Full text: Die alte Diözese Metz

Noch also hat der Archidiakon, obwohl er in diesen Streit selbständig eingreift, sogar 
den Bann verhängen kann, nicht die Jurisdiktionsgewalt, auch eine Urkunde auszu¬ 
stellen. An diesem Beispiel läßt sich einmal mehr erkennen, wie das Lehrgebäude der 
Kirchenrechtler vom Übergang vom Archidiakon älterer Ordnung zu dem jüngerer 
Ordnung der Wirklichkeit nur grob holzschnitthaft entspricht. Die Entwicklung hatte 
vielmehr zahlreiche feine Zwischenstufen. Was die Gewalt des Archidiakons angeht, 
den Kirchenbann auszusprechen, so ist dies für Metz um 1100 gewiß nicht neu. 
Bereits Chrodegang sah sich in seiner Regel veranlaßt, seinen Kathedralklerikern 
(dabei können nur die Dignitäre gemeint sein) zu verbieten, daß sie sich gegenseitig 
exkommunizieren87. Somit verfügte der Metzer Archidiakon bereits sehr lange über 
dieses äußerste disziplinarische Mittel, 1109 auch über die Möglichkeit, über dessen 
Anwendung eine Art Protokoll niederschreiben zu lassen, jedoch noch nicht über die 
Befugnis, eine carta, also eine dispositive Urkunde jurisdiktionellen Inhalts auszustel¬ 
len. 
7. Die Metzer Archidiakonate im 12. und 13. Jahrhundert 
Durch die Vorauspublikationen der Metzer Bischofsurkunden des 12. Jahrhunderts 
von Michel Parisse wird die Quellenlage für die Folgezeit dankenswerterweise sehr 
viel besser und klarer als bisher. An diesem Material erweist sich, daß die Zahl der 
vier Archidiakonate nun fest bleibt, daß sich sogar ihre Sprengel, wie Parisse in sei¬ 
nen Anmerkungen immer wieder gezeigt hat, auf die späteren der Archidiakonate 
Metz, Vic, Marsal und Saarburg festlegen lassen. Bei dem Archidiakon Hugo von 
Bar, Archidiakon seit 1158, Primicerius seit etwa 1170, gestorben 1200, dem Parisse 
eine eigene Studie widmete, beobachten wir dann auch regelrechte, persönlich for¬ 
mulierte Archidiakonsurkunden88. Wenn ich gesagt habe, daß im 12. Jahrhundert die 
Sprengel der Archidiakone schon die späteren von Metz, Vic, Marsal und Saarburg 
waren, so scheint mir jedoch hier eine kleine Vorsicht angebracht. Diese Namen sind 
noch nicht nachweisbar, die Archidiakone werden alle deutlich weiter als Angehörige 
des Kathedralklerus bezeichnet, haben vielleicht das eine oder andere Propstamt 
nebenher, aber keineswegs eine Propstei, die mit dem Archidiakonatssitz fest ver¬ 
bunden wäre. Vielmehr ist es so, daß sogar die Dignitäten Primicerius, Dekan, Kan¬ 
tor, Thesaurarius mitnichten fest mit je einem der vier Archidiakonate gekoppelt 
87 Regula canonicorum cap. 12 (wie Anm. 38) S. 9. 
181 Michel Parisse, Une carrière ecclésiastique au XIIe siècle, Hugues de Bar, in: Annuaire de 
la société d’histoire et d’archéologie de la Lorraine 64 [78] (1965) S. 85-111; zur Entwicklung 
des kirchlichen Urkundenwesens vgl. außerdem Acht, Cancellaria (wie Anm. 75) passim 
und Parisse, Lex chartes des évêques de Metz au XIIe. Étude diplomatique et paléogra¬ 
phique, in: Archiv für Diplomatik 22 (1976) S. 272-316. - Zu geistlichen Laufbahnen auch 
ders.. Les princiers messins au XIIe siècle. Questions généalogiques et chronologiques, in: 
Annuaire (wie oben) 71 [85] (1971) S. 23-28; für das 13. Jahrhundert Charles McCurry, 
Religious careers and religious devotion in thirteenth-century Metz, in: Viator 9 (1978) S. 324- 
334, 
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