Full text: Die alte Diözese Metz

Auflage wie im Fall St. Theobald/Metz, nämlich der Investitur des Dekans durch die 
Äbtissin von Neumünster nach der Wahl durch das Kapitel110. 
Auch im Fall Saarburg treffen wir einen längeren Zeitraum der Gründung an. Das in 
der Literatur immer wieder genannte Datum 1256 kennzeichnet den Abschluß einer 
sich über mehr als zwei Jahrzehnte erstreckenden Entwicklung. In einer Urkunde 
von Schultheiß und Geschworenen der Stadt Saarburg aus dem Jahre 1232 erschei¬ 
nen unter den Zeugen auch Andree archipresbiteri et totius capituli in Sarburc,04. Es 
könnte dabei freilich auch an die Gemeinschaft der Pfarrer des Archipresbyterates 
gedacht sein, die zusammen das Landkapitel bildeten. Analoge Bezeichnungen für 
den Klerus anderer Archipresbyterate sind allerdings nicht bekannt. Die Bezeich¬ 
nung einzelner Archipresbyterate105 nach Titelorten verfestigte sich in der Diözese 
Metz erst im Laufe des 14. Jahrhunderts'1*. Zunächst wurden die Archipresbyter nach 
der Pfarrei benannt, deren Inhaber sie sind. Im Jahre 1327 liegen bei 17 von insge¬ 
samt 20 Archipresbyteraten die Titelorte fest. Für eine frühe Herausbildung von 
Saarburg als Titelort nicht nur eines Archidiakonats, sondern auch eines Archipres- 
byterats spricht die Nennung eines Archipresbyters von Saarburg im Jahre 1225, der 
damals schon ein eigenes Siegel führte107. Auffällig ist die Zeugenreihe derselben 
Urkunde: confratres Simon, Bartolomeus, Bern, Johannes de Hibera, Reimboldus, 
Folmarus, Rufus, Ludowicus presbiteri de Sarburc. Handelt es sich hier um Pfarrer 
des Archipresbyterats oder die Mitglieder eines noch nicht kanonisch errichteten 
Stiftes? Sie erfolgte im Jahre 1256 durch Bischof Jakob von Metz, aber noch fehlte 
dem Stift eine eigene Kirche. Erst nachdem die Grafen von Saarwerden auf ihr Patro¬ 
natsrecht an der Stephanskirche zugunsten des Stiftes verzichtet hatten"*, war die 
Gründungsphase abgeschlossen. 
Das Muster des Gründungsvorganges ist bei den vorgestellten hochmittelalterlichen 
Stiften St. Peter maior, St. Maria rotunda, St. Salvator, St. Theobald, St. Stephan/Vic, 
St. Leodegar/Marsal und St. Stephan/Saarburg sehr ähnlich. Immer ist die Mitwir¬ 
kung des Metzer Bischofs erkennbar, nicht nur, daß er die Neugründung bestätigt, 
sondern von ihm geht die Initiative aus, und/oder er beteiligt sich an der Dotierung. 
Die Tatsache, daß in den Fällen St. Theobald/Metz und St. Leodegar/Marsal die 
Frauenabteien St. Glossindis bzw. St. Terentius/Neumünster beteiligt sind, sollte 
Vgl. die Urkunde der Äbtissin und des Konventes von Neumünster vom August 1222 und 
des Bischofs Konrad von Metz vom 29. September 1222, beide ediert von Calmet, Histoire 
de Lorraine, Bd. 2 preuves col. 432 f. 
104 AD Bas-Rhin G 5432. 
105 Dorvaux (wie Anm. 9) S. XIII f. und S. 4 (Polium von 1327). 
106 Zum Beispiel: 1231 archipresbyter de Bolai, später Archipresbyterat Varize (Mittelrhein. 
Urkundenbuch Bd. 3 S. 351 f. Nr. 446); 1236 W. archipresbyter de Vinstinga, später Archiprsb. 
Bockenheim (Jungk, wie Anm. 29 Nr. 323); 1270 archipresbyter de Bexobesheym (= Bischmis¬ 
heim) später Archiprsb. St. Arnual (Paris BN, Collection de Lorraine Tome 975 fol. 7); 1302 
archipresbyter de Sancto Engelberto (- St. Ingbert) später Archiprsb. St. Arnual (ebenda 
Tome 98, fol. 108), 1316 archipresbytero de Wadrike (=Vaudreching) später Archiprsb. 
Kedingen (Jb. d. Gesellsch. f. lothr. Gesch. 7,2,1895 S. 151 Nr. 40). 
107 AD Moselle H 4696, 1. 
108 Druck der Zustimmung Friedrichs von Saarwerden in: Jb. f. lothr. Gesch. u. Altertumskde. 9, 
1897 S. 262; Herrmann, Saarwerden I Nr. 130,131. 
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