Full text: Die alte Diözese Metz

dienstraum zugewiesen werden. Als sich der katholische Geistliche widersetzte, ord¬ 
nete der König am 23. April 1707 an, daß die Katholiken notfalls mit Gewalt zu ver¬ 
treiben wären; er hielt sich aufgrund des Artikels IX des Friedens von Rijswijk zu 
einem solchen Schritt für berechtigt - seiner Meinung nach hob Artikel IX den von 
ihm nie anerkannten Artikel IV auf. Diese Anordnung wurde jedoch nicht durchge¬ 
führt34. Die Lutheraner hielten ihren Gottesdienst im Schloß ab bis zur Fertigstellung 
der Karlskirche im September 1710. „Daß es ... nicht zu einem lutherischen Koexerzi- 
tium in Zweibrücken kam, lag weniger an dem katholischen Widerstand als vielmehr 
an der Uneinigkeit der Calvinisten und Lutheraner, die wegen der Gottesdienstzeiten 
keine Übereinkunft zu erzielen vermochten“35. 
Es trug nicht zum konfessionellen Frieden bei, wenn die Reformierten in Orten, in 
denen sich mehrere Lutheraner angesiedelt hatten, ihre Kirche zum Simultange¬ 
brauch zur Verfügung stellen mußten und des weiteren zur Bestreitung der Kosten 
des lutherischen Kirchen- und Schulwesens herangezogen wurden. Die konfessionel¬ 
len Spannungen verschärften sich noch, als in der folgenden Zeit Lutheraner bei der 
Vergabe von öffentlichen Stellen bevorzugt wurden’6. 
Inwieweit der Katholizismus durch die Anwesenheit des vertriebenen Polenkönigs 
Stanislaus Leszczynski „neuen Auftrieb“37 erhielt, läßt sich kaum beurteilen. Vier 
Jahre lang lebte Stanislaus mit seinem kleinen, fast ausschließlich aus Katholiken 
bestehenden Hofstaat in Zweibrücken. Als „persona grata“ bei Karl XII. konnte er 
sich es leisten, mit dem schwedischen Gouverneur Stralenheim, einem eifrigen 
Lutheraner, einen Streit wegen des Simultaneums in der Alexanderkirche auszutra¬ 
gen38. Die Auseinandersetzung mit dem Polenkönig hat sicherlich dazu beigetragen, 
daß Stralenheim seine Stellung im August 1718 verlor. Nun wurde ein Vertrauter Sta¬ 
nislaus’, der Pole Poniatowsky, ein Katholik, zum Gouverneur Pfalz-Zweibrückens 
ernannt. 
Als nach dem Tod Karls XII. (1718) mit Gustav Samuel Leopold ein Katholik - im 
Oktober 1696 war er in Rom zum katholischen Glauben übergetreten - die Regie¬ 
rung übernahm, entstanden in Pfalz-Zweibrücken auch wieder neue katholische 
Gemeinden39. Der neue Landesherr erklärte 1719 die Religionsfreiheit für alle drei 
34 Abschriften des Reskripts: Kirchenschaffneiarchiv (KSchA) Zweibrücken Abteilung IV Nr. 
4048; VI Nr. 1241; VI Nr. 1255 S. 10 -11; K i nzi nge r (wie Anm. 24) S. 558. 
35 Kinzinger (wie Anm. 24) S. 558. 
36 Johannes Müller, Die Vorgeschichte der Pfälzischen Union. Eine Untersuchung ihrer 
Motive, ihrer Entwicklung und ihrer Hintergründe im Zusammenhänge der allgemeinen Kir¬ 
chengeschichte (Untersuchungen zur Kirchengeschichte Bd. 3), Witten 1967, S. 53. 
37 Baumann (wie Anm. 20) S. 72; dagegen Kinzinger (wie Anm. 24) S. 763: „Der Aufent¬ 
halt der streng katholischen polnischen Königsfamilie hat sich offenbar in keiner Weise auf 
die Haltung der Regierung gegenüber den Katholiken ausgewirkt. Nirgends lassen sich Hin¬ 
weise finden, daß sich Stanislaw I. und seine Angehörigen für einen größeren Einfluß ihrer 
Konfession eingesetzt oder die staatlichen Maßnahmen bestimmt hätten“. Kinzinger 
kommt zu dem Ergebnis, „daß die Regierung auch während der Anwesenheit des polnischen 
Hofs den Katholiken gegenüber kein größeres Entgegenkommen zeigte“ (ebenda). 
38 Baumann (wie Anm. 20) S. 72; May (wie Anm. 2) S. 311. 
39 Zum folgenden A m m e r i c h (wie Anm. 22) S. 97. 
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