Volltext: Zwischen Saar und Mosel

- kniet vor dem Heiligen nieder, hält eine Kerze in Händen und trägt die Flasche 
auf dem Rücken. Diese Abbildung ist sicherlich der Schlüssel zur Ausdeutung: 
Hospiz für die Pilger zum Grab des heiligen Wendelin39. 
Pilgerabzeichen, flache Bildchen aus Zinn, gab es massenhaft und sind sie in ihrer 
Masse in den Schmelztiegel gewandert. Sie sind zwar weniger selten als Jakober¬ 
kannen, jedoch kaum zu finden. Das hier vorzustellende wurde in der schon 
genannten Höhlenkapelle nahe der St. Arnualer Saarbrücke gefunden (Abb. 2,1) 
und stammt aus dem Wallfahrtsort des heiligen Servatius in Maastricht. Einmal 
wurde das Bildchen auf einen orientalischen Gott, das andere Mal auf einen 
elsässischen Heiligen gedeutet40. Der Typ ist jedoch klar in Maastricht beheimatet. 
Der Heilige erscheint im Bischofsomat. Gut erkennbar die Inful, verloren leider 
Schlüssel und Krummstab. Am besten vergleichbar ist ein Abzeichen, das in 
Maastricht selbst gefunden wurde (Abb. 2,3)41, lebhafter im Zuschnitt ist ein 
Exemplar Maastrichter Herkunft, das in der Kirche von Gothem auf Gotland 
(Schweden) zum Vorschein kam (Abb. 2,2)42. Mit jeweils vier Ösen waren die 
Bildchen an den Hut genäht, und so trug sie der Maastrichtheimkehrer als 
Abzeichen und Zeugnis zur Schau. 
Dänemark liegt Santiago etwas näher. Die letzten Zeilen zu diesem Aufsatz waren 
gerade getan, als im Schwarzenholzer Wald ein berittener Compostelapilger 
auftauchte. Er trug das Jakoberabzeichen und überhaupt den Schlapphut sowie 
sonstige Kleidung nach altem Brauch, hinterm Sattel das Felleisen aufgeschnallt. 
Der Saarländer Robert Claus begegnete ihm und informierte die Saarbrücker 
Zeitung mit Bild und Text (abgedruckt am 18.4.1994). Der Reiter ist der Däne 
Carsten (43), das Pferd der Isländer Dagfari (6). Die „Reyss“ geht über Nancy, 
Dijon, Limoges usw. - also auch auf alter Strecke - mit Pamplona, Burgos und 
Leon am Rande und Santiago als Ziel zum Jahrestag des Heiligen am 21. Juli. Bis 
an die Saar ritt C. Nordenhof 2000 Kilometer in 80 Tagen, was 25 pro Tag 
ausmacht. „Der Isländer machte einen frischen und gesunden Eindruck . ..“, was 
einer tierärzlichen Untersuchung entsprach, der Däne auch, wie man am Bild 
erkennt (Abb. 11). Wir sind bestärkt in der Meinung, daß für den Fußwaller 20 
Kilometer pro Tag zumutbar waren und bedanken uns bei Herrn Claus und der 
Saarbrücker Zeitung für die journalistische Leistung. Weil auch das Brückenwesen 
39 Der Begriff „Gurde“ bzw. Pilgerflasche stand als Symbol im Bilde des Wallfahrtswesens, und dafür 
galt St. Wendel, wo die Reliquien des hl. Wendelin ruhen, als Inbegriff der Pilgerschaft im Westrich. 
Nikolaus von Kues (1401-1464) bekam die Wallfahrtskirche als Pfründe zugewiesen. Diese, im 14. 
und 15. Jahrhundert erbaut, ist von hoher Schönheit und kommt in erster Linie aus den Spenden der 
Pilger. Am Wendelstag des Jahres 1896 wurden 150.000 gezählt. Der besonderen Magdalenenkapelle 
ist am Schluß des Aufsatzes ein Nachtrag gewidmet. 
40 Ein Spezialist für die orientalischen Kulte, M. J. Vermaseren, vermutete in dem Plättchen eine 
Darstellung des Gottes Attis (SCHINDLER, wie Anm. 34, S. 126). Später wurde richtig auf 
Pilgerzeichen erkannt und falsch auf Theobald von Thann (Elsaß) bestimmt (E. Dehnke, in: 
Saarbrücker Hefte, 19 (1964) S. 59-63). 
41 J. WiTTSTOCK, Pilgerzeichen und andere Wallfahrtsdevotionalien in Norddeutschland, in: R. 
Pohl weber (Hrsg.), Aus dem Alltag der mittelalterlichen Stadt, Handbuch zur Ausstellung 
1982/1983 im Focke-Museum Bremen, 1982, S. 193 mit Abb. 2. 
42 K. KÖSTER, in: A. LEGNER (Hrsg.), Rhein und Maas, Kunst und Kultur 800-1400. Katalog der 
Ausstellung im Schnütgen-Museum Köln, 1972, S. 154 mit Abb. 29. 
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