Full text: Die alte Diözese Metz

es: Du sollst dir kein Bildnis machen! Pfarrer und Presbyter protestieren. Am 12. Mai 
1771 wird eine Prozession von Labach nach Wiesbach veranstaltet. Ab 1775 findet 
alljährlich in Wiesbach eine Fronleichnamsprozession statt. In der Kirche werden 
Fahnen aufgehängt. Die Zweibrücker Regierung reagierte nur langsam auf die refor¬ 
mierten Beschwerden aus Wiesbach. Wenn aber eine Maßregelung bezüglich des 
katholischen Kultus ausgesprochen wurde, fand sie im Ort keine Beachtung. Die 
Reformierten wurden so mit der Zeit ihrer Beschwerden überdrüssig und resignier¬ 
ten. 
Man arbeitete nur dort zusammen, wo es unbedingt nötig war. 1779 wurde etwa das 
morsch gewordene Türmchen durch einen neuen Dachreiter ersetzt. Das gleiche 
geschah 1830. Von 1884 bis 1886 wird die Kirche umfassend renoviert. Beide Konfes¬ 
sionen zahlen die Hälfte. Der Friedhof um die Kirche wird von beiden Konfessionen 
gemeinsam benutzt. Auch die zahlreichen Parochialorte der Wiesbacher Kirche 
haben hier ihr Begräbnis. Erst im 19. Jahrhundert werden dort eigene Friedhöfe 
angelegt15. 
Für 1779 ist folgende Baupflicht an der Wiesbacher Kirche überliefert: Langhaus: 
Zweibrücker Landschreiberei-Gefälle; Chor und Turm: Gemeinde, ebenso für 
Gestühl und Empore, Schulhaus, Kirchhof und Kirchhofmauer. Wie die Kirchen von 
Lambsborn und Großbundenbach besaß auch die Wiesbacher Kirche ein mittelalter¬ 
liches Beinhaus. Dieses befand sich an der Stelle des späteren katholischen Schulhau¬ 
ses, das 1771 dem neuen katholischen Pfarrhaus Platz machen mußte. Die Protestan¬ 
ten hatten 1748 vergeblich versucht, dieses Schulhaus wieder in ihren Besitz zu 
bekommen16. Vorsorglich haben die Wiesbacher Katholiken auf allen vier Ecksteinen 
des neuen Pfarrhauses die Inschrift: „Katholisches Pfarrhaus 1771“ eingehauen, wie 
es jetzt noch im Untergeschoß des heute privaten Hauses zu sehen ist. 1787 wird an 
die Kirche eine Sakristei angebaut, damals ist bereits der bekannte Pfarrer Michael 
Schang Ortspfarrer in Wiesbach17. Die Kirche ist, wie ein 1875 vor dem Zweibrücker 
Notariat geschlossener Vertrag zwischen beiden Konfessionen zwecks Erbauung 
einer neuen Sakristei zeigt, im ausschließlichen Besitz der Protestanten, die Katholi¬ 
ken haben lediglich das Simultanrecht. 
Der ständige Streitpunkt war bis zum Einzug der Katholiken in ihre neuerbaute Kir¬ 
che im Jahre 1914 das Zeichenläuten für den protestantischen Gottesdienst während 
der Meßfeier. Außerdem gab es immer wieder Verwicklungen durch die Tatsache, 
daß die Katholiken den Altartisch der Protestanten zur Seite rückten, um den Chor 
für ihren Gottesdienst frei zu haben. In mehreren Kirchen der Pfalz waren zu diesem 
15 Mörsbach 1818, s. Bernhard H. Bonkhoff, Mörsbach, ein Dorfbuch, Mörsbach 1988; Käsh¬ 
ofen 1825, Rosenkopf 1828, Krähenberg 1832. 
16 Pfarrgedenkbuch Wiesbach 1741-1931. 
17 Dieter Blinn, Johann Michael Schang, Pfarrer in Wiesbach von 1781-1803 (Heimatkalender 
1982 für das Pirmasenser und Zweibrücker Land), Rengsdorf 1981, S. 172-177; ders.. Aus 
Wiesbachs Vergangenheit (Heimatkalender 1983 für das Pirmasenser und Zweibrücker 
Land), Rengsdorf 1982, S. 64-71. 
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