateurastronom, seit 1836 Mitglied der Trierer nützlichen Gesellschaft, einer der 
engsten Vertrauten Lichtenbergers153, - Anton Krechel (1814-1885), erster Bahn¬ 
hofsvorsteher, zudem Baumeister und ab 1864 Gaswerksbesitzer in Neunkirchen, 
der wohl nicht nur dienstlich wegen der Bahnzeitermittlung mit Lichtenberger 
150 Der Radius von ca. 7 m gestattete keinen ordnungsgemäßen Reitbetrieb, auch nicht mit Ponys 
(Skalecki), die erst im 20. Jh. als Kinderreitpferde in Mode kamen. Möglich ist dagegen, daß dort 
zeitweise ein Karussel, hierzulande „Reitschule“ genannt, installiert war, was die oral history 
inspiriert haben könnte. - Eine regelrechte „gedeckte Reitbahn“ (Meyers Großes Konv.-Lexikon 16, 
1909, S. 771) wurde 1859/60 von Baumeister H. Bohlander für rd. 3300,- Taler erbaut. Nach der 
Kostenabrechnung - u. a. außer Quader- u. Bruchsteinen 50.000 Backsteine, Giebel mit Kreuzfen¬ 
ster, 20 Quadratruten Schieferdach (Rechnung, wie Anm. 144, S. 188 f., mit einliegendem 
Voranschlag) - hatte sie nichts mit dem Oktogon zu tun. Sie befand sich vermutlich auf dem Hofgut 
in der Saarbrücker Straße u. wurde mit diesem samt der benachbarten Villa Strantz bei den 
Werkserweiterungen Ende des 19. Jhs. abgetragen bzw. umgebaut. Ihren Bau veranlaßte sicher der 
damals noch ledige Carl Ferd. Stumm, der nach dem Einjährigen bei den Gardedragonem als 
Leutnant zur Landwehrkavallerie trat. Seine Brüder wurden alle zunächst aktive preußische 
Kavallerieoffiziere; Hugo, der jüngste, weilte 1859 in einem Internat. 
151 Vgl. oben zu Anm. 126. 
152 So in der Saarztg. v. 18. Febr. u. 2. März 1858, wo er auf die wie 1851 preiswerten „Blendgläser“ bei 
Opticus H. Hochapfel u. eine gemeinfaßliche „Darstellung“ aus der Feder des mit ihm befreundeten 
Astronomen u. Ingenieurs Dr. Nell aus Mainz hinweist. 
153 Zu Appolt vgl. Lichtenberger, Unterhaltungen (wie Anm. 126), 5, 1851, S. 271 S. 383 f.; Reidel 
(wie Anm. 30), S. 97; Lauer (wie Anm. 111), S. 96 ff.; Klein (wie Anm. 26), S. 137. Lichtenberger 
u. Appolt erprobten u. a. gemeinsam neue Instrumente, so das Kellner’sehe Fernrohr; Appolt u. seine 
Nichte Fanny Röchling waren 1849 u. 1850 Taufzeugen von Lichtenbergers Kindern. 
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