Volltext: Zwischen Saar und Mosel

Es kann nicht überraschen, daß ein Jurist und Diplomat, der um diese Zeit mit 
Fragen der territorialen Neuordnung, der Fixierung politischer Grenzen betraut ist, 
der zudem auf eine ausreichende Dokumentation zur Vorbereitung forensischer 
oder administrativer Entscheidungen größten Wert legt, Kartographen beschäftigt. 
Von den Aktivitäten des Viglius, die die Mitwirkung von Kartographen erforderten, 
seien nur genannt die Regelung des Verhältnisses von Burgund und des niederlän¬ 
dischen Reichskreises zum Reich, die Ermittlung der Westgrenze des Reichs im 
Bereich der Bistümer Metz, Toul und Verdun, und schließlich die Neuordnung der 
Bistumsgrenzen in den Niederlanden. Die Bedrohung der Westgrenze des Reichs, 
die in der erfolglosen Belagerung von Metz durch Karl V. (1552) ihre dramatische 
Zuspitzung fand, hat in den kartographischen Aktivitäten, mit denen Viglius 
verbunden war, ebenso ihren Niederschlag gefunden, wie die Expansionsbestrebun¬ 
gen, die von den habsburgischen Niederlanden gegen die deutschen Nachbarterrito¬ 
rien ausgingen. 
Für die habsburgischen Niederlande stehen zu den Zeiten von Viglius folgende 
Kartographen zur Verfügung15: 
— Jacques Surhonius und sein Sohn Jean: Regierungsaufträge sind belegt für die 
Zeit von 1548 bis 1558, für Karten von Hennegau, Luxemburg, Artois, Namur, 
Picardie und Vermandois; 
— Jacobus van Deventer. Nach Einzelkarten der nordholländischen Provinzen 
erhält er 1558 den Auftrag zur Kartierung aller Städte in den Niederlanden 
(ausführliches Mandat vom 6. Juni 1559)16; 
— Christian Sgrooten: Nach Einzelkarten erhält er 1568 den Auftrag zu einem 
großmaßstäbigen Atlas von Deutschland17. 
Für die Aufträge an Deventer und Sgrooten ist die Einschaltung von Viglius 
aktenmäßig belegt. Er hat auf Wunsch des Hofs in Madrid mehrfach bei den 
Kartographen auf Beschleunigung und Fertigstellung ihrer Arbeiten drängen 
müssen. 
Im Vorwort zu der endgültigen, in Madrid aufbewahrten Fassung seines Atlas 
(1592) erklärt Sgrooten ausdrücklich: Wegen des Drängens von Viglius seien 
einige Karten zunächst „mit hastiger Feder gezeichnet“ worden, daher unzuläng¬ 
lich. Eine Kommission, die die Karten zu prüfen hatte, kam zu einem negativen 
Urteil. Sgrooten wurde von Viglius mit einer Überarbeitung und Berichtigung 
beauftragt, deren Ergebnis, in einer datierten Reinschrift des Gesamtatlas von 1592 
15 Hierfür allgemein L. BAGROW, A. Ortelii Catalogus Cartographorum, TI. 1 und 2, Gotha 1928-1930; 
P.H. MEURER, Fontes Cartographici Orteliani, Weinheim 1991; R.W. KARROW, Mapmakers of the 
Sixteenth Century and Their Maps, Chicago 1993. 
16 Neben Meurer und Karrow hierzu F.C. WIEDER, De topographie der Nederlanden onder Spaansche 
leiding, Het Stedeboek van Jacobus van Deventer, in: Nederlandsche historisch-geographische 
documenten in Spanje (Reprint) in: Acta cartographica 23, Amsterdam 1976; B.an T Hoff, Jacob 
van Deventer, ’s Gravenhage 1953. 
!7 Neben MEURER und Karrow hierzu Wieder (wie Anm, 16), De karteering der Nederlanden en 
omliggende landen onder Spaansche leiding. De atlassen van Sgrooten te Madrid en te Brussel (wie 
Anm. 16), S. 147-180; Die Karten deutscher Länder im Brüsseler Atlas des Christian S’Grooten 
(1573), Kartenmappe und Textband, hrsg. von H. MORTENSEN und A. Lang, Göttingen 1953. 
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