Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

vermutlich drückenden sozialen Probleme, die geringste Bereitschaft, in der öffentli¬ 
chen Armenfürsorge aktiv zu werden. Bei der Lektüre der Akten hat man den 
Eindruck, daß die Armenfürsorge eine überaus lästige und zudem kostenintensive 
Pflicht war, der man nur im allemotwendigsten Rahmen Genüge leisten wollte. Es 
gab keine Armenordnung und keine städtisch geführten Anstalten. Arme wurden nach 
St. Johann abgeschoben, die Stadt weigerte sich, dem in den Schwesterstädten beste¬ 
henden "Verein gegen Bettelei" beizutreten, in vielen Fällen gab man Jugendliche in 
die Fürsorgeerziehung. 
Dieses indifferente Verhalten wird aber nicht nur in der kommunalen Sozialpolitik 
deutlich. Malstatt-Burbach konnte am Ende des städtischen Investitionsbooms auch 
die weitaus niedrigste Verschuldung unter den drei Saarstädten aufweisen.50 Die 
Stadt war weniger risikofreudig als die Schwesterstädte, weniger bereit, neue Wege zu 
gehen und Lösungen für die durch Industrialisierung und Verstädterung entstandenen 
Probleme zu finden. Malstatt-Burbach zeigte also generell die geringste Bereitschaft, 
als Stadt selbst aktiv zu werden. Die Frage, ob die städtischen Innovationen im 
Stadtentwicklungsprozeß der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eher als mentale 
Prozesse denn als funktionale Antwort auf vorhandene Probleme gesehen werden 
müssen, müßte hier, für das Beispiel der Saarstädte, zugunsten der unterschiedlichen 
Mentalitäten entschieden werden. 
50 Leiner (Anm. 13), S. 48-51 u. 54. 
280
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.