Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

fast vollständig bebauter Verbindungsstraße, Düdelingen-Budersberg 2,2 km) und 
haben die ganze Zeit hindurch ihren ländlichen Charakter bewahrt (Abb. 3). Dann, 
im Ort Düdelingen selbst, der Ortsteil "Italien", wo das erste Haus 1883 errichtet 
wurde, mit der Gafelterstraße. Die Begründung der Kommission für diese Sonderbe¬ 
handlung lautete, daß sich dort größtenteils kleinere Arbeiterwohnungen befanden. 
Die drei Straßen Ober- und Unteritalien sowie die Gafelterstraße "weichen von den 
übrigen Ortsteilen zu sehr ab, als daß wir sie zusammen behandeln könnten" (HW2, 
S. 70). Im Viertel "Italien" hatten sich, wie der Name es sagt, hauptsächlich italieni¬ 
sche Arbeiter niedergelassen. Die Kommission behandelte damit die Ortsteile, die an 
der einen Seite entlang der 1883 gebauten Eisenbahnlinie liegen, getrennt. Auch auf 
der östlichen Seite der Eisenbahnlinie bildete sich ein neues Viertel: das Wohnviertel 
"Schmelz" mit u.a. der Hüttenstraße, in dem besonders Deutsche und Belgier sich 
ansiedelten. Fast 60 % der Ausländer verteilten sich auf die drei Strassen "Ober- und 
Unteritalien" sowie auf die Hüttenstraße.13 Leider hat die Kommission dieses zweite 
Viertel nicht gesondert behandelt.14 Die dritte Kategorie bildete schließlich der Rest 
der Ortschaft Düdelingen. 
Quantitative Wohnungsversorung 
Zur Entwicklung der Häuser- und Wohnungszahl von 1871-1905 (vgl. Abb. 2) stellte 
die Kommission fest, daß die ihr für diese Statistik zur Verfügung stehenden Daten 
aus den Ergebnissen der Volkszählungen stammten und daher nur aggregierte Daten 
auf Gemeindeebene enthielten. Erst ab der Volkszählung von 1900 wurden die 
Wohnhäuser pro Ortschaft ausgezählt und nicht nur pro Gemeinde (HW1, S. 16). 
Außerdem bestanden Zweifel, ob die Daten immer vorschriftsmäßig erhoben wurden, 
auf welche Weise z.B. doppelte Wohnhäuser gezählt wurden, "welche sich zwar unter 
einem gemeinsamen Dache befinden, jedoch vom Dache bis in den Keller durch eine 
Brandmauer getrennt sind" (HW 1, S. 12). Unregelmäßigkeiten sind auch bei der 
Durchschnittszahl der Haushaltungsmitglieder möglich, da Arbeitergruppen häufig 
gemeinsame Küchen führten und die Zahl ihrer Mitglieder laufend schwankte, "je 
13 Robert Weber, Die Ausländer in Düdelingen um die Jahrhundertwende. Beitrag zur 
Geschichte der Einwanderung nach Düdelingen von 1898 bis 1919, Luxemburg 1982 (mémoi¬ 
re, stage pédagogique, masch.), S. 69. 
14 Zur Viertelbildung: Robert Weber (Anm. 13), S. 69-72. Allg, Bruno Fritzsche, Das Quartier 
als Lebensraum, in: Arbeiterexistenz im 19. Jahrhundert. Lebensstandard und Lebensgestal¬ 
tung deutscher Arbeiter und Handwerker, hrsg. v. Werner Conze u. Ulrich Engelhardt, 
Stuttgart 1981, S. 92-113; Jürgen Reulecke, Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, 
Frankfurt a. Main 1985, S. 91-109; Wolfgang R. Krabbe, Die deutsche Stadt im 19. und 20. 
Jahrhundert, Göttingen 1989, S. 88ff. Zur Rolle der Bahnhöfe als entscheidende Orientie¬ 
rungspunkte s. etwa Rolf Wittenbrock (Anm. 12), S. 85. In Düdelingen wurde mit dem Bau 
des Hüttenwerks vor dem Bau der Eisenbahn begonnen. 
40
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.