Full text: Zwischen Saar und Mosel

Nur wenige Chortürme werden beim Um- oder Neubau der Kirche in ihrer 
ursprünglichen Funktion beibehalten. Es überrascht vor allem bei den (wie in 
Dörrenbach und Bübingen) inzwischen protestantisch gewordenen Kirchen. Auch 
der Chorturm von Limbach/Saar-Pfalz-Krs. (Abb. 8) stammt bis zu ca. 4 m Höhe 
noch aus dem 13. Jahrhundert. Das Obergeschoß zeigt die Jahreszahl 1580: es ist 
nicht zu entscheiden, ob sie sich auf einen Neubau oder einen Umbau bezieht. Ich 
glaube eher an einen Umbau, denn es fehlt ein sichtbarer Anlaß zum Neubau: Das 
niedrige alte romanische Schiff stand noch bis 1726 - einen Anlaß zur Turmerhö¬ 
hung wegen eines höheren neuen Langhauses gab es also nicht. Auch ist mir keine 
Turmerhöhung aus dem späteren 16. Jahrhundert bekannt. Doch könnten aus dieser 
Zeit die gotischen Fenster des Turmes stammen. Der Altarraum besitzt Kreuzrip¬ 
pengewölbe und eine - noch romanische - Doppel-Piscina26. 
In alter Funktion erhalten blieb der Chorturm des frühen 14. Jahrhunderts beim Bau 
der neugotischen Kirche von 1908 in Niederbexbach (Abb. 9); er wurde lediglich 
um ein hohes Obergeschoß aufgestockt. 
Im äußeren Eindruck wirken einige ehemalige Chortürme noch heute als solche. 
Doch sind sie durch Um- und Erweiterungsbauten vor allem des 18. Jahrhunderts 
mit neuer Funktion bedacht worden. In Limbach/Krs. Saarlouis (Abb. 10) fügt man 
im 18. Jahrhundert dem Chorturm nach Westen einen Saalbau mit eingezogenem 
rechteckigen Chor an. Der alte Turmchor wird zur Sakristei, der Turm selbst zum 
Choranschlußturm27. Die Chorturmkirche in Habkirchen/Saar-Pfalz-Krs. (Abb. 11 
u. 12) entstammt dem späten 12. Jahrhundert. 1785 ersetzt man das alte Schiff 
durch einen weiträumigen Saalbau mit dreiseitigem Schluß zum Turm hin. Der 
Altar stand nun im neuen Polygon, der ehemalige Chor wurde Sakristei, nachdem 
man den alten Triumphbogen vermauert hatte (er ist inzwischen wieder geöffnet). 
Damit wurde der alte Chorturm nun zum Choranschlußturm, doch zeugt die schöne 
Kielbogen-Sakramentsnische des 15. Jahrhunderts von der ursprünglichen Funk¬ 
tion. Da der alte Chorturm nur zweigeschossig und somit im Verhältnis zum neuen 
Saalbau viel zu niedrig war, erhöhte man ihn im Zuge des Kirchen-Wiederaufbaues 
nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg um ein weiteres Geschoß mit romanisieren- 
den Schallöffnungen28. In Mimbach (heute Blieskastel) wurde 1769 das Schiff der 
protestantischen Kirche als Quersaal dem Chorturm vom 14. Jahrhundert angefügt, 
dessen Triumphbogen vermauert, der alte Chorraum nahm eine Treppe auf. 
In einigen Fällen wird der alte Chorturm bei einem Kirchenneubau mit neuer 
Zweckbestimmung so übernommen, daß jede Assoziation eines Chorturmes 
unmöglich wird. Wir sahen das schon bei Peter Reheis’ Kirchenbau von 1785/86 in 
Lautzkirchen. Der gleiche Reheis erbaut 1789/91 in Illingen (Abb. 13) eine neue 
Kirche in Typenverwandtschaft zu seinen Kirchen in Blieskastel (Schloßkirche) 
und Reinheim. Zwar übernimmt Reheis vom Vorgängerbau des späten 13. 
Jahrhunderts den Chorturm, aber er steht nun an der Ostseite des jetzt süd- 
nord-gerichteten Neubaues. Der alte Chorraum wird Kapelle, der Turm durch ein 
26 Dazu B. H. Bonkhoff (wie Anm. 21), S. 172-175. 
27 W. Zimmermann (wie Anm. 20), Abb. 173. 
28 B. H. Bonkhoff (wie Anm. 21), S. 127-129. 
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