Full text: Zwischen Saar und Mosel

schließlich aus Altersschwäche nicht mehr auf dem Pferde sitzen konnte, habe man 
ihn auf einem Pferde festgebunden, damit er ihnen so im Kampf voranritte“. Walter 
Schlesinger hat auf Wolfs „mangelnde Sattelfähigkeit, ja die mangelnde Eignung 
zur Heerführung überhaupt“ hingewiesen, die durch des greisen Anführers felicitas 
mehr als aufgewogen wurde26, ohne daß man übersehen kann, daß sie auf längst 
erprobter Tapferkeit förmlich aufruhte. Damit sind nahezu archaische Elemente des 
Heerführertums angesprochen, die letztlich auch bei Johanns des Blinden Todesritt 
durchschimmern. Wenngleich man dabei auch von „selbstmörderischer Absicht“ 
sprechen könnte27, wäre der Gesamtzusammenhang mit einer derartigen Wertung 
nur unzureichend erfaßt. Nicht zuletzt die bis ins Legendenhafte gesteigerten 
Nachwirkungen verdeutlichen dies. 
Im Hohenzollernschen Haus gab es weniger Heroen dieser Art. Zwar kannte die 
Dynastie auch ihr „heroisches Zeitalter“28, doch dann bleiben spektakuläre Herr¬ 
scherfiguren der skizzierten Art rar, auch ein „Soldatenkönig“ verdankte diesen 
Ruhm etwas anderen Zusammenhängen. Dagegen wußte fast jedes in Preußen 
erzogene Kind von manch kühnem Ritt des Alten Fritz in unmittelbarer Feindesnä¬ 
he29, mitunter gar gefährlich hinter den gegnerischen Linien landend. Die große 
Heerkönigstradition erschöpfte sich dann fast schon mit dem beliebten Prinzen 
Louis Ferdinand von Preußen, der am 10. Oktober 1806 bei Saalfeld in einem 
Vorhutgefecht mit napoleonischen Truppen fiel, vier Tage vor der für Preußen so 
verhängnisvollen Doppel sch lacht von Jena und Auerstedt. 
Die militärisch-historische Komponente läßt sich durch einen besonderen Aspekt 
ergänzen, der in einem Gemeinwesen, dessen größter König einst beansprucht 
hatte, „der erste Diener seines Staates“ zu sein, Gewicht besaß. Dem Sieger von 
Crecy war Johanns des Blinden Rüstung, auch sein Wappenschild zugefallen. Ohne 
daß nähere Einzelheiten belegbar sind, bleibt der Sachverhalt, daß Eduards III. 
Sohn Eduard, der berühmte „Schwarze Prinz“, der in Crecy 1346 mitgefochten und 
hier seinen Ruf als „vorbildlicher Ritter und Kriegsmann“ begründet hatte30, in der 
Folge des Böhmenkönigs Devise „ICH DIEN“ in sein eigenes Wappen übernahm. 
So ist die in deutscher Sprache formulierte Devise Johanns des Blinden noch immer 
Bestandteil des Wappens des britischen Thronfolgers, des jeweiligen Prinzen von 
Wales31. 
Die Versuchung liegt nahe, den ursprünglichen Bezugsrahmen über das dem 
Kronprinzen Friedrich Wilhelm Bekannte hinaus etwas weiter zu ziehen. Aber 
obwohl Preußen manchem noch immer als Verkörperung des Militärischen 
überhaupt erscheint, fällt es schwer, aussagekräftige Beispiele zu nennen. Preußens 
26 Walter SCHLESINGER, Über germanisches Heerkönigtum, in: Das Königtum (Vorträge und Forschun¬ 
gen 3, 1956), Wiederabdruck in: DERS., Beiträge zur deutschen Verfassungsgeschichte, Bd. 1, 
Göttingen 1963, S. 82f. 
27 HlavACek (wie Anm. 20), S. 163. 
28 Vgl. Heinrich (wie Anm. 2), S. 49. 
29 Vgl. beispielsweise des Königs kühnen Ritt gegen eine feindliche Batterie bei Kunersdorf. 
30 So noch M. Jones im Lexikon des Mittelalters III, 1985, Sp. 1592. 
31 Katalog zur Ausstellung „Balduin von Luxemburg“ (wie Anm. 22), S. 29f. (A. 27); Rose (wie Anm. 
16), S. 57f. 
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