Full text: Zwischen Saar und Mosel

Freiheitssammelprivileg waren also bereits im Mittelalter gegebene Faktoren einer 
Entwicklung zur Stadt. M. E. ist nun eine erfolgreiche Entwicklung zur Vollstadt 
nur dann möglich, wenn die herrschaftliche Initiative von den Bewohnern der Stadt 
genutzt wird. Für Merzig hat die Forschung eine Reihe von Anhaltspunkten für eine 
positive Beantwortung dieser Frage erbracht, die ich einmal zusammenstellen 
möchte. Schon 1957 hat R. Laufner6 Fländler aus Merzig in der ersten Hälfte des 
15. Jahrhunderts auf dem Trierer Markt nachgewiesen; das Trierer Marktzollregi¬ 
ster von 1413 verzeichnet die an Markttagen bei Ein- und Verkauf erhobenen, 
damals „Zoll“ genannten Abgaben. Der Zollhöhe nach liegt Merzig mit 32 lib. 5 s. 
an vierter Stelle; es ist mit sieben Kaufleuten vertreten und liegt damit an 6. Stelle - 
aus Luxemburg z. B. kamen 13, aus Sierck elf Kaufleute. Wichtigstes Einkaufsgut 
war offensichtlich der Hering - unentbehrliches Volksnahrungsmittel in jener Zeit 
ohne Kartoffeln und strenger Einhaltung der kirchlichen Abstinenzgebote. Der 
Trierer Markt wurde von Köln aus mit Heringen beliefert. In Trier kaufte Peter 
Swartz von Merzig ein: acht Tonnen Hering am 13. I., eine Tonne am 5. II.; er 
verzollt ein Fuder Elsässer Wein, sieben Zentner Harz, 2 Tonnen Fisch, 2 Karren 
Salz, eine Tonne Schmalz, zehn Malter Weizen, drei Nachen. Beim Salz dürfte es 
sich um lothringisches Salz gehandelt haben. Da Getreide und Nachen zusammen 
erwähnt werden, dürfte es sich um flußabwärts gebrachten Weizen handeln, in 
leichtgebauten Schiffen, die dann in Trier verkauft wurden; ein Schiffmann zu 
Merzig wird in der Trierer Stadtrechnung 1373/74 genannt7. Derartiges ist aus der 
Rheinfahrt wohlbekannt. Leere Schiffe erscheinen denn in Trier auch als Zollgut8. 
Peter Swartz ist sicher ein berufsmäßiger Händler. - Auch ein Richard von Merzig 
kauft Heringe in Trier ein. Von den übrigen Merzigern hat der Zollschreiber nur die 
Höhe der Abgabefi aufgeschrieben, Summen sehr unterschiedlicher Höhe. Im 16. 
und 17. Jahrhundert erscheint als wichtiges Merziger Ausfuhrgut der Hopfen9. 
Nach den Biermeisterrechnungen der Stadt Trier wurden fast zwei Drittel des 
gesamten zwischen 1507 und 1654 von auswärtigen Verkäufern bezogenen 
Hopfens, nämlich 5272 Malter von Personen aus dem Saarraum nach Trier 
gebracht. Der Schwerpunkt dieses Hopfenanbaugebietes lag an der mittleren Saar, 
von Merzig kamen 467,5 Malter, obwohl in Merzig selbst Bierbrauerei als altes 
Gewerbe bestand. Von der Saar aus gelangten auch große Mengen Holz nach Trier, 
auch daran könnten Merziger beteiligt gewesen sein; auch Wolle aus Merzig könnte 
zum Trierer Markt gebracht worden sein10. Die Trier-Merzig Beziehungen kommen 
auch darin zum Ausdruck, daß die Stadt Trier in der zweiten Hälfte des 15. 
Jahrhunderts gelegentlich Boten nach Merzig schickt, die entweder Trierer Bürger 
dort vor Gefährdungen warnen sollen, oder Briefe überbrachten von der kumer 
wegen zu Mertzich gedain waren uff unse burger, also wegen in Merzig Trierer 
6 R. Laufner, Der Handelsbereich des Trierer Marktes im Spätmittelalter, in: RhVjBll 22 (1957), S. 
192. 
7 H.-W, Herrmann (wie Anm. 1), S. 239 Anm. 69. 
8 M. Matheus, Trier am Ende des Mittelalters (Trierer Hist. Forsch. 5), Trier 1984, S, 49 Anm. 85. 
9 G. Berger, Saarhopfen in Trier. 1507-1654, in: Zschr. f. d. Gesch. der Saargegend 36 (1988), S. 
45ff. 
10 Zu Merziger Wollhandel und Schafzucht siehe unten S. 180. 
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