Full text: Zwischen Saar und Mosel

eine Leichenfigur als Symbol der Vergänglichkeit32, ln manchem vergleichbar mit 
dem Entwurf des Hochgrabes für Graf Albrecht ist das in Bronze gegossene 
Tischgrabmal der Kurfürsten Joachim und Johann Cicero, jetzt im Staatlichen 
Museum zu Berlin, in voller Figur die oberen Gestalten auf der gekehlten 
Deckplatte. In der Kehle liegen, wie beim Entwurf für Ottweiler, Wappenschilde. 
Die Deckplatte in Berlin lagert auf sechs geschmückten Pfeilern, vor denen Löwen 
hocken; die untere Platte deutet im Flachrelief den Transi an. Also auch hier 
Wappenschilde und Löwen, wenngleich diese nur als wachehaltend davor gesetzt 
sind, selbst also nichts tragen. 
Auf acht Pfeilern mit angearbeiteten, sitzenden weiblichen Pleurants, die also selbst 
auch keine Trägerfiguren sind, liegt die glatte Platte beim Tischgrabmal des 
Reichsschultheißen Konrad Groß (t 1356) in der Heilig-Geist-Spital-Kirche zu 
Nürnberg. Der Verstorbene ruht auf der unteren Platte33. Als Tischgrabmal darf 
man auch das Grabdenkmal von König Friedrich I. von Dänemark bezeichnen, das 
Cornelis Floris und seine Werkstatt 1555 schufen, die architektonischen Teile aus 
schwarzem, die figürlichen aus weißem Stein, in burgundisch-niederländischer 
Tradition. Eine Mittelstütze und sechs weibliche Allegorien mit jonischen Kapitel¬ 
len auf den Köpfen tragen hier die Tischplatte im Dom zu Schleswig, auf der der 
Sterbende gewappnet und im Gebet begriffen auf einem Paradebett ruht. Zu 
Häupten und zu Füßen stehende Figuren; die zu Füßen mit der senkrecht gestellten 
Grabschrift-Tafel. Diese, ein ausgesprochenes Freigrab, ist in vielem dem Tisch¬ 
grabmal-Entwurf des Grafen Albrecht verwandt34. 
Das Epitaph 
W. Läufer entdeckte in den Akten des Wiesbadener Hauptstaatsarchivs nach dem 
Erscheinen der „Genealogia“ die Zeichnung (Abb. 3) eines Epitaphs für den Grafen 
Albrecht von Ottweiler35. Wahrscheinlich geht dieser Entwurf eines Grabdenkmals 
auf den Eifer und die Anhänglichkeit des Kanzlers Dr. Matthias von Hirschbach an 
seinen verstorbenen Herrn zurück. Dieser Entwurf wurde aber ebensowenig 
ausgeführt wie der des Hochgrabes. Fraglich bleibt, ob von Hirschbach die 
Zeichnung des Epitaphs, also eines Wandgrabmals, selbst gefertigt hat, oder diese 
in seinem Auftrag entstand. 
Es handelt sich um ein aufwendiges, wandverhaftetes Grabmal aus architektoni¬ 
schen und figürlich oder ornamental skulptierten Teilen. Tragendes Element ist ein 
Rahmen auf einem eingezogenen Sockel und ebensolchem Aufsatz, beides von 
Säulen, die oberen sind gefeldert, flankiert. Den Rahmen selbst bilden zwei 
komposite Säulen, kanneliert und mit Blattkapitellen wie die oberen und unteren 
kleineren versehen. Ihre Schäfte stecken in vegetabilisch reliefierten Hülsen auf 
32 Kunstdenkmäler in den Niederlanden (wie Anm. 23), S. 406, Abb. 314. 
33 Hamann-Mac Lean (wie Anm. 10), S. 114 f„ Abb. 23. 
34 Hamann-Mac Lean (wie Anm. 10), S. 100, Abb. 1. 
35 Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Nachlaß v. Hirschbach (Abt. 130 II, Depositum S.K.H. des Großher¬ 
zogs von Luxemburg, Nr. A 59, 2. Faszikel). - In sehr kollegialer Weise überließ Dr, Läufer dem Vf. 
diese Zeichnung, um sie und die beiden anderen in der „Genealogia“ veröffentlichten Blätter in 
diesem Beitrag zu behandeln. 
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