Full text: Zwischen Saar und Mosel

Weiterführend verfährt Friedhelm Burgard4 in seinem Aufsatz über Städtenetz und 
Ämterorganisation in Kurtrier bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Er faßt seine 
durch mehrere Karten veranschaulichten Ergebnisse folgendermaßen zusammen: 
„Die Städtepolitik der Trierer Erzbischöfe zielt von den wichtigsten strukturellen 
Merkmalen her durch Ummauerung von Siedlungen, Ausbau von bestehenden oder 
Neuanlage von Burgen in Orten mittlerer Zentralität, die sich zunächst aus den 
grundherrschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt haben, vorrangig auf die 
Sicherung des Territoriums in einer extremen Grenz- und Gemengelage. Insofern 
ist sie konsequente Weiterentwicklung der erzbischöflichen Burgenpolitik und eng 
verknüpft mit dem Ausbau der Amtsverfassung. Die Stadt ist eine wichtige, vor 
allem rechtlich fundierte Basis mit dem Ziel, über vom Erzbischof an die Amtleute 
delegierte Gerichtsbefugnisse die Landeshoheit in den kleinräumigen Burggrafen- 
und Amtsbezirken zu erringen. Sie fungiert damit als Medium der Territorialisie¬ 
rung und wird zwangsläufig vom Amt aufgesogen, das über die Stadt hinaus¬ 
wächst.“ 
Wie steht es mit Merzig? Es erscheint dreimal auf Burgards Karten. Auf Karte 1 
Grundbesitz des Erzstifts Trier in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts vorwiegend 
nach dem „Liber annalium iurium“: Merzig liegt am südlichen Rand des kurtrieri- 
schen Territoriums, am Ausläufer des großen Bannforstes als Haupthof mit Bann- 
und Zollrecht, Schultheiß mit Münzverteilungsfunktion. Die Grenzlage wird noch 
dadurch intensiviert, daß Merzig zu einem Kondominat Kurtrier - Herzogtum 
Lothringen gehörte. Balduins 1333 zu einem geschickt gewählten Zeitpunkt 
begonnene Offensive gegen Lothringen - neben Luxemburg die einzige Macht, die 
der expansiven Politik Balduins an Mosel und Saar hätte entgegentreten können 
die wir hier nicht in ihren Einzelheiten schildern wollen5, hatte schließlich 
Einnahme und Zerstörung der Burg Montclair gebracht. Nach diesem Sieg erklärte 
1352 das Trierer Lehengericht die lothringischen Lehen der Herzoginwitwe, 
darunter ihren Anteil am Montclair, Merzig und dem Saargau, wegen Versäumnis¬ 
ses des Leheneids für verfallen. Balduin (gest. 1354) kam aber nicht mehr dazu, das 
Urteil zu vollstrecken. Unter Erzbischof Kuno und Herzog Johann wurde 1368 die 
gemeinschaftliche Verwaltung, das bedeutet das Kondominium, Merzig-Saargau 
vereinbart, das bis 1778 bestand. Dann wurde Merzig kurtrierischer Amtssitz. Auch 
die Karte 3 Burgards „Stadtrechtsverleihungen von seiten des Reiches im Erzstift 
Trier“ zeigt die Grenzlage Merzigs. Auf den Karten der Zentralitätsfaktoren im 
Erzstift Trier im Rhein-Mosel-Raum im 13. Jahrhundert erscheint Merzig nicht, 
wohl aber auf der entsprechenden Karte für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts 
mit den Zeichen für geistliche Institutionen am Ort. Bei der Klassifikation der 
Saarorte, die Herrmann in seinem genannten Aufsatz zur Bewertung des Entwick¬ 
lungsstandes der Orte vornahm, erhält Merzig drei Punkte - Freiheitsbrief, 
administrative Funktionen für das Territorium, kirchliche Funktion; Merzig war 
Sitz eines Ruralkapitels mit über 40 Pfarreien und seit 1182 einer Prämonstratenser 
- Propstei. Erzstiftische Güterverwaltung, sakraler Mittelpunkt, Nennung im 
4 F. BURGARD, Städtenetz und Ämterorganisation in Kurtrier bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, in: 
Publ. de la Section Hist, (wie Anm. 1), S. 199ff. Zitat auf S. 224. 
5 Für die gesamte territorialpolitische Situation s. H.-W. Herrmann, Geschichtliche Landeskunde des 
Saarlandes, Saarbrücken 1977, besonders S. 141 ff., 151 f., 466. 
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