Full text: Die alte Diözese Metz

ten an verschiedenen Orten katholische Gemeinden weiterbestehen. Es kam zu 
einem Nebeneinander der drei Konfessionen, wobei auch Simultaneen begründet 
wurden. Dies gilt auch für Zweibrücken, wo in der Alexanderkirche bereits seit 1684 
aufgrund des Edikts Goupilliéres das Simultaneum eingerichtet worden war. Somit 
bestand in Zweibrücken wieder eine katholische Pfarrei, deren erster Pfarrer Karl 
Desiderius Royer (1684 - 1690)26 war. 
Ein 1698 veröffentlichtes Einwanderungspatent gestattete auch Lutheranern völlige 
Gewissensfreiheit und freie Religionsausübung. Nun begann sich die lutherische Kir¬ 
che in Pfalz-Zweibrücken neu zu formieren27. Bereits im gleichen Jahr läßt sich in 
Zweibrücken eine lutherische Gemeinde nachweisen, deren Pfarrer aus den Einkünf¬ 
ten der Reformierten bezahlt wurde2*. Da in der Alexanderkirche aufgrund der 
Ordonnanz vom Dezember 1684 das Simultaneum eingerichtet und die Kirche an die 
reformierte und die katholische Gemeinde vergeben worden war, wies man den 
Lutheranern einen Saal im ehemaligen Bibliotheksbau des Residenzschlosses zu; die¬ 
ser Raum reichte jedoch wegen der ständig zunehmenden Zahl der lutherischen 
Gemeinde schon bald nicht mehr aus29. Der schwedische Gouverneur Oxenstierna 
konnte schließlich erreichen, daß die Reformierten und die Katholiken auch den 
lutherischen Gottesdienst in der Alexanderkirche zuließen30. Es war somit die Situati¬ 
on eines Trimultaneums gegeben - wenn auch nur für kurze Zeit! Am 4. Juni 1699 
wurde der erste Gottesdienst der lutherischen Gemeinde in der Alexanderkirche 
gehalten. Karl XII. war jedoch damit nicht einverstanden und wies Oxenstierna am 
14. Juni 1699 an, diese Maßnahme wieder aufzuheben31. Der König befürchtete wohl, 
daß sich die Reformierten wie die Katholiken auf dem Reichstag über Eingriffe in ihr 
Kirchenwesen beklagen würden; außerdem wollte er nicht zulassen, daß die lutheri¬ 
sche Gemeinde bei der Festlegung der Gottesdienstzeiten Nachteile hätte hinnehmen 
müssen32. 
Als im Jahr 1707 die lutherische Gemeinde bis zur Fertigstellung einer eigenen Kir¬ 
che, der Karlskirche, einen größeren Raum für ihren Gottesdienst benötigte, änderte 
Karl XII. seine Meinung: Er befahl am 27. Januar 1707, da der Saal im Residenz¬ 
schloß für die inzwischen stark angewachsene Gemeinde zu klein geworden war. in 
der Alexanderkirche statt dem katholischen ein lutherisches Koexerzitium einzurich¬ 
ten33. Der katholischen Gemeinde sollte als Ersatz der Saal im Schloß als Gottes¬ 
26 Friedrich BUtters, Royer, der erste kathol. Pfarrer nach der Reformation in Zweibrücken, 
in: Pfälzisches Memorabile, Teil X oder 6. Nachtrageheft, Westheim 1882, S. 30 - 68. 
27 Kinzinger (wie Anm. 24) S. 548ff; May (wie Anm. 2) S. 310 - 313. 
28 Georg Biundo, Geschichte der lutherischen Gemeinde in Zweibrücken, in: Die Karls¬ 
kirche in Zweibrücken, Zweibrücken 1970, S. 44-61, hier S. 57f; Kinzinger (wie Anm. 24) 
S. 556. 
29 Kinzinger (wie Anm. 24) S. 555 - 557. 
30 Ebenda S. 557f. 
31 EbendaS. 558. 
32 Ebenda. 
33 Ebenda; bei May (Anm. 2) S. 310 wird als Datum der 27. Februar 1707 angegeben! 
281
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.