Full text: Die alte Diözese Metz

Kadroe (t 975) sei ein in der zur Kathedralgruppe gehörigen Marienkirche (heute 
Notre-Dame la Ronde) aufgebahrter Archidiakon in der Nacht vom hl. Clemens 
gegen Dämonen verteidigt worden, wie man durch Traumgesichte erfahren habe, 
und man habe ihn deswegen auch in St. Clemens bestattet. Weil der leider nicht 
namentlich genannte Archidiakon in diesem Bericht als archidiaconus sancti Stephani 
bezeichnet wird7', darf man wohl annehmen, daß sein Amtsbezirk auf die Kathedrale 
als Zentrum bezogen war. Weitere Schlüsse auf die räumliche Ausdehnung sind 
damit jedoch nicht möglich. 
Im weiteren Verlauf des 10. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 11. Jahrhun¬ 
derts treten die Metzer Archidiakone in den Urkunden etwas zurück76. 1070 lehnte 
sich Adalbero III. mehr an die Trierer Struktur dieser Zeit an: es werden der Dekan 
Heinrich, ein Chorbischof Geruold, der Kantor Adelard. der Küster Johannnes und 
zwei Kanoniker genannt77. Die Trierer Urkunden dieser Zeit nennen ja noch bis ins 
frühe 12. Jahrhundert beharrlich einen Chorbischof, der aber kein geweihter Bischof 
mehr war und die Funktion eines Archidiakons als Aufsichtsbeamter für Landkir¬ 
chen hatte™. Als einen solchen Archidiakon mit dem Titel Chorbischof darf man auch 
Geruold ansehen. So scheint die von Adalbero I. ins Leben gerufene Archidiakonats- 
organisation wieder in Fluß geraten zu sein. 
75 Gedruckt in der Vorrede von J. R. Dieterich zu Hecelinus monachus, Translatio et mira¬ 
cula sancti Clementis, MGH SS 30/2, Leipzig 1934 S. 894f., das Zitat S. 894 Z. 3; zur Quelle 
vgl. Baudouin de Gaiffier, Notes sur le culte des SS. Clément de Metz et Caddroë, in: 
Analecta Bollandiana 85 (1967) S. 21-43. Das Vorhaben Dietrichs I. setzt das Chronicon S. 
Clementis Mettense, ed. Georg Waitz, MGH SS 24, Hannover 1879 S. 499, ins Jahr 981. 
Zum Wirken Dietrichs I. vgl. jetzt Robert Folz, Un évêque ottonien. Thierry I de Metz 
(965-984), in: Media in Francia. Recueil de mélanges offert à Karl Ferdinand Werner, Paris 
1989, S. 139-156, François Heber-Suffrin, L'œuvre architecturale des évêques de Metz 
autour de l’an mil, in: Haut Moyen-Age. Culture, éducation et société. Études offertes à 
Pierre Riché, hg. von Michel Sot, Paris 1990 S. 412-415, Franz S t a a b, Eine Metzer Minia¬ 
tur des heiligen Willigis aus dem 12. Jahrhundert, in: 1000 Jahre St. Stephan in Mainz. Fest¬ 
schrift, hg. von Helmut Hinkel (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kir¬ 
chengeschichte, 63), Mainz 1990 S. 41-45, ders., Die Verehrung des heiligen Stephan, in: ebd. 
S. 178-180. - Der Titel archidiaconus sancti Stepphani ist noch im 12. Jahrhundert für den 
Kanzler und Dekan Philipp nekrologisch bezeugt, vgl. Peter Acht, Die Cancellaria in Metz. 
Eine Kanzlei- und Schreibschule um die Wende des 12. Jahrhunderts (Schriften des wissen¬ 
schaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Reich an der Universität Frankfurt, N.F. 25), 
Frankfurt am Main 1940 S. 26. Acht konnte diesen Archidiakon Philipp nicht einordnen; in 
Urkunden ist er aber sehr wohl nachweisbar, vgl. Cart. Gorze Nrn. 156 (1143), 176 (1138/63), 
180 1152/60), 182 (1152/60), 189 (1164/70); Mrh. UB 1 (wie Anm. 10) Nr. 524 (1142). 
76 Cart. Gorze Nr. 123 S. 222 zu 1007: ... S. Wigerici primicerii; Gengulfi, prepositi; Heidemodi 
decani ... - Vgl. unter Adalbero III., Cal met (wie Anm. 53) Preuves Sp. 447 zu 1056: 
...favente Folmaro comite, omnique nostri palatii senatu, signantibus subscriptis testibus. Sign. 
Alberti primicerii. Sign. Folmari archidiaconi. Sign. Joannis thesaurarii. Sign. Gervoldi archica- 
pellani... - Nach dem Chronicon S. Clementis Mettense (wie Anm. 75) S. 499 Z. 7 war Wige- 
rich bereits 981 Primicerius gewesen. Unter Dietrich I. (965-985) hatte er nacheinander die 
Ämter des Kantors und des Kustos bekleidet, vgl. de Ga if fier, SS. Clément de Metz et 
Caddroë (wie Anm. 75) S. 33f., 39f. 
77 C. Van de Kieft, Note sur une charte-censier du domaine d’Eppelsheim, dépendant de la 
collégiale Saint-Sauveur de Metz (1070), in: Le Moyen Age 68 (1962) S. 317-320; ältere, 
unvollständige Edition bei Ludwig Baur, Hessische Urkunden 5, Darmstadt 1860 Nr. 1 
S. 1-4. - Zur Urkunde vgl. Heinrich Büttner, Ein unbeachtetes Hofrecht des 12. Jahrhun¬ 
derts, in: Festschrift Edmund E. Stengel zum 70. Geburtstag am 24. Dezember 1949 darge¬ 
bracht, Münster, Köln 1952 S.31-39. - Eine weitere übersehene Urkunde Adalberos III. von 
1070 hat Voey de Ryneck übersetzt, vgl. Heck mann (wie Anm. 14) S. 51,186 Anm. 174. 
78 Vgl. Bastgen, Trierer Archidiakonate (wie Anm. 7) S. 44. Seine Untersuchung bedarf 
jedoch dringend einer Überprüfung. 
106
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.