Volltext: Zwischen Saar und Mosel

Was man allerdings bei diesem Tischgrab, wenn es wirklich als solches gedacht 
war, vermissen könnte, ist die Figur des Toten, des verweslichen Körpers, des 
„Transi“, der im Halbdunkel unter der noch lebend, schlafend dargestellten Figur 
auf der Deckplatte bei derartigen Tischgräbern zumeist als „Memento mori“ auf der 
unteren Platte erscheint. Die Oberseite der Deckplatte ist ebenfalls durchschraffiert. 
Das geschah wohl deshalb, um den Grafen, die Engel und die Tafeln, die dagegen 
hell wirken, besser sichtbar zu machen. 
Das Grabdenkmal, Tumba oder Tischgrab, insgesamt, wie es da gezeichnet ist, 
macht seinem Stil nach einen manieristischen Eindruck in seiner gewissen 
Disproportion. So erscheint z.B. der riesige obere Aufbau eigentlich viel zu 
kompakt für die acht Stützen aus Balustern und Löwen, selbst wenn man diesen 
alle Stärke zutraut, die sie nun aber wieder nicht verkörpern. Sodann macht sich 
eine gewisse Überladenheit mit den beiden aufgestellten Tafeln zu Häupten und zu 
Füßen des Grafen bemerkbar. Schließlich sind es die Wappentartschen, die schräg 
und sehr labil auf die beiden Karniese gelegt sind. 
Im Mittelalter war es üblich, bei solchen Grabdenkmälern zu Häupten der Figuren 
Engel, zu Füßen bei den Männern Löwen als Symbol der Stärke, bei den Frauen 
Hunde als Symbol der ehelichen Treue beizugeben, außerdem Wappenschilde. 
Engel und Wappen tauchen auf dem Hochgrabentwurf für Graf Albrecht ebenfalls 
auf. Allerdings als Weihrauchfaßschwinger scheiden sie im evangelischen Kultus 
aus. Sie können aber wie im katholischen Kultus auch als Wappen-, Schild-, 
Kissen-, Leuchter-, Waffenhalter oder Halter der kleinen figurierten Seelen 
beschäftigt sein. 
Tischgrabmäler gab es seit dem 13. Jh. in größerer Zahl. Sie bestanden oft aus 
Bronze, einem zu allen Zeiten begehrten Material, ein Umstand, der ihre Vernich¬ 
tung förderte13. Die einzigen in Bronze erhaltenen Tischgräber in Frankreich stehen 
in der Kathedrale von Amiens. Sie stellen die Bischöfe Evrard de Fouilloy (t 1222) 
und Geoffroy d’Eu (t 1236) dar, letzteres mit zwei leuchtertragenden Figürchen 
und zwei weihrauchfaßschwingenden Engeln, beide Tischgrabmäler auf den Rük- 
ken von je sechs kleinen Löwen ruhend14. Von Gaignières sind in Zeichnungen 
zwei auf Löwen ruhende Tischgrabmäler des 13. Jh. von Angehörigen der Familie 
de Préaux überliefert, die in der Abteikirche zu Beaulieu bei Rouen standen. Eines 
davon, das des Jean de Préaux, mit zwei knieenden Engeln zu Häupten des Gisant 
ausgestattet15. Es gab auch Tischgrabmäler aus Stein, so das des 1108 verstorbenen 
Königs Philippe I. aus dem 13. Jh. in der Kirche von St-Benoit-sur-Loire16. Die fast 
vollplastische Figur des Gisant liegt auf einer von Löwen getragenen Platte. Neben 
dem Kopf waren wohl Engelfigürchen angebracht. 
Der von Hirschbach für Graf Albrecht beanspruchte Entwurf eines Hochgrabes 
steht in einer langen Tradition solcher Grabmäler, deren berühmteste die Tumben 
13 W. FranziuS, Das mittelalterliche Grabmal in Frankreich. Diss. Tübingen 1955, S. 91 f. 
14 A. BOINET, La Cathédrale d’Amiens, Paris 1931, S. 78, mit Abb.; FRANZIUS, S. 95 f., Abb. 
103-105. 
15 FRANZIUS (wie Anm. 13), S. 97, Abb. 109, 110. 
16 Franzius (wie Anm. 13), S. 96 f., Abb. 107. 
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