Full text: Zwischen Saar und Mosel

der Burgunderherzöge und -herzoginnen in Dijon und die Tumben und Tischgräber 
des Savoyardenherzogs und der -herzoginnen in Brou bei Bourg-en-Bresse sind. 
Mit ihnen teilt der Entwurf wesentliche Merkmale im Aufbau und im Dekor. 
Allerdings kennt der evangelische Kultus nicht die Darstellung des Zuges der 
Trauernden, der Pleurants, die in Dijon und Brou eine wesentliche Rolle spielen. 
Die Tumben des Philippe le Hardi (f 1404) und des Jean-sans-Peur mit seiner 
Gemahlin stehen jetzt im ehern. Herzogspalast, dem Musée des Beaux-Arts in 
Dijon, und waren für die Kartause von Champmol geschaffen17. Die Tumba 
Philipps des Kühnen von Jean de Marville in Nachfolge des Claus Sluter, gefertigt 
aus Schwarzmarmor und Alabaster, die Engelflügel in vergoldeter Bronze, die 
Figuren farbig gefaßt, wurde 1411 - nach 25 Jahren - vollendet. Die Doppeltumba 
des Johann Ohnefurcht (f 1419) und der Margarethe von Bayern, gleichfalls aus 
Schwarzmarmor und Alabaster, hatte Claus de Werve begonnen und Juan de la 
Huerta um 1457 fast fertiggestellt. Die beiden Engel auf der Tumba Philipps des 
Kühnen halten Helm und Halsperge über dem Haupt des Herzogs. Auf der Tumba 
Johanns Ohnefurcht und seiner Gattin fassen vier knieende Engel zu Häupten Helm 
und Wappenschild, zu Füßen liegen Löwen. Die Gisants im Gebet auf Kissen 
gebettet. Diese Opulenz und die Schwere und das Ausladen der Deckplatten beider 
Grabdenkmäler in Dijon, die betenden Gisants und die Engel auf der Tumba 
entsprechen in etwa dem Entwurf des Albrecht-Grabdenkmals. 
Die Hochgrabmäler in der Stiftskirche St. Arnual zu Saarbrücken für die Gräfin 
Elisabeth von Lothringen (t 1456) und für den Grafen Johann III. (f 1472) und 
seine beiden Frauen sind Tumben mit Liegefiguren18. Das des Grafen mit vier 
Engeln zu Häupten der Verstorbenen, zwei stehen mit Helm und Wappenschild, 
zwei knieen mit Leuchtern. Der Typus dieser Grabdenkmäler hat u. a. seine 
Vorbilder in den schon genannten burgundischen Grabdenkmälern in Dijon. 
Die späteren Hochgrabmäler der savoyardischen Herzoginnen und des Herzogs in 
der Kirche zu Brou bei Bourg-en-Bresse sind ebenso hervorragende Bildhauerarbei¬ 
ten von Conrad Meit und seiner Werkstatt. Von den drei im Chor der Kirche 
aufgestellten, aus Schwarzmarmor und Alabaster bestehenden Grabmälern sind 
zwei Tischgrabmäler. Das der Margarete von Österreich (t 1530), üppig mit 
Baldachin und kleinen Figuren geschmückt, steht linkerhand. Auf der Deckplatte 
ruht die Schlafende. Ihr zu Häupten und zu Füßen halten Engel die Tafeln mit 
Inschrift und Wappen. Auf der unteren Platte sieht man die Herzogin im 
Todesschlaf. In der Chormitte begegnet das Tischgrab des Herzogs Philibert le 
Beau (t 1504), unten ebenfalls in spätgotischer Architektur, einer Art Gruft der 
Transi, oben Philibert der Schöne im Schlafe, von sechs Engeln umgeben, die eine 
17 A. Kleinclausz, Claus Sluter et la sculpture bourguignonne au XVe siècle, Paris (o.J.), S. 83 ff., mit 
Abb; G. TROESCHER, Claus Sluter und die burgundische Plastik um die Wende des XIV. 
Jahrhunderts, Freiburg/Br. 1932, S. 108 ff., Taf. XLVII; H. David, Claus Sluter, Paris 195), S. 107 
ff., 143 ff., Abb. 23, 25, 41, 42; K. MORAND, Claus Sluter, London 1991, S. 121 ff. Taf. 90. 
18 G. Dehjo, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland, München, Berlin 
1972, S. 764; Genealogia S. 188-195, Nr. 46, 47, Abb. 78-82; W. Zimmermann, Die Kunstdenkmäler 
der Stadt und des Landkreises Saarbrücken, Düsseldorf 1932, Neudruck 1975, S. 160 ff., Abb. 
113-116 und Taf. V. 
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