Full text: Die alte Diözese Metz

Daraus wird ersichtlich, daß der alte gallorömische Vicus Sarrebourg im frühen Mit¬ 
telalter über eine nicht unerhebliche städtische Ausstattung verfügte: seine histori¬ 
sche und topographische Kontinuität reicht bis in die Antike zurück, später erscheint 
dann Sarrebourg als befestigter Hauptort einer gleichnamigen Grafschaft, als bischöf¬ 
liche Zoll- und Münzstätte und schließlich als Archidiakonatshauptort. Es nimmt 
somit schon um das Jahr 1100 einen nicht unbedeutenden Rang in der Städtehierar¬ 
chie des lothringischen Raumes ein. Natürlich liegt es weit hinter den lothringischen 
Bischofsstädten (Sarrebourg kommt auf 4 Stadtkriterien. Metz dagegen auf 20, Trier 
auf 19, Verdun auf 16, Toul auf 12), aber zu den rheinischen Bischofsstädten ist der 
Abstand schon weniger groß (Speyer und Worms 12, Straßburg 9, Basel 5). 
Eine weitere Besonderheit Sarrebourgs besteht in seiner relativ isolierten geographi¬ 
schen Lage: Im Mosel- und in geringerem Maße auch im Maastal liegen Orte mit 
hohen Zentralitätskoeffizienten in jeweils weniger als 35 km Abstand voneinander 
wie an einer Perlenschnur aufgereiht (hier Luxemburg, Diedenhofen, Metz, 
Dieulouard und Toul sowie Epinal, Remiremont und Luxeuil, dort Verdun und St. 
Mihiel). Sarrebourg dagegen liegt zwar 40 km von Vic und Marsal. aber 95 km von 
Metz, 73 km von Saarbrücken, 66 km von Straßburg und 53 km von Lunéville ent¬ 
fernt - wobei diese Aufzählung nur die Orte umfaßt, deren Kriterienanzahl die Sarre¬ 
bourgs erreicht oder übertrifft. Diese isolierte Lage zieht sich als Konstante durch die 
hochmittelalterliche Geschichte Sarrebourgs: Das Land am Oberlauf der Saar liegt 
im rheinfränkischen Dialektgebiet, isoliert zwischen dem Alemannischen im Osten 
und dem Romanischen im Westen. Es wird kaum von der benediktinischen Grün¬ 
dungswelle erfaßt, die dort nur zur Gründung schwach ausgestatteter Frauenklöster 
von geringerer Ausstrahlungskraft (Hessen/Hesse, Vergaville, Herbitzheim) sowie 
einiger weniger und zum Teil später Priorate (Lixheim, Lörchingen/Lorquin, St. Qui¬ 
rin, Finstingen/Fénétrange8) führt. Diese Randlage des Landes an der oberen Saar 
könnte einige Phänomene erklären, die die Pouillés, wenn auch ein wenig später, ans 
Licht bringen. Zu nennen wäre hier etwa der noch im 16. Jh. sehr hohe Anteil weltli¬ 
cher Kollatoren: Im Archidiakonat Sarrebourg haben 40 % der Pfarreien einen welt¬ 
lichen Kollator, in dem von Marsal dagegen nur 27 %, in dem von Vic 12 %. Vor 
allem die geistlichen Kollatoren aus dem romanischsprachigen Lothringen sind klar 
unterrepräsentiert: 5 % der Pfarreien im Archidiakonat Sarrebourg gegenüber 56 % 
für Marsal und 75 % für Vic. Die geistlichen Institutionen der Bischofsstadt sind 
kaum vertreten: Metzer Abteien und Stifte sowie das Domkapitel haben das Patro¬ 
natsrecht in der Hälfte der Pfarreien der Archidiakonate Vic und Marsal, aber nur in 
7 der 171 Pfarreien des Archidiakonats Sarrebourg. Da also dieses Phänomen im 
benachbarten, nahezu in ebensolchem Maße deutschsprachigen Bezirk Marsal nicht 
auftritt, ist wohl zu folgern, daß hier die in bezug auf die Bischofsstadt isolierte geo¬ 
graphische Lage eine größere Rolle spielt als die Sprachgrenze9. Die Zahlen relativie¬ 
8 Das letztgenannte Priorat erscheint erst 1252 als von der Benediktinerabtei Saint-Mihiel 
abhängig in den Quellen (M. Parisse, La Lorraine monastique, Nancy 1981, S.133). 
9 Pouillé aus dem 14. Jh. in einer Fassung von 1540, in: A. Longnon und V. Carrière, 
Pouillés de la province ecclésiastique de Trêves, Paris 1915 (= Recueil des historiens de la 
France, Pouillés, V), S. 215ff. 
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