Full text: Zwischen Saar und Mosel

zur Abhilfe dieses. . . Drangsais hierher wandern.. Derkum betont darum: Man 
müsse die Hauptl and Straßen von der 1. Klasse zuerst instandsetzen. Im Donnersber¬ 
ger Departement seien die Landstraßen bereits in einem verbesserten Zustand. Die 
Anlage einer neuen Landstraße sei darum gar nicht nötig, weil bereits zwei durch 
den Kanton gehen. 
An altdeutschen und römischen Denkmälern meldet Friedensrichter Derkum für 
den Kanton zwei große Steine, je 20-21 Schuh (ca. 6 m) hoch und 2 Schuh (60 cm) 
dick. Er hält sie für Grenz- oder Gerichtssteine. Der eine steht auf der Höhe von 
Blieskastel, der andere im Tal an der St. Ingberter Grenze. Auf dem Aisbacher Berg 
„Haidenhubel“ vermutet er einen nicht mehr vorhandenen römischen Tempel 
wegen eines Steinfundes mit Inschrift DMS. Diesem Berg gegenüber, bereits im 
Departement Donnersberg, sind Spuren einer Straße, die zur römischen Colonia 
Schwarzenacker führte. Dort wurden vor etwa 30 Jahren viele alte Fundamente, 
Grabmäler „Vasen und Teller von Terra sigillata“, ein kleiner goldener Jupiter und 
Münzen gefunden. In Bierbach entdeckten Bewohner oberhalb ihres Ortes in den 
Blieswiesen vor mehreren Monaten alte römische Monumente, einige steinerne 
Bildwerke, die ausgegraben wurden, das übrige zugeschüttet. Derkum wünschte die 
Unterstützung des Staates zur Aufspürung solcher Denkmäler. 
Zur Verbesserung der Armut hiesiger Bürger, die einst der Luxus des (gräflichen) 
Hofes herbeigezogen, schlägt Derkum für Blieskastel die Anlage einer Fabrik zur 
Fertigung von Segeltüchern im jetzt verlassenen v. d. Leyenschen Schloß vor, 
ebenso die Förderung der Webereien. 
Erziehung im Kanton Blieskastel: In Blieskastel war eine Internatsschule mit sechs 
Klassen und 50-60 Schülern, betrieben von vier Ordensgeistlichen. 1802 wurden 
die Klosterbrüder fortgejagt. Außerdem gab es dort eine Mädchenschule mit zwei 
Schullehrerinnen und 50-60 Schülerinnen. Sie besteht noch. Ferner hatte jede 
Gemeinde des Kantons 1789 einen Schullehrer, 1802 hatte manche keinen. 
Detaillierte Preise der Lebensmittel und Löhne 1789 und 1802: Sie stiegen von 
1789 und 1802 um ein Drittel, der Arbeitslohn jedoch nur um ein Fünftel bis Null. 
Es fand also eine erhebliche Teuerung statt! Auch die Kreditzinsen betrugen 1789 
5-6 %, 1802 10-36 %. Eine gleiche negative Entwicklung zeichnet Derkum von der 
Lebensart der Kantonsbewohner, die er in drei Klassen teilt: 1. den wohlhabenden 
Mittelstand, befördert von einem kleinen Hofe einer geliebten Herrschaft in 
Fröhlichkeit, der einen Zirkel froher, sorgloser sittlicher Menschen bildet. Dies 
pflanzte sich bei 2. dem Handwerksmann sowie 3. bei dem Landbewohner fort. Die 
französischen Kriegsscharen weilten gern um Blieskastel. Zu Kriegszeiten vertanzte 
und versaufte der ärmere Bürger seinen letzten Notpfennig. So gesellte sich 
Leichtsinn zur Armut. Beim Landbewohner wirkten die unterschiedlichen Züge von 
seinem Boden ein, den er bebaut und bewohnt: Beim Sandbewohner, beim 
Bewohner des Bliestales und Buchbodens, beim Bewohner des groben Gaus. Beim 
St. Ingberter, hauptsächlich sich von den ergiebigen Kohlen- und Eisenwerken 
nährend, mit sicherem Verdienst, der am Wochenende ausbezahlt wird und der 
Ensheimer, halb Fabrikant und halb Ackersmann als Erzeuger von Pappdosen, 
durch beides nur ein halber Hauswirt - seine Rechnungsbücher in Unordnung und 
sein Acker schlecht bestellt. - Manche wollen behaupten, daß man bei dem dasigen 
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