Full text: Zwischen Saar und Mosel

schwer und haltbar und in Bietzen mit zwar gutem, lieblichem, aber nicht lange 
haltbarem, nicht transportfähigem Wein. Die Weine verbleiben in der Mehrzahl im 
Kanton. Mit den Schweinen wird gehandelt im Elsaß, der Pfalz und im Birkenfel¬ 
der Land. Wild ist nicht sehr häufig. 
Fabrikation gibt es in Leder, Wolltuche, Hüte, Strümpfe, Leinen, Färberei, 
Pottasche-Brennen, Schuherzeugung. Ferner eine Papierfabrik, so aber erst einge- 
richt wird. An Wolle werden in Merzig und Losheim ca. 90 Zentner, an Häuten 
1 200 Kalbfelle, 600 Ochsen- und Kuhhäute, 1 600 Schaf- und Ziegenhäute 
verarbeitet. Der Taglohn eines Arbeiters beträgt 1 Fr 25 Centimes. An Verbesse¬ 
rungen empfiehlt Niederreuther eine bessere Verwaltung, ohne die eine gute 
Landwirtschaft nicht bestehen kann. Er kritisiert die noch immer bestehende 6,9 
oder 12jährige Güterverpachtung, die den Ackersmann zugrunde richten müsse und 
legt eine eigene Denkschrift über eine erbliche Güterteilung bei, die er bereits vor 
dem Krieg der kurfürstlichen Regierung in Koblenz-Ehrenbreitstein eingereicht 
hätte. Darin würde die Nützlichkeit für die Landwirtschaft bewiesen, wenn der 
Güterbesitzer sagen könne, dieser Acker ist mein und meinem Erben auf alle Zeit, 
Bekanntlich erfolgte Eigentumserwerb durch bisherige Pächter besonders in der 2. 
Phase der Versteigerung des 1802 säkularisierten Kirchengutes zwischen 1804 und 
1807 im Kanton Merzig11. 
Zustandsbeschreibung des Kantons Wadern 
Der Kanton Wadern deckt sich teilweise mit der Herrschaft Dagstuhl, die 1634 vom 
Trierer Erzbischof und Kurfürsten Philipp Christoph v. Sötern für seine Familie 
erworben wurde und später an die Grafen von Öttingen-Sötern kam. 1770 verlegte 
Graf J. A. von Öttingen-Sötern seinen Wohnsitz nach Wadern und baute für sich 
und den Hofstaat ein Schloß. Daraus ergab sich in den letzten Jahrzehnten in der 
sozialen Struktur eine Ähnlichkeit mit Blieskastel. Letzteres zählte jedoch mit 
1 733 Einwohnern 978 mehr als Wadern im Jahre 180212. Bearbeiter des Kantons 
Wadern ist der Gutsbesitzer Bouthillier daselbst. Er war kein korrespondierendes 
Mitglied der Gesellschaft für nützliche Untersuchungen zu Trier, gehörte jedoch 
dem Generalrat des Saardepartements als Mitglied an. Zur tristen Ernährungssitu¬ 
ation im Kanton schreibt er: Man kann ohne Widerspruch und Beleidigung 
annehmen, daß unter den Bewohnern des hiesigen Kantons die Grundbirn wohl die 
vorzüglichste Nahrung derselben seien, welche unter verschiedener Zubereitung 
wohl dreimal des Tages aufgetischt werden. Sie werden sogar bei sparsam 
ausfallenden Fruchternten dem Brot beigemengt. Nach ihrem Aussehen zu beurtei¬ 
len, scheinen den Landbewohnern die Luft und das Wasser zur Verdauung der 
Grundbirn nebst der Arbeit zuträglich zu sein. Ihre ruhige Lebensart gewährt ihnen 
ein ziemlich hohes Alter. Zur Frage nach Verbesserungen führt er aus: Wären nur 
11 Vgl. dazu M. Müller, Säkularisation und Grundbesitz. Zur Sozialgeschichte des Saar-Mosel- 
Raumes 1794-1813. (Forschungen zur deutschen Sozialgeschichte hrsg. von der Bayerischen 
Akademie der Wissenschaften Bd. 3), Boppard 1980 S. 164-210, 351, 406, 420. 
12 Zegowitz, Annuaire historique et statistique du département de la Sarre. Trêves an XI p. 319 und 
326. 
310
	        

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