Full text: Die alte Diözese Metz

gen von 16214. Der Bischof selbst sprach von 50jähriger Unterbrechung der Verbin¬ 
dung5. 
Die Visitation von 1669 darf jedoch nicht nur deshalb unsere besondere Aufmerk¬ 
samkeit beanspruchen. Sie berührte eine zwischen dem Reich und Frankreich heftig 
umstrittene Rechtsfrage. Außer Saarburg und Vergaville lagen nach Reichsverständ¬ 
nis alle genannten kirchlichen Verwaltungssitze auf Reichsboden in protestantischen 
Territorien. Sie waren damit aus dem Metzer Diözesansprengel ausgeschieden. Nach 
französischem Verständnis waren im Frieden von Münster jedoch nicht nur die 
Hochstifte (Drei Bistümer) Metz, Toul und Verdun französisch geworden, sondern 
auch die zugehörigen Diözesangebiete, d.h. über den weltlichen Besitz hinaus die 
geistlichen Sprengel; darauf soll später noch kurz eingegangen werden. Visitiert wur¬ 
den 1669 demnach die problematischsten Teile der Diözese6. Eine Visitation in die¬ 
sem Umfeld mußte fast zwangsläufig politische Spannungen nicht nur sichtbar wer¬ 
den lassen, sondern auch verstärken. 
Weitere Punkte sind zu nennen, die die Visitation von 1669 aus der Serie üblicher 
Visitationen herausheben. Sie fiel in ein für die Metzer Diözesangeschichte wichtiges 
Jahr. 1668/69 hatte die Metzer Diözese mit D'Aubusson einen neuen Bischof erhal¬ 
ten, der sich als wirklicher Hirte erweisen sollte7 8.1609 geboren, aus einer südfranzösi¬ 
schen Adelsfamilie stammend, Doktor der Theologie der Pariser Sorbonne, seit 1648 
Erzbischof von Embrun/Hautes Alpes, 1658 französischer Gesandter in Venedig, seit 
1661 in Madrid5, war D’Aubusson am 25. Juni 1668 von Ludwig XIV. auf den Metzer 
Bischofsstuhl berufen worden. In den Jahrzehnten davor hatte der König zwar mehr¬ 
fach Metzer Bischöfe ernannt, nun aber erstmals nicht mehr im Widerspruch zur 
Kurie. Erst einen Monat zuvor, am 24. Mai, hatte Rom nach langen Auseinanderset¬ 
zungen das auch für die Diözesen Metz, Toul und Verdun bislang geltende Wiener 
Konkordat von 1448 durch eine neue Vereinbarung zugunsten des Königs ersetzt. 
4 Von denen allerdings keine Protokolle überliefert sind. Vgl. Répertoire des visites pastorales, 
S. 124 f. 
5 ... ut officio meo, a 50ta annis intermisso, satisfaciam . . . (Berichte des Kapuzinerpaters 
Cornelius an den Freiherrn Damian Hartard von der Leyen bzw. an dessen Bruder, den Trie¬ 
rer Kurfürsten Karl Kaspar von der Leyen, vom 8. bzw. 10.6.1669: Waal 2666). 
6 Daß es bei Visitationen in Gebieten, in denen der kirchliche Sprengel andere Territorien über¬ 
deckte, zu Komplikationen kommen konnte, darauf hat bereits Zeeden hingewiesen, auch 
daß das Visitationsrecht zu einer Art Hoheitsrecht geworden war (Einleitung zu „Kirche und 
Visitation“, vgl. Anm. 3). 
7 Zu seinem Lebensbild vgl. La France pontificale (Gallia christiana), v. M. H. Fisquet, Paris 
o.J., S. 970 ff. - Le diocèse de Metz, hg. v. Henri Tri bout de Morembert (Histoire des 
diocèses de France), Paris 1970, S. 122 ff. - Gérard Michaux, Réforme catholique et Cont¬ 
re-Réforme à Metz au XVIIe s., in: Protestants messins et mosellans, XVIIe - XIXe s. Actes 
du colloque organisé à l’occasion du tricentenaire de la révocation de l’édit de Nantes, réunis 
par F.-Y. Le Moigne et G. Michaux, Metz 1988, S. 47 ff. - Jean-Paul Achereiner, 
La restauration paroissiale dans le diocèse de Metz durant l’épiscopat de Georges d’Aubusson 
de la Feuillade (1669 - 1697), mémoire de maîtrise, Metz 1974 (masch.schr.), S. 146 f. - Ency¬ 
clopédie illustrée de la Lorraine: La vie religieuse, hg. v. René Taveneaux, Nancy-Metz 
1988, S. 135 ff. (mit Porträtabbildung; Porträt auch in: Protestants messins S. 133). - Sein Wap¬ 
pen bei H. Tribout de Morembert und A. Haefeli, Les évêques de Metz. Armorial 
- Bio-Bibliographie, in: Annuaire de la Soc. d’hist. et d’arch. de la Lorraine 61, 1961, S. 77 ff., 
hier S. 79 f. 
8 Hinweise auf D’Aubussons durchaus nicht unbedeutende Rolle in einer wichtigen Phase fran¬ 
zösischer Außenpolitik (span. Erbschaft Ludwigs XIV.) vgl. Johann Strunz, Die französi¬ 
sche Politik in den ersten Jahren der Selbstregierung Ludwigs XIV., 1661 - 1667, Berlin Phil. 
Diss., 1920. 
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