Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

Die Stadtvertreter, von der Entwicklung überrascht, waren mit diesem Projekt daher 
keinesfalls einverstanden.22 Ganz deutlich widersprachen die Pläne aus Berlin denen 
der Stadt selbst. Die Ausarbeitung des Bebauungsplans war unter diesen Umständen 
nicht möglich. Statt dessen rückte die Bekämpfung der drohenden Bahnpläne in den 
Mittelpunkt. Bürgermeister und Gemeinderat entschlossen sich noch einmal, mit der 
bewährten Unterstützung des Bezirkspräsidenten von Lothringen, von Hammerstein- 
Loxten,23 zu einem direkten Appell an den Kaiser. Wieder gab Wilhelm II. dem Im¬ 
mediatgesuch statt. Schon einige Tage später hatte er das Projekt abgelehnt und an¬ 
geordnet, daß die Reichseisenbahn bei der Projektausarbeitung die Interessen der 
Stadt stärker berücksichtigen solle.24 Auch der Kriegsminister beurteilte die Metzer 
Anfrage positiv.25 Die überraschende Unterstützung läßt vermuten, daß das Projekt 
das Militär ebenfalls nicht zufriedenstellte. Meinungsverschiedenheiten über das Pro¬ 
jekt hatte es, wie erwähnt, an "höherer Stelle" gegeben. 
Die Konzepte der Bahnbehörden im Meinungsstreit 
Die Metzer waren nun dank der kaiserlichen Entscheidung aufgefordert, ihre Wün¬ 
sche beim Militärgouvernement anzumelden.26 Unter Zeitdruck arbeitete Stadt¬ 
baurat Wahn mit dem renommierten Kölner Baurat Joseph Stübben einen städtischen 
Vorschlag aus: Die gesamte Bahnanlage sollte nach Osten verlegt werden, Personen- 
und Güterbahnhof getrennt. Durch eine Auslagerung des Güterbahnhofs würde der 
geplanten Neustadt mehr Raum gelassen, der Personenbahnhof bliebe in enger Ver¬ 
bindung mit der Stadt.27 Diese städtische Planung spiegelte jedoch kaum die Wün¬ 
sche der Bevölkerung wider, die sich inzwischen zu artikulieren begann.28 Und als 
die Generaldirektion der Reichseisenbahnen in Straßburg, die mit den Verhandlungen 
mit Metz betraut worden war, dann das städtische Projekt mit eisenbahntechnischen 
und finanziellen Einwänden ablehnte,29 ließ es auch die Stadt selbst schnell fallen. 
22 Gemeinderatssitzung v. 22. Dez. 1898. 
23 Das zweite Immediatgesuch v. 27. Jan. 1899 (in ADM, 10 AL 1013) erwähnt dessen 
Vorträge beim Kaiser, Kontakte mit dem Staatsminister und dem Ministerium für öffentliche 
Arbeiten. 
24 Bericht des Bürgermeisters im Gemeinderat am 24. April 1899, Protokoll S. 176. 
25 Protokoll der Vorbesprechung zur Konferenz am 14. Dez. 1900 in Metz in ADM, 10 AL 
1013. 
26 Bericht des Bürgermeisters (Anm. 24). 
27 Wahn (Anm. 15). 
28 "Le Messin" v. 15. März 1899 mit Zitat der "Gazette de Lorraine"; "Lothringer Zeitung" v. 
12. März 1899 und "Le Lorrain" v. 15. März 1899. 
29 Bericht (Anm. 24). 
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