Full text: Zwischen Saar und Mosel

* 
Einige Züge in unserer Skizze sind nicht als simple Heldenverehrung, überholtes 
dynastisches Legitimationsbedürfnis, militaristisches Imponiergehabe oder als rei¬ 
ner Mythos wegwischbar. Ohne überhaupt diskutieren zu wollen, was über die 
eigene Zeit hinausweisen könnte, bleibt in der Rückschau recht deutlich, daß die 
Errichtung der Grablege Johanns von Böhmen hoch über der Saar in ein 
Motivationsgefüge paßt, welches mit dem Typus des frühmittelalterlichen Heerkö¬ 
nigtums ursächlich zusammenhängt und mit der Vorstellung verknüpft ist, daß 
Herrschaft sich in höchster Gefahr bewähren muß, auch unter Einsatz des eigenen 
Lebens. In diesem legitimierenden Ansatz finden sich Züge, die das 14. Jahrhundert 
überdauerten, weit in die Gegenwart reichen und vielleicht nie ganz bedeutungslos 
werden. Es mag dabei überraschen, daß in den friedlichen Regionen der westlichen 
Rheinlande das Wissen um solche Zusammenhänge nie ganz verdrängt wurde, 
sondern in ansprechenden Formen bewußt blieb, auch respektiert wurde. 
Nach Abschluß des Manuskripts erschien der Beitrag von Paul SPANG, Die Grabstätten 
Johanns des Blinden, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 19 (Festschrift für 
F.-J. Heyen zum 65. Geburtstag), 1993, S. 217-234. Spang schildert detailliert die „Irrfahrten 
des toten Königs von Böhmen“, insbes. aus luxemburgischer Sicht. Sein Beitrag ergänzt in 
willkommener Weise die vorliegende Skizzierung. 
93
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.