Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

fehlen jedoch fast ganz. Die weiteren Publikationen zur Geschichte Neunkirchens 
bauen im wesentlichen auf den Beiträgen des "Stadtbuches" von 1955 auf, für dessen 
historischen Teil Bernhard Krajewski verantwortlich zeichnete. Vom gleichen Ver¬ 
fasser sind - vor 1955 und später - zahlreiche heimatkundliche Beiträge veröffentlicht 
worden, die den Autor als den profundesten Kenner der Lokalgeschichte ausweisen. 
Nachdem die Stadt Neunkirchen zu Beginn der 1980er Jahre aufgrund der Entwick¬ 
lungen in der Montanindustrie in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt 
war, wurden auch in der Literatur die zugrundeliegenden historischen Ursachen für 
die krisenhaften Entwicklungen verstärkt behandelt. Die Arbeiten sind aber wiederum 
zumeist auf die Zeit nach 1850 gerichtet und primär wirtschaftshistorisch orientiert.4 
Sie bieten dennoch einen tieferen Einblick in die historische Situation und die jeweili¬ 
gen Konfliktlagen, als dies in den bis dahin für lokale wirtschaftshistorische Fragen 
einzig herangezogenen Publikationen des Neunkircher Eisenwerkes der Fall war.5 
Die Probleme der Urbanisierung in den zu Städten werdenden Industriedörfern 
behandelt Rolf Wittenbrock in einem neueren Aufsatz, wobei er die Entwicklung in 
Völklingen, Malstatt-Burbach und Neunkirchen vergleicht.6 Der Autor untersucht 
überblicksartig die Entwicklungen der drei durch die Hüttenindustrie am nachhaltig¬ 
sten geprägten saarländischen Gemeinden während der Phase ihrer Stadtwerdung und 
zeigt Gemeinsamkeiten wie aber auch lokale Besonderheiten auf. Die in diesem 
Aufsatz aufgeworfenen Fragestellungen dürften - nicht zuletzt auch durch das bis 
dahin fast völlige Fehlen von Arbeiten zur Urbanisierungsproblematik in der Saarre¬ 
gion - die Zielrichtung wie auch die Schwerpunkte der weiteren Behandlung der 
Thematik bestimmen. 
Die Ausgangstage 
Der geographische Rahmen wird durch die Verwaltungsgrenzen der Bürgermeisterei 
Neunkirchen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorgegeben. Neunkir¬ 
chen war eine Bürgermeisterei im Kreis Ottweiler, der sich am südlichen Rand des 
Regierungsbezirkes Trier befand, welcher seit 1815 zur preußischen Rheinprovinz 
4 Helmut Frühauf, Eisenindustrie und Steinkohlenbergbau im Raum Neunkirchen/Saar, Trier 
1980; ders., Frühindustrielle Entwicklungstendenzen im Montanwesen an der Saar: das 
Beispiel Neunkirchen, in: Der Anschnitt 34(1982), S. 11-23; ders., Der Montanindustriestand¬ 
ort Neunkirchen/Saar (1820-1910), in: Der Rhein-Neckar Raum an der Schwelle des Indu¬ 
strie-Zeitalters, Mannheim 1984, S. 199-217; Verkehrsverein Neunkirchen (Hrsg.), Deutsches 
Industriemuseum in Neunkirchen? (=Neunkircher Hefte 6), Neunkirchen 1983 <enthält im 
wesentlichen Vortrag von R. Slotta>; Gerd Meiser, Stahl aus Neunkirchen, Saarbrücken 1982; 
Rolf E. Latz, Die saarländische Schwerindustrie und ihre Nachbarreviere 1878 -1938, Saar¬ 
brücken 1985. 
5 100 Jahre Neunkircher Eisenwerk unter der Firma Gebr. Stumm, Saarbrücken 1906; 
Fünfviertel Jahrhunderte Neunkircher Eisenwerk und Gebrüder Stumm, Neunkirchen 1935. 
6 Rolf Wittenbrock (Anm. 2), S. 84-95. 
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