Full text: Die alte Diözese Metz

Abhaltung vom Abendmahlsgebrauch. Herzog Ruprecht hat diese Ordnung umge¬ 
hend am 18. November 1539 genehmigt und ebenfalls zur Nachahmung im ganzen 
Lande empfohlen77 78. 
Damit lebt in der jungen evangelischen Landeskirche Zweibrückens der mittelalterli¬ 
che Pfarrsend wieder auf. Er ist hier zugleich nachgestaltet dem von Zwingli neu ein¬ 
gerichteten Ehe- und Sittengericht, das von Zürich aus gerade in diesen Jahren seine 
Ausbreitung in den südwestdeutschen Reichsstädten nahm™. Die Zweibrücker Ord¬ 
nung hat ihr Seitenstück in der von ßutzer nach Hessen vermittelten Ziegenhainer 
Zuchtordnung von 153979 80. 
Mit diesen Ordnungen von 1539 ist der Aufbau der evangelischen Landeskirche von 
Pfalz-Zweibrücken in den Grundelementen abgeschlossen. Am 19. Mai 1540 verlor 
sie mit Schwebels Tod ihren Gestalter. Die Entstehung der Landeskirche mit den 
Phasen von landesherrlicher Förderung und dann landesherrlich approbierter Ord¬ 
nung gehört in die Zeit der vormundschaftlichen Regierung der Pfalzgräfin Elisabeth 
und des Pfalzgrafen Ruprecht 1532-1543. Herzog Wolfgang ist der Erbe und nach 
dem Interim und Religionsfrieden Reorganisator, aber nicht Schöpfer der Landeskir¬ 
che. Seine Kirchenordnung von 1557* hat die evangelische Lehrordnung und vor 
allem eine detaillierte Gottesdienst- und Kasualienordnung nach melanchthonisch- 
mecklenburgischen und württembergischen Vorbildern kodifiziert. Das ist weithin 
Übertragung fremden Rechts nach Zweibrücken. 
Nur in einem Abschnitt greift sie auf Landesrecht zurück, in einem Abschnitt: „Von 
Lastern, Ehebruch oder anderer Unzucht, Verachtung christlicher Lehre und Sakra¬ 
mente“81. Das ist der Sache nach, ausführlicher und neu formuliert, doch gelegentlich 
auch mit wörtlichen Übernahmen die Zensurordnung von 1539. Auf diesem Wege, 
nämlich über Zweibrücken 1557 und entsprechend die hessische Kirchenordnung, ist 
einer ganzen Reihe von westdeutschen lutherischen Landeskirchen das dem calvini- 
schen Consistoire oder Presbyterium vergleichbare und aus Straßburg wurzelver¬ 
wandte Censorenkollegium zugewachsen. In der Sache aber ist dies eine protestanti¬ 
sche Neuauflage des mittelalterlichen Pfarrsends. 
77 Ebd., fol. 211 recto - verso und 208 recto. 
78 Walther Köhler, Zürcher Ehegericht und Genfer Konsistorium, Bd. 1-2, Leipzig 1932- 
1942. 
78 Emil Schling, Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts, Bd. VIII, 
1 (Tübingen 1965), S. 20-22 und 101-112. 
80 Reproduktion des Titelblatts bei Kuby (wie Anm. 55), S. 37. Regest bei Aemilius Ludwig 
Richter, Die evang. Kirchenordnungen des sechszehnten Jahrhunderts, Bd. 2, Weimar 
1846, S. 194-197. Über den agendarischen Teil Wolfgang Jung (wie Anm. 35), S. 19-30. Zu 
den Quellen und der Geschichte Johannes Schneider, Der Entwurf der Zweibrückischen 
Kirchenordnung von 1557, in: Zeitschr. f. Kirchenrecht 19 (1884), S. 440-451. - Walther 
Koch, Die Vorgeschichte der Zweibrücker Kirchenordnung von 1557, in: Bll. f. pfälz. 
Kirchengesch. (1957), S. 75-105. 
81 Richter (wie Anm. 80), S. 194-196. 
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