Volltext: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

werden. Neben privaten Grabbesuchen ging die erste Initiative vom 1872 gegründeten 
Metzer Turnverein aus, der bei seinen Ausflugsfahrten Kriegergräber schmückte.24 
Der nach öffentlichem Aufruf am Sedanstag 1874 gegründete Kriegerverein Metz 
sollte zu einer treibenden Kraft des Gefallenenkultes, zum ständigen Ansprechpartner 
und zur Kontaktstelle für alle übrigen Kriegervereine des Reiches werden. Der Vor¬ 
schlag des Turnvereins, "alljährlich an einem bestimmten Tag gemeinschaftlich auf die 
Schlachtfelder zu wandern und im Rückblick auf die Großtaten des Geschlechts von 
1870 auf dem durch dessen Blut geweihten Boden das Gefühl wach zu rufen und zu 
kräftigen, in der Stunde der Gefahr es ihnen gleichzutun an Vaterlandsliebe und Hel¬ 
denmut", fand zunächst keinen Anklang.25 Weiterhin konkurrierten beide Vereine 
miteinander, die Besucher blieben zunächst auf die Vereinsmitglieder und Vertreter 
der in Metz stationierten landsmannschaftlichen Truppenteile beschränkt.26 
"Größere Tage, als die Augusttage der Metzer Schlachten, gibt es in der deutschen 
Kriegsgeschichte nicht. [...] Es ist Pflicht und Tugend eines Volkes, seine großen Er¬ 
eignisse treu im Gedächtnis zu halten, und die Begeisterung dafür kommenden Ge¬ 
schlechtern als eine lebendige Flamme des Patriotismus zu überliefern. Natürlich ver¬ 
bot die Rücksicht auf unsere Mitbürger französischer Nationalität eine gemeinsame 
Gedenkfeier in der Stadt."27 Dieses Bedürfnis nach Erinnerung beschränkte sich in 
den ersten Jahren auf einen engen militärischen Rahmen und pathetische Trauer. Ab 
1877 wich die religiös betonte Erinnerung einem immer stärker werdenden Patriotis¬ 
mus. In den Vordergrund der Erinnerungsreden traten nun Berichte über einzelne 
Etappen der Gefechte, verbunden mit dem an die jüngere Generation gerichteten 
Appell, "der Vaterlandspflicht nachzukommen",28 dem Vorbild der gefallenen Hel¬ 
den "zu gleicher Treue und Hingebung bis in den Tod" zu folgen.29 
Zu den Feierlichkeiten 1887 wurden ca. 1000 und im darauffolgenden Jahr 1200 aus¬ 
wärtige Gäste gezählt, überwiegend Mitglieder von Kriegervereinen aus Norddeutsch¬ 
land30- ein Zeichen dafür, daß die Feierlichkeiten nicht nur bei der Metzer Bevöl¬ 
kerung, sondern auch auf Reichsebene an Bedeutung gewannen.31 Den 15. August, 
Feiertag der alteingesessenen katholischen Bevölkerung, legte der Turnverein als Ter¬ 
24 G. Fischer, Die Kriegergräber und Denkmäler von 1870 bei Metz, in: Elsässisch-Lothringi- 
sche Mitteilungen 12 (1930), S. 365f., gibt als ehemaliges Vorstandsmitglied der "Vereinigung" 
einen Rückblick auf deren Tätigkeit; die angegebenen Jahreszahlen mußten jedoch an Hand 
von Presseberichten korrigiert werden. 
25 Metzer Zeitung v. 17. Aug. 1875. 
26 Metzer Zeitung v. 17. Aug. u. 18. Aug. 1880, v. 21. Aug. 1883 u. v. 15. Aug. 1885. 
27 Metzer Zeitung v. 20. Aug. 1872. 
28 Metzer Zeitung v. 28. Aug. 1877. 
29 Metzer Zeitung v. 20. Aug. 1880. 
30 Metzer Zeitung v. 13. Aug. 1887 u. 17, Aug. 1888. 
31 Erst 1885/86 hatten die Feierlichkeiten einen größeren Kreis der Metzer Bevölkerung 
erfaßt. Vgl. hierzu Metzer Zeitung v. 15. Aug. u. 17. Aug. 1886. 
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