Full text: Zwischen Saar und Mosel

Jedenfalls scheint Stumm, als er sich früher oder später zum Bau des Pavillons 
entschloß, Königs Vorschläge beherzigt und sich für ein Oktogon entschieden zu 
haben. Dabei könnte es durchaus primär als traditionelles Gartenhaus, wie es 
damals vielfach in und um Saarbrücken in Mode war145, konzipiert und genutzt und 
erst später - etwa im Zusammenhang mit Stumms Ableben - zum Observatorium 
umfunktioniert worden sein. Nicht unmöglich ist aber auch, daß es von vomeherein 
und mit voller Billigung Stumms, der wissenschaftlich ziemlich aufgeschlossen - 
auch außerhalb des Montansbereichs - war, als Observatorium errichtet wurde146. 
Ungewiß ist die Erbauungszeit. Einen vorläufigen terminus ante quem bietet ein am 
12. August 1848 unterfertigter Plan aus dem Kataster der Gemeinde Neunkirchen 
Flur 27 bzw. Niederneunkirchen Flur 1, der erstmals das Oktogon aufweist147. Es 
wäre somit im Zusammenhang mit der Errichtung der metorologischen Station 
noch zu Stumms Lebzeiten erbaut worden. 
Daß die nach Lichtenbergers Abgang verwaiste Sternwarte alsbald anderweitige 
und recht unterschiedliche Nutzungen erfuhr, stand zu erwarten, zumal Stumm 
junior kein rechtes Verhältnis - nach dem Freitod des Vaters und der Mesalliance 
der Mutter - zur jüngeren familiären Vergangenheit und, was Lohmeyer schon 
auffiel, zur Kunst- und Kulturpflege fand148. Daß jedoch in dem Oktogon Pferde 
bewegt und geritten wurden149, ist offenbar eine vom neonostalgischen Sensations- 
joumalismus aufgegriffene, pflegeleichte Medienlegende, deren Verifizierung die 
145 Vgl. W. Zimmermann (wie Anm. 19), S. 133 ff. F. Kloevekorn, Saarbrückens Vergangenheit im 
Bilde, Saarbrücken 1934, S. 112, 168, Lohmeyer (wie Anm. 144), S. 122 ff. - Einen weit größeren 
Pavillon für Fabrikfeste, Tum- u. Musikveranstaltungen ließ 1857 E. v. Boch in den Mettlacher 
Parkanlagen erbauen (K.-H., GORGES, Der christlich geführte Industriebetrieb im 19. Jh., Wiesbaden 
1989, S. 103 ff.). 
146 Vielleicht unter dem Eindruck der 1844 von dem Physiker u. Publizisten bzw. „ersten rheinischen 
Liberalen“ Joh. Friedr. Benzenberg in Bilk bei Düsseldorf erbauten, später von der Stadt Düsseldorf 
betriebenen Privatstem warte (M. Hein, Wissenschaftstransfer zwischen Deutschland u. dem belgi¬ 
schen Raum im 18. u. frühen 19. Jh., in: RheinVjbll 56, 1992, S. 206-228, hier S. 226), an deren 
Errichtung Prof. Argeiander u. der Aachener Gymnasiallehrer E. Heis, Lichtenbergs guter Bekannter 
u. 1858 Ehrenmitgl. der Trierer Ges. (Unterhaltungen, wie Anm. 126, 5, 1851, S. 30, 152, 7, 1953, S. 
271 f.; REIDEL, wie Anm. 30, S. 102) tätigen Anteil genommen hatten. Hier könnte die langjährige 
Tischgemeinschaft zwischen Stumm, der 1838 als Nachfolger seines Onkels Ferdinand in die Trierer 
nützl. Gesellschaft berufen wurde (Reidel ebd. S. 97), Früchte getragen haben (vgl. Anm. 63). 
147 Katasteramt Neunkirchen, (vgl. Tafel). - Über die Erbauung ist nichts bekannt; immerhin wird 
1849/50 eine Restsumme von 286,79 Talern für die Sternwarte angewiesen (Baurechnung, wie Anm. 
144, S. 45), diese somit aktenkundig gemacht. 
148 Vgl. K. Lohmeyer, Erinnerungen, Heidelberg 1960, S. 221. 
149 Auch L. SKALECKI, Das Reithaus- u. Marstall-Ensemble des Karlsberger Schlosses usw., in: 
Saarpfalz 1994/2 S. 5-24, gibt keine Belege zu den Ausführungen über das Stummsche „Reithaus“. 
(S. 17 f.). 
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