Full text: Zwischen Saar und Mosel

freilich gab es an der ganzen Rheinfront nicht, auch nicht unter dem Stempel der 
Pax Romana, nicht von Mainz bis Kaiseraugst. Bis heute suchte die Archäologie 
nach Pfahl werk umsonst. Mit dem Verlust des Dekumatlandes hat man dann, wie 
bei Ammianus Marcellinus zu lesen, sogar am jenseitigen Ufer Bollwerke errich¬ 
tet. 
Das ist dort, wo später die Burgunden saßen. Zwangsläufig benutzte Attila für eine 
seiner Marschsäulen unsere Route Worms-Metz, und so mancher Heerwurm des 
fortgeschrittenen Mittelalters fraß sich darüber hinweg. Ganz von selbst gedieh sie 
zur Reichs- und Geleitstraße. Betreffendes Geleitsrecht lag für die Strecke von 
Rentrisch bei St. Ingbert bis Bruchmühlbach ursprüglich bei den Grafen von 
Saarwerden, den Herren von Kirkel und den Grafen von Homburg. Der Abschnitt 
von Volkerskirchen - heute Ortsteil Neuhäusel von Kirkel - wird als „hohle 
Straße“ (cavea plateä) den Saarwerdenern zugehörig in der Gründungsurkunde des 
nahen Klosters Wörschweiler genannt11. Im hohlen Terrain verlief die Straße 
jedoch gar nicht, sondern durch eher liebliches flachwelliges Gelände mit nur 
geringem Auf und Ab. Anscheinend hat in diesem Punkt jemand falsch ins Latein 
übersetzt, und Hans-Walter Herrmann korrigierte unter der Hand sicherlich ganz 
richtig auf „von der hohen Straße“12. 
Im Jahre 1323 wird die Strecke bei der Ortschaft Limbach an der Blies, nördlich 
von Beeden gelegen, in strata publica und Lympach uf der Straße genannt (Abb. 7, 
I)13. 1392 kommt Limpach bei der Brücke vor (Abb. 7, l)14. 1386 einigten sich die 
an der Straße beteiligten Geleitsherren über Modalitäten, wonach die lange Fahrt 
von Oppenheim uff dem Rine . . . bis zu Metze in die stat reicht, und zuhet von 
Lymbach bis Schengen uff die Mosel15. Der Linguist E. Christmann merkt zu 
diesem Punkt ganz richtig an, daß die Straße zur Mittelmosel selbstverständlich 
11 H.-W. Herrmann, Geschichte der Grafschaft Saarwerden bis zum Jahre 1527, Bd. 1: Quellen, 1957, 
Nr. 44, Anno 1131. - A. Neubauer, Regesten des Klosters Werschweiler, 1921, Nr. 1. 
12 Herrmann (wie Anm. 11). - E. Christmann, Zur Geschichte von Limbach an der Straße, in: 
ZGSaarg. 12 (1962), S. 249, nimmt cavea (hohl) für wirklich und meint, der Name käme aus der Enge 
zwischen dem Kirkeler Burgberg und den anderen Bergen dort. Falschlesung begegnet in den 
Wörschweiler Regesten wiederholt. Anscheinend kam mancher Professe mit lateinischen Texten 
besser zurecht als mit deutschen. Hier hat einer „hohle“ statt „hohe“ (Topos „Hohe Straße“!) gelesen 
und sinnentstellend mit cavea übersetzt. Heiterer noch das Resultat, wenn von burnenden (brennen¬ 
den) Kerzen und angelachten (angelechten bzw. angelegten) Stolen die Rede ist. Ein ganzer Passus in 
Latein wurde falsch übersetzt, woraus für Schwarzenacker ein falscher Name entstand: Wolmaria 
(heißt richtig Wormatia und bedeutet Worms). „Hohe Straße“ (highway) ist einer der Namen alter 
Überlandstraßen. Diese konnten mal hoch und mal tief verlaufen, galten in dem Straßensystem 
jedenfalls als bevorzugte Femrouten. Exemplarisch eine solche, die in Saarbrücken-Burbach begann 
und über die Anhöhen, später durchs Tal, als „alte Homburger Straße“ - so auf einer Karte des 
vorigen Jahrhunderts bezeichnet - nach der Pfalz ging. In Göttelborn heißt sie noch heute „die 
Hochstraße“. Ein Straßenstück in Oberbexbach nannte man 1867 ebenso und ist vielleicht dieselbe 
gewesen. Im Trierischen, in Luxemburg und noch weiter werden die Hochstraßen Kim, Kiem, Kern, 
Kernen, in Flandern Kemmel(- Weg) bezeichnet, was von caminum kommt. Der „Camino“ S. Jago ist 
die Jakober-Pilgerstraße in Spanien. 
13 Herrmann (wie Anm. 11), Nr. 224. 
14 Neubauer (wie Anm. 11), Nr. 790. 
15 C. Pöhlmann u. A. Doll, Regesten der Grafen von Zweibrücken, 1962, Nr. 953. 
236
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.