Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

inspirant de leur âme immortelle, en recueillant le précieux héritage des sentiments 
qui ont dicté leur sacrifice, en trempant notre patriotisme dans leur sang. Ils nous de¬ 
mandent d’aimer la France, [...] de nous unir dans un effort unanime pour rendre à 
la Patrie sa traditionnelle autorité et sa grandeur."41 
In den ersten Jahren blieb das Publikum auf einen kleinen, lokalen Kreis beschränkt. 
Nachdem die Teilnahme militärischer Vertreter, meist aus Verdun, und der allgemei¬ 
ne Zustrom immer stärker wurde, konnte 1885 zum ersten Mal in großem festlichem 
Rahmen gefeiert werden. 1887 wurden bis zu 10 000 Besucher gezählt, die teilweise 
in Sonderzügen angereist waren.42 Zwei in traditionelle Tracht einer Elsässerin und 
Lothringerin gekleidete Mädchen, die während der Festveranstaltung Geld sammel¬ 
ten, verkörperten die "provinces perdues".43 Zum ersten Mal reagierte in diesem 
Jahr die deutsche Presse, indem sie die Feierlichkeiten als "tollstes Revanchegetau- 
mel" beschrieb.44 Bis zum großen Erinnerungsjahr 1895 stiegen die geschätzten 
Teilnehmerzahlen kontinuierlich von 10 000 auf 25 000 an.45 
Die Feierlichkeiten in den Jahren 1890 bis 1895 wurden vom Bischof von Nancy und 
Toul, Charles-François Turinaz, geprägt. Bei der Überführung zweier Gefallener 1890 
in die Krypta führte Bischof Turinaz aus: "Ces enfants d’hier sont les soldats d’au¬ 
jourd’hui et de demain. Ils ont juré de servir la France, de combattre et de mourir 
pour elle [...] je l’affirme sur la cendre de ces héros, sur ces champs de bataille 
consacrés par leur sang, je l’affirme sur tous vos coeurs, ces soldats rendront à notre 
pays sa puissance, sa grandeur et sa gloire."46 
Bis 1905 jedoch schwand auch hier, wie auf deutscher Seite, die Anziehungskraft der 
Gedenkfeiern, die Sammlung nach innen wurde wichtiger als aggressiver Revanchis¬ 
mus, der von Bischof Turinaz stark akzentuiert worden war. Nach Berichten der 
"Metzer Zeitung" kam es 1902 zu Tumulten während der Gedenkrede des Bischofs, 
als er sich scharf gegen die eigene republikanische Regierung in Paris wandte.47 Der 
als Bedrohung empfundene deutsche Imperialismus nach Agadir 1905 verstärkte dann 
wieder die patriotische Kampfbereitschaft, die nun aber nicht mehr ohne innerfranzö- 
41 Badei (Anm. 38), S. 52, Rede des Marquis de Chambon, 2. Nov. 1875. 
42 Ebd., S. 84. 
43 Ebd. u. Le Lorrain v. 20. Aug. 1885. 
44 Metzer Zeitung v. 20. Aug. 1885, von einem Berichterstatter der Kölner Zeitung. 
45 Nach Badei (Anm. 38), S. 86f. wurden 1890 mehr als 10000 Teilnehmer und 1891 etwa 
25000 gezählt. Nach Schätzungen der Metzer Zeitung v. 18. Aug. 1893 waren es 20000 und 
1895 25000 Besucher in Mars-la-Tour (Metzer Zeitung v. 18. Aug. 1895). Der Erinnerungstag 
war kein offizieller Feiertag wie der 15. August im Reichsland; trotz der Erntezeit nahmen 
immer mehr "Annektierte", darunter bemerkenswert viele Frauen, Kinder und Geistliche 
daran teil. Vgl. Metzer Zeitung v. 19. Aug. 1893. 
46 Badei (Anm. 38), S. 87. Die vollständige Rede in: Turinaz, Evêque de Nancy et de Toul, 
Discours patriotiques, Nancy/Paris 1900, S. 155ff. 
47 Metzer Zeitung v. 21. Aug. 1902, Erwähnung des Spitznamens "Tambourinaz". 
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